Lisbeth Palme

schwedische Psychologin, mit Olof Palme verheiratet zwischen 1956 und 1986 From Wikipedia, the free encyclopedia

Lisbeth Palme (Geburtsname Anna Lisbeth Christina Beck-Friis, * 14. März 1931 in Stockholm; † 18. Oktober 2018 in Vällingby) war eine schwedische Kinderpsychologin und zeitweilige Vorsitzende von UNICEF.[1]

Lisbet Palme (2016)

Leben

Sie stammte aus der Adelsfamilie Beck-Friis; ihre Eltern waren Anna-Lisa (geb. Bolling) und der Bauingenieur und Baron Christian Beck-Friis. Sie besuchte die Mädchenschule in Stockholm und legte ihr Abitur an der Neuen Mädchenschule (Ahlströmska-Schule), einer Privatschule, ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte sie Psychologie an der Universität Stockholm und erwarb hier einen Bachelor of Arts in Kinderpsychologie.

1952 arbeitete sie im Kinderdorf Barnbyn Skå unter der Leitung des Kinderarztes Gustav Jonsson, der den Begriff des „sozialen Erbes“ prägte und darauf hinwies, dass Kriminalität und andere soziale Probleme oft in der von Generation zu Generation weitergegebenen sozialen Ausgrenzung wurzelten. Diese Ausrichtung von Barnbyn Skå prägte ihr berufliches Leben; sie engagierte sich im Stockholmer Bezirksrat und später in der Stockholmer Sozialverwaltung für präventive Maßnahmen und gehörte zu denjenigen, die die Initiative ergriffen, ein Team aus Psychologen und Sozialarbeitern zur Unterstützung des Kindertagesstätte-Personals aufzubauen. Sie war Mitglied in der Schwedischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SAP).

Werk

Sie arbeitete als Psychologin im Kindertagesstätte-Team „Psykiska Barn- och Ungdomsvårdens barnstugeteam“ und war für die psychische Gesundheit von fünftausend Vorschulkindern im Westen Stockholms verantwortlich. Durch ihre Ehe mit Olof Palme wird ihr ein großer indirekter Einfluss in der Politik zugeschrieben, z. B. als die Familienministerin Camilla Odhnoff 1968 die Mitglieder der Kindertagesstätten-Untersuchungskommission berief. Auch war ihr Einfluss in Fragen der Geschlechterrollen-Debatte der 1960er Jahre und den Diskussionen um das „Sechsstundengesetz“ der 1970er Jahre beträchtlich. Sie trat dem sozialdemokratischen Frauenverein in Vällingby bei, war von 1987 bis 1999 Vorsitzende der schwedischen Sektion von UNICEF und von 1990 bis 1991 Vorsitzende von UNICEF International. Sie wurde auch als Expertin in den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes berufen und war eine Vorkämpferin für die UN-Kinderrechtskonvention. Sie trat als Expertin im Untersuchungsausschuss zum Völkermord in Ruanda im Auftrag der Afrikanischen Union auf; in dem 2000 veröffentlichten Bericht werden die Vereinigten Staaten und andere Regierungen sowie religiöse Gruppen dafür kritisiert, nicht genug gegen den Völkermord in Ruanda 1994 unternommen zu haben.

Ehrungen/Positionen

  • Goldene Medaille Seiner Majestät des Königs (H.M. Konungens medalj i guld), 8. Größe, mit dem Seraphim-Ordensband[2]
  • Großoffizier des Bernardo-O’Higgins-Ordens

Privates

Olof und Lisbet Palme (1960)

Sie war seit 1956 verheiratet mit Olof Palme (1927–1986); aus der Ehe gingen die Kinder Joakim, Mårten und Mattias Järvinen Palme hervor. Ihr Ehegatte wurde in der Stockholmer Innenstadt vor ihren Augen nach einem gemeinsamen Kinobesuch auf dem Heimweg mit zwei gezielten Schüssen getötet. Nach einer umstrittenen Gegenüberstellung drei Jahre nach der Tat hatte Lisbeth Palme den drogenabhängigen Kleinkriminellen Christer Pettersson als Täter identifiziert. Er wurde im Juli 1989 verurteilt, wenige Monate später aber aus Mangel an Beweisen wieder freigesprochen. Nachdem er sich anfänglich mit der Tat gebrüstet hatte, beteuerte er später seine Unschuld; 2004 starb er. Als weiterer Tatverdächtiger wurde Stig Engström genannt, der aber wegen seines Todes nicht mehr angeklagt werden konnte. Sie selbst starb im Alter von 87 Jahren nach längerer Krankheit. Sie ist neben ihrem Ehemann auf dem Adolf-Fredrik-Friedhof in Stockholm begraben.

Publikationen

  • Mit David Magnusson, Gunnar Öberg: Some personality tests applied on identical twins. Reports from the Psychological Laboratory, the University of Stockholm, 1959.
  • Tillsammans för att utvecklas : en studie av tre små daghemsgrupper med integrationsproblematik (dt. Gemeinsam entwickeln: Eine Studie über drei kleine Kindertagesstättengruppen mit Integrationsproblemen). Stockholmer Pädagogische Hochschule. Forschungsgruppe Kinderpsychologie, Bericht des Fachbereichs Pädagogik der Stockholmer Pädagogischen Hochschule, Bd. 126, 1978.
Commons: Lisbet Palme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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