Locus iste

Graduale From Wikipedia, the free encyclopedia

Locus iste ist ein auf biblischen Texten basierendes lateinisches Preisgedicht eines heiligen Ortes und das Graduale für den Jahrestag der Weihung einer Kirche (Missa in anniversario dicationis ecclesiae), die im Deutschen Kirchweih heißt. Das Incipit, also die Eröffnungsworte „Locus iste a Deo factus est“, bedeutet „Dieser Ort ist von Gott geschaffen“.

Der kurze Gesamttext ist kein direktes Bibelzitat, bezieht sich aber auf bekannte Bibelstellen über einen Ort, an dem die Präsenz Gottes besonders erfahrbar wird; so wurde er oft auch auf Gotteshäuser wie Kirchen bezogen.

Der lateinische Text ist mehrfach vertont worden, so von Michael Haydn, Roger Emerson, und Karl Jenkins; eine der bekanntesten Kompositionen stammt von dem österreichischen Komponisten Anton Bruckner.[1]

Textgrundlage

Der Text basiert auf der biblischen Geschichte von der Jakobsleiter im Alten Testament, in welcher der Erzvater Jakob sein Haupt auf einen Stein bettet und im Traum Engel erblickt, die eine Leiter gen Himmel hinaufsteigen und Jakobs Ausspruch „Fürwahr, der Herr ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht“ (Gen 28,16 LUT), und der Geschichte vom brennenden Dornbusch, in der Moses aufgefordert wird: „Zieh deine Schuhe aus, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliger Boden“ (Ex 3,5 LUT).[2]

Der Text erinnert zudem an das Zentralheiligtum des Tempels in Jerusalem, in welchem die Gegenwart Gottes in altisraelischer Theologie einen besonderen Ort hatte, und der ein nationales, die Stämme Israels verbindendes Heiligtum war, von dem eine weltweite Ausstrahlung ausgehen sollte (Jes 2,1-3 LUT).

In der späteren christlichen Theologie, vor allem im Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Kathedralbau, wurden die Gottesdienst- und Versammlungsorte der christlichen Gemeinde mit der Tempelverehrung und der Vorausnahme des Himmlischen Jerusalem identifiziert.

Textform und Übersetzung

Die von einem unbekannten, möglicherweise frühmittelalterlichen Autor stammende lateinische Textfassung lautet:

Locus iste a Deo factus est,
inaestimabile sacramentum,
irreprehensibilis est.

Die deutsche Bedeutung wird häufig so wiedergegeben:

Dieser Ort ist von Gott geschaffen,
ein unschätzbares Geheimnis (Heiligtum),
kein Fehl ist an ihm.[3]

Gregorianischer Choral

Der Gregorianische Choral des Graduale[4] erscheint im Liber Usualis von 1924 (moderne Notation) sowie der Ausgabe von 1961 (Gesangsnotation)[5] sowie im Graduale Novum.

Bruckners Vertonung

Der österreichische Komponist Anton Bruckner vollendete die gleichnamige Motette Locus iste für unbegleiteten Chor 1869 zur Einweihung einer Votivkapelle im Mariä-Empfängnis Dom zu Linz.[6] Bruckners Motette Locus iste wird im katholischen Raum häufig an Kirchweihjubiläen aufgeführt. Das etwa dreiminütige Stück Bruckners steht in C-Dur und im Viervierteltakt.

Einzelnachweise

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