Lisa D. Cook
US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin
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Lisa DeNell Cook (* 1964 in Milledgeville, Georgia)[1] ist eine US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin, die als Professorin für Wirtschaft und internationale Beziehungen an der Michigan State University arbeitet und Mitglied des Exekutivausschusses der American Economic Association ist.[2] Im Jahr 2022 wurde sie in den Vorstand der Federal Reserve Bank of Chicago gewählt.[3] Als Expertin für internationale Wirtschaft, insbesondere für die russische Wirtschaft, war sie an der Beratung politischer Entscheidungsträger beteiligt, von der Obama-Regierung bis zur nigerianischen und ruandischen Regierung. Ihre Forschungsarbeiten liegen an der Schnittstelle von Makroökonomie und Wirtschaftsgeschichte, wobei sie sich in den Jahren um 2020 auch mit afroamerikanischer Geschichte und Innovationsökonomie befasst hat.[4][5]

Als eine der wenigen prominenten schwarzen Frauen in der Wirtschaftsbranche[6] hat sie in der Fachwelt für ihre Bemühungen um die Betreuung schwarzer Frauen und deren Beteiligung im Bereich der Wirtschaftswissenschaften die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Präsident Biden nominierte sie am 14. Januar 2022[7] als Mitglied des Board of Governors des Federal Reserve System. Am 10. Mai 2022 wurde sie vom US-Senat bestätigt und nahm ihre Arbeit am 23. Mai 2022 auf.[8] Sie war damit die erste Afroamerikanerin, die dem Board der Federal Reserve angehört.[9]
Am 25. August 2025 verkündete US-Präsident Donald Trump die sofortige Entlassung Cooks wegen angeblichen Hypothekenbetrugs, obwohl ungeklärt ist, ob er dazu befugt ist.[10]
Frühes Leben und Ausbildung
Cook ist eine von drei Töchtern des Baptisten-Krankenhausseelsorgers Payton B. Cook und der Georgia College-Professorin für Krankenpflege Mary Murray Cook und wuchs in Milledgeville, Georgia, auf.[11] Als Kind engagierte sie sich für die Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen in Georgia und hat noch immer körperliche Narben von Angriffen auf schwarze Kinder, die in ehemals weißen Schulen eingeschult wurden. Sie ist eine Cousine des Chemikers Percy Julian und des Rechtsanwalts und Bürgerrechtlers Floyd McKissick.[6]
1986 schloss sie ihr Studium der Physik und Philosophie am Spelman College mit magna cum laude ab und wurde zur Harry S. Truman-Stipendiatin ernannt. Anschließend ging sie als erste Marshall-Stipendiatin des Spelman College an das St Hilda’s College in Oxford, wo sie 1988 einen weiteren BA in Philosophie, Politik und Wirtschaft erwarb. Sie belegte Kurse für einen Master in Philosophie an der Cheikh Anta Diop University in Senegal. Nach einem Bergsteigerausflug auf den Kilimandscharo mit einem Wirtschaftswissenschaftler begann Cook, ernsthaft über einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften nachzudenken.[6] Nach einem Autounfall war sie auf einen Rollstuhl angewiesen, als sie ihr Studium aufnahm.[11] Cook promovierte 1997 an der University of California, Berkeley, unter der Leitung von Barry Eichengreen und David Romer in Wirtschaftswissenschaften.[12] In ihrer Dissertation befasste sie sich mit der Unterentwicklung des Bankensystems im zaristischen und postsowjetischen Russland.[11]
Werdegang
Cook war von 1997 bis 2002 Gastprofessorin an der Kennedy School of Government der Harvard University und der Harvard Business School, wo sie stellvertretende Direktorin für Afrika-Forschung am Harvard Center for International Development war. Von 2000 bis 2001 war sie leitende Beraterin für Finanzen und Entwicklung im US-Finanzministerium als Council on Foreign Relations International Affairs Fellow. Von 2002 bis 2005 war sie National Fellow und Research Fellow an der Hoover Institution der Stanford University.[2] Cook beriet 2005 die nigerianische Regierung bei ihren Bankenreformen und die Regierung von Ruanda bei der wirtschaftlichen Entwicklung. 2005 kam Cook als Assistenzprofessorin an die Michigan State University, wo sie 2013 eine ordentliche Professur erhielt. Von August 2011 bis August 2012 war sie als leitende Wirtschaftswissenschaftlerin im Council of Economic Advisers der Obama-Regierung tätig.[4]
