Llama Pressin

Miniatur-Pistole aus spanischer Fertigung From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Llama Pressin ist eine spanische, im Jahre 1977 entwickelte zweischüssige Pistole. Da der Pressin die äußerlichen Attribute einer gewöhnlichen Pistole fehlen, fällt sie nicht als Waffe auf. Wegen ihrer kompakten Form konnte sie in einem Etui, das einem Brillenetui nachempfunden war, getarnt getragen und sogar daraus abgefeuert werden. Die Waffe wurde in Spanien nur einem auserwählten Personenkreis zugänglich gemacht und daher nur in geringen Stückzahlen gebaut.

Dekorative Pressin, überreicht von Juan Carlos I. an Jimmy Carter 1980 in Madrid

Geschichte

Obwohl die Diktatur in Spanien mit dem Tod von Francisco Franco 1975 beendet wurde, war auch die darauffolgende Zeit von Gewalt geprägt. Die Terrororganisationen ETA und GRAPO verübten häufig Angriffe und Entführungen. Die Ziele waren Politiker, hochrangige Offiziere und Industrielle. Personenschutz war eine Antwort, doch es gab auch andere Ideen.[1][2]

Der spanische General und Waffeninspekteur Juan Bautista Uriarte del Río (1913–1992) entwickelte eine besondere Selbstverteidigungswaffe.[3] Diese sollte leicht, einfach zu führen und unauffällig sein. Aus nächster Nähe und unter Einbeziehung des Überraschungseffektes eingesetzt, sollte sie das letzte Mittel sein, um eine Entführung zu verhindern.[3][2] Die Idee war, dass diese getarnte Waffe dem Augenschein nach oder bei einer oberflächlichen Durchsuchung nicht als solche auffallen würde. Mit ihr konnte die entführte Person im günstigen Augenblick einen Entführer neutralisieren und fliehen bzw. dessen Waffe an sich nehmen. Von der Nutzungsidee her war die Pressin ähnlich der im Zweiten Weltkrieg ausgegebenen OSS Stinger.[1]

Offensichtlich stand Uriarte der Oberst José Jiménez-Alfaro Gomá bei der Erfindung zur Seite.[2] Die beiden Erfinder meldeten die Waffe erstmalig am 22. Oktober 1977 in Spanien, später in weiteren Ländern über ihre Ehefrauen zum Patent an.[4] Die Waffe wurde kurze Zeit später von den spanischen Behörden als Kurzwaffe klassifiziert.[2][3]

Die Bezeichnung der Pistole war ebenfalls eine Idee von Uriarte. Eigentlich sollte sie “PRESSING” lauten, was auf Englisch „drücken“ oder auch „dringend“ bedeutet. Da diese Marken bereits registriert waren, entfernte Uriate das letzte „G“.[3]

Die Waffe wurde von Llama-Gabilondo y Cía ab 1978 gebaut, aber sie erschien nie offiziell in einem Verkaufskatalog. Die Pressin konnte von einem auserwählten Personenkreis bis 1995 erworben werden. Etwa 900–1000 Stück wurden gebaut.[1][2][3] Es wurden auch einige wenige, auf 1981 datierte Prototypen für die Kaliber 7,65 mm Browning und .22 lfB gefertigt.[3][2]

Die Waffe verwendet eine besondere Munition: „7,65 E“. Diese basiert auf der Hülse 7,65 mm Browning, aber der Halbrand wurde entfernt und die Patrone um 2 mm auf 15 mm gekürzt. Diese Maßnahme sollte die Nutzung der Waffe durch Terroristen erschweren, falls sie ihnen in die Hände fiel, denn das Standardkaliber 7,65 mm Browning passte nicht. Diese Munition wurde von Fábrica Nacional de Palencia (FNP) produziert, die damals zu Santa Bárbara Sistemas gehörte.[3][1][2]

Die spanischen Sicherheitsbehörden hatten Bedenken, dass diese getarnte Waffe von den Sicherheitskräften nicht als solche erkannt werde und es deswegen zu Missverständnissen komme. Deswegen wurde in mehreren Rundbriefen ausführlich darüber informiert.[3]

Die Waffe wurde in Spanien wenig nachgefragt. Zum einen lag es an dem damals hohen Preis und schwer erhältlicher Sondermunition. Auch das spanische Waffenrecht war eine Hürde, denn es erlaubte das Führen nur einer Schusswaffe und der gefährdete Personenkreis griff dann doch lieber zu einer konventionellen Waffe mit deutlich mehr Feuerkraft.[3]

Die Einzigartigkeit der Pressin machte sie zu einem besonderen Geschenk für Staatsgäste. Die verschenkten Stücke waren vergoldet und ätzverziert.[2][3]

