Life, Liberty and the pursuit of Happiness

Satz der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika From Wikipedia, the free encyclopedia

Life, Liberty and the pursuit of Happiness, deutsch Leben, Freiheit und das Streben nach Glück, ist eine aus der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten stammende Redewendung, die auf der Grundlage des Naturrechts drei Menschenrechte als Axiome für persönliche und politische Autonomie formuliert. Als geflügeltes Wort und Schlagwort steht sie für Kerngedanken des Liberalismus, den Schutz individueller Freiheitsrechte und für die identitären Konzepte des American Way of Life und des American Dream.

Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten vom 4. Juli 1776, Faksimile von William Stone, 1823

Geschichte

Am 11. Juni 1776 hatte sich bei politischen Vertretern aus Dreizehn Kolonien in British America im Zuge der Amerikanischen Revolution und des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs nach dem Vorbild der Kolonie Virginia der Wille verfestigt, die Kolonien für souverän zu erklären und einen Staatenbund zu gründen, weil das britische Parlament bestimmte Intolerable Acts nicht zurücknehmen, sondern den Konflikt mit den Kolonien fortsetzen wollte. Der in British America durch Zölle, Steuern und zu deren Durchsetzung durch Zwangsmaßnahmen auftretende Staat König Georgs III. war in ihren Augen nicht mehr legitim, weil er Grundrechte seiner Bürger nicht wahre, etwa das Prinzip No taxation without representation aus der Bill of Rights verletze, woraus ihnen ein Widerstandsrecht erwachse. Diesen Leitgedanken hatte der patriotische Schriftsteller Thomas Paine durch sein Pamphlet Common Sense in den gebildeten Schichten der Kolonien verbreitet. Um nunmehr den revolutionären politischen Schritt der Loslösung der Dreizehn Kolonien vom Vereinigten Königreich durch eine Erklärung der Volkssouveränität schriftlich zu begründen, ließ ein mit der Abfassung der Unabhängigkeitserklärung beauftragtes fünfköpfiges Komitee des in Philadelphia tagenden Zweiten Kontinentalkongresses durch Thomas Jefferson, einen Abgesandten Virginias, einen ersten Textentwurf schreiben.

Declaration of Independence (1819) – In seinem Historiengemälde zeigt John Trumbull, wie ein fünfköpfiges Komitee unter Führung von Thomas Jefferson und Benjamin Franklin den Entwurf der Unabhängigkeitserklärung am 28. Juni 1776 dem Zweiten Kontinentalkongress zur parlamentarischen Beratung vorlegt.

Jefferson war ein an der zeitgenössischen Vertragstheorie und ihren maßgeblichen Beiträgen durch die Philosophen Thomas Hobbes, John Locke und Jean-Jacques Rousseau gebildeter Rechtsanwalt, Staatstheoretiker und Politiker. Inspiriert war er insbesondere vom normativen Legitimationsverständnis in der Staatstheorie Lockes, das dieser 1689 in der Schrift Two Treatises of Government dargestellt hatte. Locke postulierte in diesem Werk das von Gott den Menschen verliehene Naturrecht, sich zu gegenseitigem Schutz politisch zu vereinigen, „for the mutual preservation of their lives, liberties and estates, which I call by general name – property.“ (deutsch: „zur gegenseitigen Erhaltung ihres Lebens, ihrer Freiheit und ihres Besitzes – was ich mit dem allgemeinen Begriff ‚Eigentum‘ bezeichne.“)[1]

Anstelle des Begriffs „estates“ setzte Jefferson den universellen, philosophisch schillernden, Fragen nach Sehnsucht und Sinn des Lebens berührenden Begriff „pursuit of Happiness“ in seinen Textentwurf der Unabhängigkeitserklärung ein, eng angelehnt an die am 12. Juni 1776 verabschiedete Virginia Declaration of Rights, deren Abfassung großenteils dem Politiker George Mason zugeschrieben wird. Historiker interpretieren „pursuit of Happiness“ als wirkmächtige Betonung der Autonomie des Individuums und seiner Gemeinschaft. Damit werde im Lichte der Common-Sense-Philosophie der Schottischen Aufklärung und der Motive der Boston Tea Party vor allem auf einen selbstbestimmten Rahmen menschlicher Sicherheit und auf ökonomische Freiheit als Voraussetzung eines florierenden bürgerlichen Unternehmertums abgezielt sowie als Staatsziel die Idee eines sich regulativ und fiskalisch zurückhaltenden Staates als Garanten dieser Rechte vorgegeben.[2]

