Lieselotte Voellner-Gallus

deutsche Ärztin und Bildhauerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Lieselotte Voellner-Gallus (geb. Gallus) (* 16. April 1919 in Berlin; † 2003) war eine deutsche Ärztin und Bildhauerin.

Leben

Voellner-Gallus war mit dem Maler und Kunsterzieher Günther Voellner verheiratet. Sie immatrikulierte sich 1938–43 an der Universität Berlin zu einem Medizinstudium. Während ihres Studiums besuchte sie auch die Abendkurse in Bildhauerei an der Berliner Kunstakademie; dort wurde sie unter anderem von Wilhelm Tank und Otto Hitzberger unterrichtet.

Nach dem Studium praktizierte sie als Ärztin bis 1945 in Ragnit in Ostpreußen, darauf bis 1949 in Schleswig und anschließend für einige Jahre beim Fastenarzt Otto Buchinger in Bad Pyrmont; später war sie dann in eigener Praxis in Eckernförde tätig. Neben ihrer beruflichen Arbeit als Ärztin schuf sie figürliche Plastiken und Reliefs aus Bronze, Zement, Ton, Gips und Keramik.

Lieselotte Voellner-Gallus

In ihrer künstlerischen Tätigkeit wurde sie von dem Bildhauer Kurt Lehmann und der Bildhauerin Marianne Lüdicke gefördert.

Nachdem sie 1974 ihre Eckernförder Praxis aufgegeben hatte, zog sie mit ihrem Ehemann nach Waldshut-Tiengen. Dort praktizierte sie als Ärztin am staatlichen Gesundheitsamt Waldshut bis 1984. Ihre homöopathische Praxis führte sie bis 1995, daneben fand sie Zeit zur künstlerischen Arbeit.

Ausstellungen

Voellner-Gallus beteiligte sich 1955, 1956, 1958, 1960, 1961 und 1965 an den Landesschauen Schleswig-Holsteinischer Künstler und an den Ausstellungen der Malerinnen und Bildhauerinnen im Kieler Landeshaus. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und Ilse Willers stellte sie 1972 im Flensburger Kunstverein aus.

Nach ihrem Umzug nach Waldshut-Tiengen beteiligte sie sich an Ausstellungen in Bad Säckingen, mit der Gruppe Polygon in Grenzach-Wyhlen, Heilbronn, Sigmaringen und weitere. Voellner-Gallus war als Mitglied in der Badischen Künstlergruppe Polygon (heute: Künstlergruppe Polygon) zusammen mit Franz Joseph Berchtold, Egon Arno Bräunlich, Ulrich Christoph Eipper, Bärbel Franke-Caspari, Peter Franke, Friedrich Knödler, Dieter Linxweiler, Ingeborg Osswald-Lüttin, Vera Rühle, Adolf Schwertschlag, Günther Voellner, Karl Waldenspuhl und Gretel Wielandt.

Nach ihrem Tod wurden ihre Kleinplastiken 2006 auf einer Ausstellung im Museum Alte Metzig in Waldshut,[1] sowie 2016 in Waldshut-Tiengen, im Schloss Tiengen vorgestellt.[2]

Künstlerisches Wirken

Die Werke von Lieselotte Voellner-Gallus, die zumeist Einzelfiguren waren, besitzen eine vereinfachende Formensprache mit sensibler Gestik und schlichten Posen. Von Kurt Lehmann und Marianne Lüdicke übernahm Lieselotte Voellner-Gallus die an Ernst Barlach erinnernde blockhafte Gestalt ihrer Bildwerke.

Bozzetto zum Bronzeguss Abschied 1979

Im Mittelpunkt von Voellners bildnerischem Schaffen (das mindestens 200 Kleinplastiken umfasst, alle zwischen 14 und 46 cm hoch) stehen bevorzugt Motive wie Mensch und seltener Tier. Mit ihren unpolitischen Sujets bewegt sich Voellner-Gallus wie ein Großteil der Nachkriegskunst auf sicherem Terrain – in bewusster Abkehr von ideologisch kontaminierten, heroisierenden Tendenzen, wie sie die Kunst vor 1945 bestimmten. Neben Tierplastiken (Hunde, Katzen) hat Voellner auch Porträts geschaffen, die sie mit den Namen der Dargestellten benennt (wie z. B. Dr. Willmar Schwabe, Dr. Buchinger, Friedrich Knödler, Ulrich Eipper, Felix S., Natascha). Hingegen illustriert sie physische Zustände mit Körperhaltungen (z. B. Müde, Ruhen, Wartende), gestaltet Gesten (z. B. Abwehr, Helfen, Trost, Zuspruch, Zuwendung, Zuneigung) oder Seelenzustände (Allein, Erloschen, Geruhsame, Nachdenkliche, Träumer, Vertieft) stets mit anonymen Personen. Für einige Plastiken findet sie neutrale Titel (z. B. Sitzendes Paar, Schwangere, Lesende, Fröhliches Kind, Der Lehrer, Frau mit Katze). Bisweilen vergibt sie humorvolle Namen (z. B. Diät, Mopsi). Ausgewählte und angekaufte Entwürfe fanden den Weg zum Bronzeguss stets in die Bildgießerei Hermann Noack, damals noch in der Varziner Straße in Berlin. Die Plastiken von Voellner-Gallus befinden sich unter anderem im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum, Schloss Gottorf, in Schleswig und im Kultusministerium (heute Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein) in Kiel. Eine Bronzebüste des Schriftstellers Wilhelm Lehmann befindet sich in der Jungmannschule in Eckernförde.[3] 28 Werke befinden sich im Museum Alte Metzig in Waldshut-Tiengen, 16 Porträtköpfe sind an den Gewerblichen und Hauswirtschaftlich Sozialpflegerischen Schulen in Emmendingen,[4] ein Porträtkopf Dr. Buchingers steht an der Buchinger-Klinik Überlingen,[5] die meisten Werke sind in Privatbesitz.

Literatur

  • Ulrike Wolff-Thomsen: Lexikon schleswig-holsteinischer Künstlerinnen. Hrsg.: Städtisches Museum Flensburg. Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co., Heide 1994, ISBN 3-8042-0664-6. S. 328 f.
  • Lieselotte Voellner Gallus: Plastiken. SiggSet, Albbruck 1984, S. 1–56.
  • Lieselotte Voellner Gallus: Plastiken. Band 2. SiggSet, Albbruck 1991, S. 1–64.
  • Lieselotte Voellner Gallus: Plastiken. Band 3. SiggSet, Albbruck 1995, S. 1–72.

Einzelnachweise

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