Nachdem Llama wegen Insolvenz aufgelöst worden war, wurde ein großer Teil der Waffen deaktiviert und dann in Spanien abverkauft. Die Pressin ist eine Rarität und deswegen in Sammlerkreisen begehrt.[1][3]

Technik

Patentzeichnungen

Die Pressin hat die Form eines länglichen Quaders und ähnelt äußerlich einem Heftgerät.[3][2] Die Waffe besteht aus einem Rahmen mit zwei nebeneinander liegenden Läufen, einem mit der Hand zu bewegenden Verschluss und Abzugshebel mit Sicherung.[1] Um die Waffe möglichst leicht zu halten, wurden nur die notwendigen Teile wie Läufe und Verschluss aus Stahl gefertigt, der Rahmen hingegen aus der Aluminiumlegierung ERGAL-60. Die Läufe sind fest im Rahmen eingebaut.[3] Die Lauflänge beträgt 80 mm, Gesamtlänge 120 mm und das Gewicht 390 g.[5]

Um die Waffe zu laden, mussten eine federbelastete Verschlusssperre geöffnet und der Verschlussblock nach hinten gezogen werden. Das spannte auch die Abzugshebel. Die Patronen konnten in die offen liegenden Patronenlager eingeführt werden. Das Vorschieben des Verschlussblocks spannte dann die beiden Schlagbolzen.

In der Abzugsschiene befindet sich eine manuelle Sicherung, die als einfacher Schieber ausgeführt ist. Herausgeschoben verhindert er das Herunterdrücken der Abzugsschiene, weil die Sicherung dann an den Rahmen stößt.

Ist die Sicherung hineingedrückt, kann die Abzugsschiene im Rahmen gedrückt werden, um die Schüsse auszulösen. Das geschieht in zwei Stufen: erst der rechte Lauf, dann, wenn die Abzugsschiene vollständig hineingedrückt wird, der linke Lauf. Der Abzugswiderstand für den zweiten Schuss ist höher; trotzdem ist es möglich, auch ungewollt zwei Schüsse durch einmaliges zu starkes Drücken auszulösen.

Die Waffe wird als gefährlich für den Schützen selbst bewertet. Zum einen kann es leicht vorkommen, dass sich ein Finger an der Mündung befindet, zum anderen ist es denkbar, dass die Waffe verkehrt gehalten wird und so die Schüsse in die Richtung des Schützen fallen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Waffe zu bedienen:

  • Daumen auf der Daumenauflage an der Oberseite des Rahmens, der Abzugshebel wird mit den anderen Fingern gedrückt,
  • Daumen auf dem Abzugshebel, die anderen Finger umfassen den Rahmen.

Die Waffe hat keine Auswurfhilfe für leere Patronenhülsen; diese müssen z. B. mit einem Stock ausgestoßen werden. Dass nicht schnell nachgeladen werden kann, wiegt nicht schwer, da der Einsatz durch den einmaligen Überraschungseffekt wirken soll.

Die Waffe ist zwar solide verarbeitet, aber nicht dazu bestimmt, wie übliche Gebrauchspistolen zu Trainingszwecken viel beschossen zu werden. Bei dem besonderen Einsatzzweck auf sehr kurze Distanzen ist dies aber auch nicht notwendig.

Die beiden Läufe sind gezogen, das heißt, sie haben im Inneren sogenannte Züge, also spiralförmige Nuten, aber nicht wegen der üblichen Drallstabilisierung; das ist bei der sehr kurzen Einsatzdistanz nicht notwendig. Der Grund der Züge ist die Abdichtung zwischen Lauf und Geschoss, damit die Treibgase nicht um das Geschoss herumströmen, sondern es mit vollem Druck antreiben. Das erhöht die Mündungsgeschwindigkeit und somit die Durchschlagskraft.[1]

Die Pressin war dazu gedacht, in einem dezenten Etui getragen zu werden. Dieses Etui hat außen keine Markierungen, nur an der Innenseite befindet sich eine Warnung, dass es sich um eine Waffe handelt. An dem Etui der Pressin gibt es einen zusätzlichen unauffälligen Druckknopf, der genau auf der Höhe der manuellen Sicherung der Pistole angebracht ist. Auch gibt es am Etui zwei Löcher an der Seite, welche die Position der Mündungen anzeigen. Das weiche Material und der zusätzliche Druckknopf ermöglichten, die Waffe im Etui zu entsichern und abzufeuern.[3][2] Llama hatte verschiedenfarbige Etuis im Angebot.[3][1]

Commons: Llama Pressin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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