Liste der Instrumente Franz Liszts

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Franz Liszt (1811–1886) war nicht nur einer der bedeutendsten Virtuosen des 19. Jahrhunderts, sondern auch ein aufmerksamer Beobachter und Förderer des Klavierbaus. Er spielte auf Flügeln mehrerer führender Hersteller (u. a. Érard, Bösendorfer, Bechstein, Chickering, Steingraeber & Söhne) und experimentierte zudem mit Sonder- und Kombinationsinstrumenten wie einem Glasklavier oder einem im Schreibtisch eingebauten Tasteninstrument.[1][2][3][4][5][6][7]

Weitere Informationen Hersteller, Modell/Typ ...
HerstellerModell/TypBaujahr (ca.)BesonderheitenHeutiger Standort
ÉrardKonzertflügel1865Spät besessen; laut Met diente er Liszt „vor allem zum Komponieren und Unterrichten“Metropolitan Museum of Art, New York[8][9]
BösendorferFlügel, Seriennr. 756118737 Oktaven (AAA–a⁴), Wiener Mechanik, geradsaitig; in Liszts Budapester Zeichenzimmer genutztLiszt Ferenc Memorial Museum, Budapest[10]
BechsteinKonzertflügel1860Erster belegter Bechstein-Kauf (6. Okt. 1860); originaler Bechstein im Weimarer Musiksalon erhaltenKlassik Stiftung Weimar, Liszt-Haus[11][12]
ChickeringKonzertflügel (Preisstück der Pariser Weltausstellung)1867/18727 ⅓ Oktaven, geradsaitig, 2 Pedale; von C. F. Chickering zu Weihnachten 1872 persönlich nach Rom zu Liszt gebracht; später in der Budapester WohnungLiszt Ferenc Memorial Museum, Budapest[13][14]
Steingraeber & SöhneModell 205 (heute C-212), Nr. 43281886Kurz vor Liszts Tod geliefert; in Bayreuth belegtSteingraeber-Haus, Bayreuth[15]
BoisselotKonzertflügel (op. 2800)1846/47Für Liszts Tour nach Odessa/Kiew 1847; später Arbeitsflügel im Weimarer „Altenburg“-Studierzimmer; Original erhalten, Nachbau (Paul McNulty) existiertKlassik Stiftung Weimar (Weimarer Schloss/Bestand)[16][17]
BösendorferKomponier-Schreibtisch mit Mini-Klaviatur1870er JahreAusziehbare 3-Oktaven-Klaviatur, Hämmer schlagen auf Metallplatten; Geschenk von Ludwig Bösendorfer; UnikatLiszt Ferenc Memorial Museum, Budapest[18]
Georges BachmannGlas-Klavier (piano-harmonica)ab 18654 Oktaven mit Glasscheiben statt Saiten; 1887 in Besitz der Musikakademie Budapest übergegangenLiszt Ferenc Memorial Museum, Budapest[19]
Érard–AlexandrePiano-Harmonium („piano-orgue“)1866Kombinationsinstrument mit zwei Manualen; von Liszt über mehrere Wohnsitze hinweg geführtLiszt Ferenc Memorial Museum, Budapest[20][21]
Mason & HamlinHarmonium „Liszt Cabinet Organ“1876/77Großes Saugwind-Harmonium; nach Liszt benanntes Serienmodell; im Museum vorführbarLiszt Ferenc Memorial Museum, Budapest[22][23]
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Hinweis: Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; sie enthält die wichtigsten heute nachweisbaren Originalinstrumente Liszts. Ergänzungen sind willkommen, sofern durch belastbare Quellen (Museen, wissenschaftliche Publikationen) belegt.

Érard und die französische Schule

Liszt trat in seinen frühen Virtuosenjahren häufig auf Instrumenten der Pariser Firma Érard auf und lobte deren Spielwerk (u. a. die doppelte Auslösung), das schnelles Repetitionsspiel erleichterte.[1] Einen Érard-Flügel (gebaut um 1865) behielt Liszt bis in seine späten Lebensjahre; er diente insbesondere zum Komponieren und Unterrichten und befand sich in seiner italienischen Wohnung (Villa d’Este in Tivoli).[5]

Bösendorfer, Bechstein und Chickering

Bechstein-Flügel Nr. 576, 1862 an Franz Liszt geliefert.

Liszt pflegte enge Beziehungen zu Wiener und deutschen Herstellern. In seinen Budapester Räumen standen regelmäßig Bösendorfer-Flügel; erhalten ist etwa ein Instrument mit der Seriennummer 7561 (ca. 1873).[2] Am 6. Oktober 1860 erwarb Liszt seinen ersten Bechstein-Flügel; der Vorgang ist im Verkaufsbuch der Firma verzeichnet.[3] Ein originaler Bechstein-Flügel gehört heute zur authentischen Ausstattung seines Weimarer Musiksalons.[4]

Von Chickering and Sons (Boston) erhielt Liszt einen Konzertflügel (Opus 50.080, ca. 1879/80, Kreuzsaiter, drei Pedale mit geteilter Dämpfung). Auf seine Bitte wurde er der Budapester Musikakademie überlassen und von ihm und seinen Schülern genutzt.[2]

Bayreuth und Steingraeber

In seinen Bayreuther Jahren stand Liszt in Verbindung mit Steingraeber & Söhne. Kurz vor seinem Tod (1886) wurde ihm ein Steingraeber-Flügel Modell 205 (heute C-212) mit der Produktionsnummer 4328 geliefert; das Instrument ist im Steingraeber-Haus dokumentiert.[7]

Sonder- und Kombinationsinstrumente

Neben Konzertflügeln nutzte Liszt mehrere besondere Instrumente:

  • Komponier-Schreibtisch mit ausziehbarer Klaviatur (Bösendorfer, 1870er Jahre) – ein Schreibpult mit einer dreioctavigen Klaviatur, deren Hämmer auf Metallplatten schlagen. Liszt bezeichnete das Möbel als „prächtiges Kunstwerk“ und dankte dem Stifter 1877 schriftlich.[6]
  • Glas-Klavier (piano-harmonica, Georges Bachmann, ab 1865) – ein Tasteninstrument mit vier Oktaven, bei dem Glasscheiben anstelle von Saiten klingen.[6]
  • Piano-Harmonium („piano-orgue“, Érard-Alexandre, 1866) – ein kombiniertes Instrument mit zwei Manualen; Liszt führte es über mehrere Umzüge hinweg bei sich.[2]
  • Harmonium „Liszt Cabinet Organ“ (Mason & Hamlin, 1876/77) – ein großes amerikanisches Saugwind-Harmonium, das Liszt 1877 geschenkt bekam; das Modell wurde danach als „Liszt Cabinet Organ“ beworben.[2]

Letzte Jahre

Liszts Praxis lässt sich als pragmatisch und experimentierfreudig beschreiben: Für öffentliche Lektionen und Soireen nutzte er robuste Konzertflügel (u. a. Bösendorfer, Chickering), für Komposition und Unterricht auch spezialisierte oder klangschwächere Instrumente (Érard-Flügel in Tivoli, Schreibtisch-Klavier, Glas-Klavier, Harmonien).[5][2][6]

Einzelnachweise

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