Licht im Osten (Schweiz)
Missionsgesellschaft in der Schweiz
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Licht im Osten ist ein christliches Missions- und Hilfswerk mit Sitz in der Schweiz, das sich der Verbreitung des Evangeliums sowie humanitärer und sozialer Hilfe widmet – insbesondere für Menschen in Osteuropa, Zentralasien und Russland, also auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion[1]. In Deutschland besteht ein unabhängiges Hilfs- und Missionswerk mit denselben Wurzeln, das auch Licht im Osten heisst[2].
| Licht im Osten (LIO) | |
|---|---|
| Rechtsform | Verein |
| Gründung | 1920 |
| Sitz | Winterthur |
| Geschäftsstelle | Industriestarsse 1, 8404 Winterthur, Schweiz |
| Motto | Not lindern, Glauben wecken, Zukunft ermöglichen |
| Geschäftsführung | Martin Kurz |
| Beschäftigte | 14 |
| Freiwillige | 300 |
| Website | https://www.lio.ch/ |
Geschichte
Der Missionsbund wurde 1920 von Jakob Kroeker und Walter Jack in der Stadt Wernigerode am Harz unter dem Namen Licht dem Osten gegründet und widmete sich von dort aus zunächst der christlichen Missionierung unter den ca. 2,5 Millionen damals noch in Deutschland befindlichen russischen Kriegsgefangenen und Internierten.[3] Bei der Gründung war der Schweizer Freundeskreis vertreten durch Friedrich Köhler aus Winterthur-Seen und durch den Kaufmann F. Grandjean-Kindler aus Bern. Licht im Osten hatte seinen Sitz im Gebäude der damaligen Kaiserstr. 4 in Wernigerode, wo er bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges verblieb. Erster Präsident vom Schweizer Zweig war der Berner Pfarrer Henri Mojon-Gerber. Das Ziel des Missionsbundes war Jüngerschaftsschulungen unter russischen Kriegsgefangenen und die Ausbreitung des Evangeliums unter den Völkern des Ostens. 1925 wurde der Missionsbund in «Licht im Osten» umbenannt.[4] 1929 wurde Benjamin Pfister neuer Präsident von Licht im Osten Schweiz.
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Licht im Osten Schweiz selbständig. Die Verbreitung des Evangeliums stand durch die strengen Religionsgesetze Stalins unter harter Strafe. Bibelschmuggel und Radio blieben die einzigen Wege der Verkündigung. Um die Verbote zu umgehen, verschickte Licht im Osten christliche Literatur in normalen Briefen auf Dünndruckpapier. Christen aus der Schweiz, aus Schweden, den USA, Estland und Holland finanzierten die hauptsächlich von Deutschland aus koordinierte Hilfe.[5]
Mit dem Mauerbau verhärteten sich die Fronten zwischen den Westmächten und der Sowjetunion zunehmend. Der Eiserne Vorhang teilte Europa in zwei Lager. Während des Prager Frühlings 1968 emigrierten tausende Tschechoslowaken in die Schweiz. Ab März 1985 leitet Generalsekretär Michail Gorbatschow in der UdSSR die Glasnost ein – die Politik der grösseren Transparenz und Offenheit.
Die Zukunft des Schweizer Vereins wurde ungewiss, als er kein Nachfolger für den schwer erkrankten Präsidenten, Pfarrer Pfister, fand. Schliesslich übernahm Peter Haefelfinger und wurde 1971 Präsident. Sein Amt führte er ehrenamtlich neben einer regulären Vollzeitanstellung aus. Die Kontaktadresse war ein Postfach in Bern, alle fünf Mitglieder des Komitees arbeiteten ebenfalls ehrenamtlich. Ziel des Vereins war der Transport von Bibeln und christlicher Literatur hinter den Eisernen Vorhang sowie materielle Hilfe in Notsituationen. Bei seinen Reisen in die DDR und nach Osteuropa baute Haefelfinger, trotz Überwachung durch die Stasi, zahlreiche Kontakte zu Christen auf. Unter seiner Feder wird die Arbeit einzelner Missionare wie Roland Grünhard finanziert und ebenfalls Projekte von diversen Missionsgesellschaften unterstützt.
