Lockheed CL-475
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Der Lockheed CL-475 ist ein zweisitziger, einmotoriger leichter Experimentalhubschrauber, der von Lockheed entwickelt wurde, um die Technologie der starren Rotoren zu erforschen. Der CL-475 verfügt über einen dreiflügeligen Hauptrotor und einen zweiflügeligen Heckrotor. Es wurde nur ein Exemplar gebaut.
Entwicklung
Im Jahr 1958 stellte Irven Culver der Geschäftsleitung von Lockheed eine Idee vor, wie die Rotorblätter eines Hubschraubers starr an der Nabe befestigt werden könnten. Bereits 1920 hatte Juan de la Cierva dasselbe Konzept ausprobiert. Er hatte jedoch aufgrund übermäßiger gyroskopischer Effekte, Schwierigkeiten den Rotor zu steuern. Culvers Forschungen führten ihn zu der Überzeugung, dass es eine Möglichkeit gab, die übermäßigen Nick- und Rollmomente durch den Einbau eines Rückkopplungssystems in den Rotor zu kontrollieren. Culvers Lösung für hohe Steuerungsmomente war eine Vorrichtung, die als „Compliance-Faktor“ bekannt war. Sie hielt die Blätter um weniger als einen Grad nach vorne geneigt, was einen korrigierenden Feathering-Befehl an das gegenüberliegende Blatt auslöste. Dies war im Wesentlichen das Moment-Rückkopplungssystem. Oder kurz gesagt es ist ein gelenkloses Rotorsystem, welches im Jahr 1964 zum Patent angemeldet wurde.[1] Bevor er seine Ideen vorstellte, kam ihm die Idee, ähnlich wie Cierva fast 30 Jahre vorher, ein ferngesteuertes Modell zu bauen, um so die Machbarkeit des Konzepts zu demonstrierten. Das Model war ca. 152 cm (5 foot) lang, war mit einem Zweiblatt-Hauptrotor und einem einzelnen McCoy-60-Modellflugmotor versehen. Das Model flog aber sehr instabil, sodass man die Modifikationen vornahm, die später zu eben jenem Patent führen sollten. Im Juli 1959 konnte er Lockheed von seiner Idee überzeugen. Sein kleines Team, welches nur bei Gelegenheit an dem Projekt arbeitete, wurde auf 5 Leute vergrößert und man stellte ihm einen Teil des Experimental-Flughangars in Burbank zur Verfügung. Seine Aufgabe war es ab dann, aus dem Modellhubschrauber einen zweisitzigen Hubschrauber zu entwickeln und bauen. Dieser bekam die Bezeichnung CL-475.
Die CL-475 ist ein zweisitziger Hubschrauber mit einer mit Stoff bespannten Stahl- und Aluminiumkonstruktion. Das verglaste Cockpit bietet Platz für zwei Insassen nebeneinander. Das Fahrwerk ist als Dreiradfahrwerk ausgelegt, wobei zwei große Räder seitlich an der Unterseite des Rumpfes und ein Bugrad unterhalb des Cockpits angebracht sind. Der Hubschrauber wird von einem 140 PS (104 kW) starken, luftgekühlten Vierzylinder-Kolbenmotor Lycoming O-360-A1A angetrieben. Das Getriebe nahm man von einer Bell Model 47. Außerdem war die Maschine ursprünglich mit einem zweiflügeligen Rotor, die Rotorblätter aus Holz, ausgestattet.
Nach der Fertigstellung in Burbank wurde die CL-475 (N6940C) zu Testzwecken zum Rosamond Lake, in der Nähe der Edwards Air Force Base, gebracht. Der Erstflug fand am 2. November 1959, 5 Monate nachdem das Projekt startete, statt. Doch der Pilot meldete starke Vibrationen. Sechs Monate lang experimentierte Lockheed mit drei- und vierblättrigen Holzrotoren. Man stellte schließlich fest, dass Stabilität nur durch den Einsatz von Metallblättern in einer dreiflügeligen Konfiguration und den Einbau eines direkt mit der Taumelscheibe verbundenen gyroskopischen Steuerrings zu erreichen ist.
Mitte der 1960er Jahre wurde der Hubschrauber mehr und mehr zu einem größeren Projekt bei Lockheed. Man entschied sich die Maschine zurück zu Lockheed zu bringen. Ab da fanden alle weiteren Testflüge und Entwicklungen am Lockheed Standort in Rye Canyon statt. Es wurden unter anderem die Rotorblätter aus Metall durch welche aus Aluminium ersetzt. Ebenfalls wurde viel an der Steuerung und dem Rotorkopf gearbeitet. Die Entwicklung ging so weit, dass aus dem gelenklosen Rotorkopf ein starrer Rotorkopf entwickelt wurde.

Da man mit der CL-475 Geld verdienen musste, wurden eine Reihe von Piloten-Regierungsorganisationen (FAA/NASA) und Militär eingeladen. So das sie die CL-475 im Rahmen von Testflügen erproben konnten. Dank der Stabilität, die das Steuerungssystem mit starrem Rotor bot, war der Hubschrauber leicht zu fliegen. Wenn auch etwas leistungsschwach versuchte man beim Light-Observation-Helicopter-Programm der US Army teilzunehmen. Auch wenn die Army Piloten die CL-475 mochten und sie auch in Dienst gestellt sehen wollten, entschied man sich für die Hughes OH-6, da dieser schon zu dem Zeitpunkt fertig entwickelt war und somit weniger Risiken bot als die noch fertig zu entwickelnde CL-475. Man war aber so beeindruckt von dem starren Rotorsystem, dass die US Navy den Auftrag zur Entwicklung eines weiteren Hubschraubers mit starrem Rotorsystem gab. Aus diesem entstand die Lockheed XH-51. Beide Hubschrauber und ihre Entwicklungen sollten später großen Einfluss auf das Entwicklungsprogramm der Lockheed AH-56 Cheyenne haben.
Im Jahr 1975 schenkte Lockheed die CL-475 dem National Air and Space Museum. Der Hubschrauber wurde dem United States Army Aviation Museum in Fort Rucker, Alabama, als Leihgabe überlassen. Er befand sich jedoch seit 2009 im Lager des Museums. Nach einer Restaurierung wird er seit 2018 ausgestellt.[2][3]
Siehe auch
Literatur
- Francillon, René J. Lockheed Aircraft Since 1913. Annapolis, Md: Naval Institute Press, 1987. ISBN 978-0-85177-805-1
- Tony Landis, Dennis R. Jenkins (2000). Lockheed AH-56 Cheyenne. WarbirdsTech Series Volume 27. Speciealty Press. ISBN 978-1-58007-027-0