Das Komitee legte dem Kongress am 28. Juni 1776 einen auf Jeffersons Text basierenden Entwurf vor, der noch einige redaktionelle Ergänzungen durch John Adams und Benjamin Franklin erhalten hatte. Mit einigen weiteren Änderungen, die der Kongress im Zuge seiner Beratungen entwickelte, wurde die Unabhängigkeitserklärung am 2. Juli von den „Gründervätern“ angenommen, am 4. Juli als Urkunde ausgefertigt und bis zum 2. August 1776 unterzeichnet.[3]

In seinem ersten Textentwurf hatte Jefferson als Präambel geschrieben:[4]

„We hold these truths to be sacred & undeniable; that all men are created equal & independent, that from that equal creation they derive rights inherent & inalienable, among which are the preservation of life, & liberty, & the pursuit of happiness; …“

„Wir halten diese Wahrheiten für heilig und unbestreitbar: dass alle Menschen gleich und unabhängig erschaffen sind; dass sie aus dieser gleichen Erschaffung ihnen innewohnende und unveräußerliche Rechte ableiten, zu denen die Erhaltung von Leben und Freiheit sowie das Streben nach Glück gehören; …“

Die schließlich verabschiedete Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 leitet folgende Präambel ein:[5]

„We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.“

„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht: dass alle Menschen gleich erschaffen sind, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet wurden, zu denen Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören.“

Bedeutung der Präambel

Unter deistischem Gottesbezug („Creator“) konstatiert die Präambel der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung das Naturrecht und die daraus jedem einzelnen Menschen erwachsenden Rechte zur maßgeblichen Rechtsquelle für die Schaffung positiven Rechts und zum Schutzgut aller staatlichen Gewalt (staatlicher Schutz gegen äußere und innere Gefahren, aber auch Schutz vor Etatismus und Machtmissbrauch). Ausdrücklich werden in der Triade „Life, Liberty and the pursuit of Happiness“ drei Menschenrechte besonders hervorgehoben, die Grundrechte auf Leben, auf Freiheit und die Möglichkeit, selbstbestimmt das Ziel der Glückseligkeit verfolgen zu können. Letzteres, verstanden als grundsätzlich autonomer Rahmen zur freien Verfügung über eigene Mittel der Selbstverwirklichung und gelungenen Lebensführung, geht über die bloße Forderung einer Garantie physischen Eigentums hinaus, stellt eine bewusste Erweiterung von Lockes Begriff Grundeigentum („estates“) dar und würdigt das Leben des gleichberechtigten Einzelnen als dessen individuelles Projekt im Sinne von Handlungsfreiheit und persönlicher Sinnfindung. Die damit ausgedrückten Ideen des Laissez-faire flossen in die 1787 erlassene Verfassung der Vereinigten Staaten ein.

Der Stil der Präambel, der die freiheitliche politische Philosophie des Kontinentalkongresses und der Amerikanischen Revolution in heroisch-feierlichem Ton und klassischer Rhetorik universal und verdichtet vorträgt, trug zur hohen literarischen Reputation der Unabhängigkeitserklärung bei.

Literatur

  • Jack N. Rakove: The Annotated U.S. Constitution and Declaration of Independence. Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge 2009, ISBN 978-0-674-03606-2, S. 7–22 (englisch).
  • Michael P. Zuckert: The Natural Rights Republic: Studies in the Foundation of the American Political Tradition. University of Notre Dame Press, Notre Dame/Indiana 1996, ISBN 0-268-01480-9, S. 73 ff. (englisch).
  • Stephen E. Lucas: Justifying America: The Declaration of Independence as a Rhetorical Document. In: Thomas W. Benson (Hrsg.): American Rhetoric: Context and Critisism. Southern Illinois University Press, Carbondale/Illinois 1989, ISBN 0-8093-1509-2, S. 67 ff. (englisch).

Einzelnachweise

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