Literarische Gesellschaft Gräfelfing
1921 in Gräfelfing gegründet mit ständigem Programm zu Literatur, Autoren, Naturwissenschaften und Politik.
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Die Literarische Gesellschaft Gräfelfing ist ein seit 1921[4] bestehender gemeinnütziger[5] Verein privaten Rechts neV zur Förderung der Literatur mit Sitz in Gräfelfing[6] im oberbayerischen Landkreis München. Sie veranstaltet jährlich etwa 12 bis 14[4] Vorträge oder Lesungen im Gräfelfinger Bürgerhaus[7], auf Basis der gedruckten semestralen Programmvorschau[8] und mit einer Sommerpause.
| Literarische Gesellschaft Gräfelfing (LGG) | |
|---|---|
| Rechtsform | Verein privaten Rechts |
| Gründung | 12. Oktober 1921[1] in Krailling |
| Gründer | Adolph Stamm, *1857[2] |
| Sitz | Gräfelfing (⊙) |
| Vorsitz | Ulrich Rosenbaum[3] |
| Mitglieder | 450[3] |
| Website | www.literarische.de |
Programmbetrieb
Das Programm wird halbjährlich der Presse vorgestellt.[9] Programmthemen sind Literatur[4], Autoren mit den damit verbundenen Wissenschaften[10] sowie Fragen der Zeit[11] im Format von Autorenlesung[12], wissenschaftlichem Vortrag[13] oder, eher atypisch, szenischer Darstellung.[14] Als Folge des Umbaus des Bürgerhauses spricht, liest und spielt die Gesellschaft in der Aula des Kurt-Huber-Gymnasiums.[15] Die Gesellschaft ist von der Kommune als Kulturträger gelistet[16] und wird stetig institutionell gefördert.[17]
Zu Zeiten der Corona-Pandemie war der Programmbetrieb rund 18 Monate unterbrochen[18], ähnlich lang wie die zweijährigen Zäsur infolge des Zweiten Weltkriegs von 1945 bis 1947. Ab 2004[19] besteht eine Webpräsenz[4] mit Programmrückschau[20] zurück bis zur Gründung[21], erweitert um ihren Blog.[3]
Entwicklung

Altphilologe Adolph Stamm[22] 1900 berufen zum Direktor[23] des Gymnasiums zu Anklam in Preußen[2], 1916 befördert zum Geheimen Studienrat[23], übersiedelte nach Bayern[24] und gründete[25] sie in der politisch instabilen[26], aber jungen Weimarer Demokratie[27] nahe München[28] Ihr Zweck war, den verbliebenen Kulturkanon[1] weiter zu pflegen, vorwiegend in den großbürgerlichen[29] Villenkolonien des Würmtals der Landkreise Starnberg und München, auch dort in der direkten Not[30] dieser Zeit.[31]
Die Gesellschaft zog 1938 nach Gräfelfing um[32] und konnte den Programmbetrieb im NS-Staat unter Leitung[33] von Theodor Engelmann[34] inhaltlich nahezu unangetastet[35] und ohne Unterbrechung oder Gleichschaltung durch Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer fortführen.[36] Der koreanische Exilschriftsteller Mirok Li war Mitglied der Gesellschaft[35] und pflegte Freundschaft mit Kurt Huber[37], der dort 1943 vortrug.[38]
1947 erhielt die Gesellschaft die Aufforderung zur Relizensierung[39], die Spruchkammerurteile waren[40] an die alliierten Behörden zu melden[33]. Weitere atypische Arbeitsfelder[14] ergaben ein privat organisiertes Kulturprogramm[41] in der Nachkriegszeit.
1980 gründete sich innerhalb der Gesellschaft der „Kunstkreis Gräfelfing“ als Arbeitsgemeinschaft[42] Sie verselbständigte sich 1995 rechtlich als eingetragener Verein und besteht bis heute fort.[43] Die Bedeutung der Literatur für die Gesellschaft[44] in der jetzigen Zeit beeinflusst ihre gegenwärtige Programmatik[3]. Die Mitgliederzahl entwickelte sich wie folgt: 62 Ende 1921, 129 im Jahr 1938[45], 191 in 1991[6], 410 für 2017[4] und gegenwärtig 450.[3]
1924 öffnete sich die Gesellschaft[46], der bürgerlichen literarischen Öffentlichkeit und begründete ihre bis heute fortgeführte Programmatik.
Literatur
- Sven Arnold: Literarische Gesellschaften in Deutschland. Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten. Argon, Berlin 1991, ISBN 3-87024-164-0.
- Auguste Baron: Literarische Uebersichten vom Standpuncte der Gesellschaft. In: Die Grenzboten 1. Jahrgang, Band 1. Herbig, Leipzig 1841, S. 19–25 (Volltext [Wikisource]).
- Sibylle Friedrike Hellerer: Die NSDAP im Landkreis Starnberg: von den Anfängen bis zur Konsolidierung der Macht (1919–1938). Diss. Fak. für Geschichts- und Kunstwissenschaften der LMU, München 2014, ISBN 978-3-96049-063-0 (Volltext [PDF]).
- Franz Kössler: Personenlexikon von Lehrern des 19. Jahrhunderts. Berufsbiographien aus Schul- und Universitätsschriften des 19. Jahrhunderts. Band: Staa – Stutzki. Justus-Liebig-Universität, Gießen 2007, Lemma: Stamm, Adolf (Digitalisat in PDF – Primärquelle hierzu ist die Bibliothek des DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation: „Personalblatt A - für Direktoren, wissenschaftliche Lehrer und Kandidaten des höheren Schulamts: Adolf Stamm“, online vor Anmeldeschranke bzw. dahinter, Abruf am 28. Februar 2026.).
- Redaktion Literarische: Festschriften Literarische Gesellschaft Gräfelfing. Folgende Geburtstage: 25-Jahre(1946), 30 Jahre (1951) und 90 Jahre (2011). Gräfelfing 1946 (Volltext 1946 [Wikisource]) – (Volltext 1951 Webseite) – (Volltext 2011 Permalink]).
- Literaturportal Bayern: Literarische Gesellschaft Gräfelfing, in Bayerische Staatsbibliothek, München 2014, Abruf am 20. Februar 2026.
- Gerd Lüdtke: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2016/2017. 70. Jahrgang, Band II. Walter de Gruyter, Berlin 2017, ISBN 978-3-11-045397-3, S. 1316.
- Alexis de Tocqueville: La démocratie en Amérique. Cinquème éd. tome troisème. Éditeur Pagnere, Paris 1848 (französisch, Volltext [Wikisource]).
- Uta Wüst, verantwortlich: Die Gräfelfinger Vereine. Gemeinde Gräfelfing, Gräfelfing 2014, S. 67., GND-ID(DE-588)4093848-7<9, BSB-Magazin: M 2014.1952.
Weblinks
- Lemma im München-Wiki
- Webauftritt
- Webpräsenz: auf Kulturportal.de, Portal der Kommune