Liga Federal

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Die Liga Federal (Deutsch: Föderale Liga), auch als Liga de los Pueblos Libres; „Bund der Freien Völker“ bekannt, war eine kurzlebige Konföderation mehrerer Provinzen im Río-de-la-Plata-Gebiet, die von José Gervasio Artigas in den Jahren 1815–1820 geführt wurde. Sie entstand als Gegenentwurf zum zentralistischen Regime der Vereinigten Provinzen des Río de la Plata in Buenos Aires und verfolgte föderalistische Ziele. Beim „Kongress von Arroyo de la China“ am 29. Juni 1815 erklärten Delegierte aus der Provinz Oriental (später Uruguay), Santa Fe, Córdoba, Corrientes, Entre Ríos und Misiones ihre Unabhängigkeit von Spanien und lehnten später die zentralistische Staatsordnung des Kongress von Tucumán ab. Artigas wurde dabei einstimmig zum „Protektor der Freien Völker“ ernannt. Die Liga Federal gilt als frühes föderales Bündnis im Río-de-la-Plata-Raum, das das spätere Uruguay und die Bundesstaatlichkeit Argentiniens wesentlich prägte.[1][2]

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In Weinrot die Föderale Liga, in Hellblau die Vereinigten Provinzen. Córdoba war sowohl Teil der Vereinigten Provinzen als auch der Föderalen Liga. Salta stand unter einer autonomen Regierung und nahm nicht am Konflikt teil.

Geschichte

Artigas’ Föderationsprojekt stand von Anfang an unter großen politischen und militärischen Spannungen. Nach dem Rückzug der spanischen Truppen aus Montevideo 1811 übernahm Artigas die Kontrolle über die Provinz Oriental und baute die Liga auf. Ab 1815 kam es zum offenen Bruch mit Buenos Aires. Die Zentralregierung von Buenos Aires berief 1816 einen eigenen Unabhängigkeitskongress in Tucumán ein – an dem jedoch die Provinzen der Liga nicht teilnahmen, da sie bereits ein Jahr zuvor ihre Unabhängigkeit erklärt hatten.[2] Die Liga wurde so in einen Krieg auf mehreren Fronten verwickelt, so kämpfte Artigas gleichzeitig gegen portugiesische Invasoren (aus Brasilien), gegen spanische Royalisten, gegen die aristokratische Oberschicht Montevideos und gegen die Zentralisten aus Buenos Aires. Im August 1816 fiel die portugiesische Armee in die Provinz Oriental ein; Artigas’ Truppen leisteten erbitterten Widerstand, doch konnten sie sich letztlich nicht dauerhaft behaupten. Bis 1820 wurde Artigas an der Ostküste nach und nach zurückgedrängt und schließlich besiegt.[3][4]

Aufgrund des Konflikts mit den Portugiesen konnte sich Argigas nicht an der Schlacht von Cepeda (Februar 1820) beteiligen, welche für die Föderalisten mit einem Sieg endete und das unitäre System beendete. Mit dem Vertrag von Pilar (Februar 1820) wandten sich jedoch die Provinzgouverneure Estanislao López (Santa Fe) und Francisco Ramírez (Entre Ríos) von Artigas ab, was weitere Konflikte zur Folge hatte. Am 13. Juni 1820 schlugen Ramírez’ Truppen Artigas bei Las Guachas mit Unterstützung von Buenos Aires; Artigas musste sich endgültig zurückziehen und floh über den Paraná nach Paraguay ins Exil.[4] Mit seinem Abgang zerbrach de facto die Liga Federal, und zugleich besetzten 1820 brasilianische (portugiesische) Truppen ganz Uruguay, womit die Provinz Oriental als Cisplatina in Brasilien eingegliedert wurde.[3] In Argentinien folgte eine Zeit von starken Provinzgouverneuren (Caudillo-Ära).

Verwaltung und Staatsaufbau

Die Fahne Artigas’ von 1815 (blau-weiß-blau mit einem roten Diagonalstreifen) war das offizielle Symbol der Liga Federal. Der rote Streifen (auf der Flagge des Kongresses hinzugefügt) steht für die Einheit der „freien Völker“. José Artigas selbst leitete die Liga als Protektor der Freien Völker, eine Art gewählter Oberhauptfunktion, und fungierte als oberster Befehlshaber und Organisator der Konföderation.[2]

Artigas begründete die Liga auf dem föderalen Prinzip der soberanía particular de los pueblos – der „besonderen Souveränität der einzelnen Völker (Gemeinden)“. Praktisch bedeutete dies, dass Vertreter nicht von den gleichberechtigten Provinzregierungen, sondern direkt von den Gemeinden und Städten entsandt wurden.[1] Jede Ortsgemeinde wählte ihre Delegierten zu den Versammlungen der Liga Federal, womit ein von unten nach oben arbeitendes System geschaffen wurde. Im programmatischen Teil stellte die Liga die Unabhängigkeit von Spanien, eine republikanische Regierungsform und Bürger- sowie Religionsfreiheit in den Vordergrund. Der Föderalismus wurde ausdrücklich als Verteidigungs- und Angriffsallianz („liga ofensiva y defensiva“) verstanden. All diese Grundsätze spiegeln Artigas’ Ideologie wider und machten Föderalismus und direkte Demokratie zur Leitlinie der Liga.[2]

Fläche und Bevölkerung

In ihrer größten Ausdehnung erstreckte sich die Liga über die Gebiete des heutigen Uruguay, den südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul und die argentinischen Provinzen Entre Ríos, Santa Fe, Corrientes, Misiones und Córdoba. Damit reichte ihr Einflussgebiet über heutiges Uruguay, Teile Argentiniens und Grenzregionen Brasiliens. Montevideo war die größte Stadt im Bund, die Gesamtbevölkerung der Liga blieb jedoch sehr gering. Das Gebiet war überwiegend dünn besiedelt und ländlich geprägt. Obwohl das Staatsgebiet sich über das gesamte Gebiet des heutigen Argentiniens erstrecken sollte, befand sich sein Zentrum am östlichen Ufer des Uruguay-Flusses. Daher wird es manchmal als Vorläuferstaat des heutigen Uruguays angesehen und José Gervasio Artigas gilt als Nationalheld Uruguays.

Einzelnachweise

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