Zu Beginn ihrer Karriere konzentrierte sich Cooks Forschung auf die internationale Wirtschaft, insbesondere auf die russische Wirtschaft. Später erweiterte sie ihre Forschungen zum Wirtschaftswachstum und konzentrierte sich auf die Wirtschaftsgeschichte der Afroamerikaner.[2] Ihre Forschungen legten nahe, dass die Gewalt gegen Afroamerikaner unter den Jim-Crow-Gesetzen dazu führte, dass weniger Patente angemeldet wurden als erwartet.[13] Zusammen mit anderen Wirtschaftswissenschaftlern hat sie eine langjährige Datenbank über Lynchjustiz in den Vereinigten Staaten zusammengestellt.[14]
Seit 2016 leitet sie das Sommerprogramm der American Economic Association für Studenten aus unterrepräsentierten Minderheiten. Seit 2019 ist sie Mitglied des Exekutivausschusses der American Economic Association.[2]
Federal Reserve
Im November 2020 wurde Cook zum freiwilligen Mitglied des Agency Review Teams für den Übergang der Präsidentschaft von Joe Biden ernannt, um den Übergang in Bezug auf die Federal Reserve zu unterstützen. Im Jahr 2021 drängte Senator Sherrod Brown Berichten zufolge die Biden-Regierung, Cook für den Gouverneursrat der Federal Reserve zu nominieren.[15]
Am 25. August 2025 verkündete US-Präsident Donald Trump die sofortige Entlassung Cooks, da sie nach Behauptung William J. Pultes, des Leiters der obersten Regulierungsbehörde für Wohnungsbaufinanzierung des Hypothekendarlehensbetruges beschuldigt wird, bei der Beantragung einer Hypothek ein Zweithaus fälschlicherweise als Hauptwohnsitz angegeben zu haben.[16] Der Trumpunterstützer Pulte hatte bereits vorher die gleiche Anschuldigung gegen die Trumpgegner Adam Schiff und Letitia James eingebracht.[17] Cook bestreitet die Anschuldigung nachdrücklich.[18] Am 12. September von Reuters veröffentlichte Dokumente widersprechen den Behauptungen der Regierung.[19]
Es wird bezweifelt, ob dies rechtens ist, da Notenbank-Gouverneure nur aus triftigen Gründen entlassen werden können[20] und eine bloße Anschuldigung ohne Verurteilung nicht als Entlassungsgrund genüge. Eine vorherige Anhörung Cooks zum Tatvorwurf unterblieb. Zudem stellt die Anschuldigung Cooks auf eine Zeit vor ihrem Amtsantritt im Jahr 2022 ab.[21][22] Voraussetzung für eine Entlassung wäre eine gravierende Verletzung der Dienstpflicht während der laufenden Amtszeit.[16] Cook reichte am 28. August 2025 Klage gegen die die Unabhängigkeit der Fed beeinträchtigende Entlassung beim United States District Court for the District of Columbia ein.[23][24] Sie begründet ihre Klage im Wesentlichen mit den Bestimmungen des Federal Reserve Act.[25][26] In einer einstweiligen Verfügung entschied Richterin Jia Cobb, dass Cook im Amt bleibt, „während ihre Klage geprüft wird.“[27][28] Am 1. Oktober lehnte der Oberste Gerichtshof einen von Trump eingereichten Eilantrag Cook entlassen zu dürfen ab und setzte für Januar 2026 eine Verhandlung darüber an, ob die Entlassung rechtmäßig ist.[29][30]
Sollte es Trump gelingen, Cook zu ersetzen, würde er eine Mehrheit im Board of Governors der unabhängigen Notenbank erreichen und damit Einfluss auf die Geldpolitik haben, um lange erwünschte Ziele wie eine Niedrigzinspolitik zu verfolgen.[31]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Trade credit and bank finance: Financing small firms in Russia. In: Journal of Business venturing. 14, 1999, S. 493–518.
- mit Jeffrey Sachs: Regional public goods in international assistance. In: Kaul und andere: Global public goods. International cooperation in the 21st century. 1999, S. 436–449.
- mit Laura N. Beny: Metals or management? Explaining Africa's recent economic growth performance. In: American Economic Review. 99, 2009, S. 268–74.
- mit Chaleampong Kongcharoen: The idea gap in pink and black (= National Bureau of Economic Research. Nr. w16331), 2010.
- mit Trevon D. Logan, John M. Parman: Distinctively black names in the American past. In: Explorations in Economic History. 53, 2014, S. 64–82.
- Violence and economic activity. Evidence from African American patents, 1870–1940. In: Journal of Economic Growth. 19, Nr. 2, 2014, S. 221–257.
Weblinks
- Hyun-Ssung Khang: Michigan State University Lisa D. Cook The Accidental Economist. In: www.imf.org. Abgerufen am 26. Januar 2022 (englisch).
- Lisa D. Cook. In: lisadcook.net. Abgerufen am 26. Januar 2022 (englisch).