Mithilfe einer Firma in Basel, die die Lizenz für vorverzollte Warensendungen in die UdSSR besass, konnten von der Schweiz aus Schreibmaschinen, Lebensmittel- und Kleiderpakete verschickt werden. Als Reaktion auf den Prager Frühling rief man Radiosendungen mit Trans World Radio (TWR) auf Tschechisch (und später auch auf Litauisch) ins Leben. Das Neue Testament in Usbekisch und mehrere Gemeindegebäude in Rumänien (Cluj) und der Slowakei (Bratislava und Levice) wurden ab 1977 mitfinanziert. Weitere Schweizer reisten immer wieder mit umgebauten Fahrzeugen in den Osten und brachten Bibeln hinter den Eisernen Vorhang.
Mit der Öffnung der Grenzen zu Osteuropa 1991 standen Licht im Osten alle Möglichkeiten offen. Der Transport von Bibeln und christlicher Literatur war nun erlaubt. Licht im Osten wollte dann christliche Gemeinden, die durch das Regime Bestand hielten, stärken. Mit dem ersten Missionsleiter, Walter Bösch, bekam der Schweizer Verein 1988 einen ersten Angestellten und seinen Sitz in der Rämismühle. 1992 wurden mit Hans und Hanny Maurer die ersten Mitarbeiter angestellt.
Das Leitbild «Hilfe zur Selbsthilfe» erweiterte sich zu «Wort und Tat». Licht im Osten initiierte erstmals eigene Projekte. So entstanden innerhalb von zehn Jahren 15 Bäckereien in Moldawien und in der Ukraine mit mobilen Militärbäckereien – dank Finanzen einer Stiftung, ehrenamtlichen Helfern und gesponserten Transporten.
Die materielle Not im Osten, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zum Vorschein kam, führte zu neuen Projekten: Transport und Verteilung von humanitärer Hilfe, erste Aktion Weihnachtsfreude 1991 (heute Aktion Weihnachtspäckli)[6], Übersetzung von Unterrichtsmaterial, Unterstützung von Bibelschulen und Studenten, Evangelisation unter Polizisten in Rumänien und Evangelisationseinsätze mit Bibelschülern aus der Schweiz.
Ab 2000 wurde das Missionsgebiet mit Moldawien, Jakutien und Tatarstan erweitert. Im Jahr 2010 erhält Licht im Osten das Mandat des Hoffnungsnetzes Schweiz, um im Kriegsgebiet in Südkirgistan und Usbekistan Hilfe zu leisten (Katastrophenhilfe, Wiederaufbau und Existenzsicherung). Nach den Unruhen wurde die Mission in Zentralasien Schritt für Schritt ausgebaut. Heute hat das Werk in acht Ländern (Ukraine, Rumänien, Moldawien, Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistanund Russland) 120 lokale Partner, die Projekte in diversen Bereichen umsetzen.
Raketenangriff auf das Hilfsgüterzentrum in Ternopil (2023)
Am 13. Mai 2023 wurde bei einem russischen Raketenangriff auf die westukrainische Stadt Ternopil ein Hilfsgüterlager der Schweizer Hilfsorganisation Licht im Osten zerstört. Das Lager befand sich in einem Industriegebiet der Stadt und diente seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 als Umschlagplatz für humanitäre Hilfsgüter.[7]
Nach Angaben der Organisation wurde das Lager während eines nächtlichen Angriffs von einer Rakete getroffen und brannte vollständig aus.[8] Da während des Luftalarms weitere Angriffe befürchtet wurden, konnten Rettungskräfte erst nach dessen Ende mit den Löscharbeiten beginnen. Dabei gingen unter anderem gelagerte Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel, ein Gabelstapler sowie weitere Hilfsgüter verloren. Verletzt wurde niemand. Zwei Lastwagenfahrer, die sich während des Angriffs in der Nähe des Lagers aufhielten, blieben ebenfalls unverletzt.[9]
Licht im Osten unterstützte nach eigenen Angaben gemeinsam mit lokalen Partnern und Kirchgemeinden in Ternopil Binnenflüchtlinge aus den umkämpften Regionen der Ostukraine[10]. Über das Hilfsnetzwerk wurden Lebensmittel, Hygieneartikel und weitere Sachspenden verteilt. Seit Beginn des Krieges transportierte die Organisation zahlreiche Hilfsgütertransporte aus der Schweiz in die Ukraine.[8][11]
Der Angriff auf Ternopil und die Zerstörung des Hilfsgüterlagers wurden unter anderem vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtet[12].