Freundschaft fürs Leben
Film von Norman René (1989)
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Freundschaft fürs Leben (Originaltitel Longtime Companion, sinngemäß etwa „langjähriger Freund“) ist ein US-amerikanischer Film aus dem Jahr 1989. Das Filmdrama war die erste landesweit veröffentlichte Spielfilmproduktion, die das Thema AIDS behandelte. Der englische Titel bezieht sich auf einen Euphemismus, den die New York Times in Todesanzeigen für Lebensgefährten verstorbener AIDS-Patienten verwendete.[2]
| Film | |
| Titel | Freundschaft fürs Leben |
|---|---|
| Originaltitel | Longtime Companion |
| Produktionsland | Vereinigte Staaten |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1989 |
| Länge | 100 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Norman René |
| Drehbuch | Craig Lucas |
| Produktion | Stan Wlodkowski, Lydia Dean Pilcher |
| Musik | Greg De Belles, Zane Campbell |
| Kamera | Tony C. Jannelli |
| Schnitt | Katherine Wenning |
| Besetzung | |
| |
| → Synchronisation | |
Der Film wurde im Oktober 1989 auf dem Mill Valley Film Festival uraufgeführt[3] und kam am 11. Mai 1990 in die US-amerikanischen Kinos.[4] In Deutschland wurde er am 1. November 1990 in den Kinos veröffentlicht.[5]
Handlung
Der Film ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die an jeweils einem Tag zwischen 1981 und 1989 spielen.
3. Juli 1981
Der Personal Trainer Willy besucht gemeinsam mit seinem Bekannten John, das Paar David und Sean in deren Strandhaus auf Fire Island, mit denen sie den bevorstehenden Feiertag verbringen wollen. Sean ist Drehbuchautor der erfolgreichen Seifenoper Other People, während David aufgrund seiner Herkunft aus einem wohlhabenden Elternhaus nicht arbeiten muss. In der Stadt bereitet sich derweil der junge Schauspieler Howard auf ein Other People-Casting vor. Er lebt zusammen mit dem Geschäftsführer Paul und ist gut mit seiner Nachbarin Lisa befreundet, die ihn ihren besten Freund Fuzzy als persönlichen Rechtsbeistand vermittelt.
Am nächsten Morgen veröffentlicht die New York Times einen Artikel über eine neuartige Krebsart, die hauptsächlich bei homosexuellen Männern vorzukommen scheint. Die Nachricht verbreitet sich schnell in der homosexuellen Gemeinschaft. Einige sind sofort alarmiert, während andere mit Gleichgültigkeit darauf reagieren. Am Nachmittag erhält Howard die Rolle in Other People, während Willy bei einem Tanztee auf Fuzzy trifft und eine Beziehung mit ihm eingeht.
30. April 1982
John erfährt beim Arzt, sich mit der neuen Krankheit angesteckt zu haben. Er erkrankt an einer Lungenentzündung, wird in ein Krankenhaus eingewiesen und stirbt kurze Zeit später. In der Zwischenzeit ziehen Willy und Fuzzy in eine gemeinsame Wohnung, während Howard mit seiner neuen Rolle hadert, da er die erste offen schwule Figur in einer Fernsehserie verkörpern soll. Er befürchtet deswegen, Opfer von Typecasting zu werden und in Zukunft nur noch vergleichbare Rollenangebote zu erhalten.
17. Juni 1983
Willy, Fuzzy, Lisa, David und Sean sind mit ihren Freunden Michael und Bob auf Fire Island, um im Strandhaus die neue Folge von Other People anzusehen, in der Howards Figur ihr Coming-out hat. Sie führen danach ein Gespräch über einen Nachbarn, der unter der neuen Krankheit leidet und deswegen von den Inselbewohnern gemieden und ausgegrenzt wird. Am Abend kommt es zu einem Streit zwischen Sean und David, da ersterer befürchtet, ebenfalls erkrankt zu sein.
7. September 1984
Sean und Paul werden ins Krankenhaus eingeliefert. Willy sieht nach Sean, hat aber solche Angst vor einer Ansteckung, dass er sein Zimmer mit Mund-Nasen-Schutz und Schutzkittel betritt. Als er von Sean im Spaß auf den Hals geküsst wird, eilt er auf die Toilette und reinigt frenetisch die betreffende Stelle. Sean erhält ebenfalls Besuch von Michael, der ihm homöopathische Medizin und ein Buch der Motivationsautorin Louise Hay mitbringt. In der Zwischenzeit geht Howard zu Paul, der an Toxoplasmose leidet. Er bricht beim Anblick seines Lebensgefährten unter Tränen zusammen, während dieser ihn tröstet.
22. März 1985
Seans Gesundheit hat sich stark verschlechtert, da er an Demenz erkrankt ist. David täuscht Seans Arbeitgeber, indem er unter seinem Namen weiterhin Drehbücher für Other People verfasst. Howard ist nicht mehr Teil der Serie, da er wegen einer angeblichen AIDS-Erkrankung entlassen wurde. Er versucht zwar mit Fuzzys Unterstützung, eine Rolle in einem Film zu erhalten, wird aber mit derselben Begründung abgewiesen. Wenig später wird Paul, dem es kurzzeitig besser ging, mit einem Krampfanfall erneut ins Krankenhaus gebracht. David geht mit Sean in einem Park spazieren, muss ihn aber nach Hause bringen, nachdem sein Partner in einen Brunnen uriniert. In derselben Nacht bekommt Willy mit, wie Fuzzy seine Lymphknoten nach Schwellungen abtastet. Die beiden führen ein Gespräch über ihre Angst vor dem Sterben. Als sich Fuzzy fragt, was nach dem Tod passiere, antwortet Willy, dass sie dann wieder Sex haben könnten.
4. Januar 1986
Sean leidet unter starken chronischen Schmerzen und verhält sich weitestgehend katatonisch. Er ist bettlägerig und muss Windeln für Erwachsene tragen, da er seinen Harn- und Stuhlgang nicht mehr kontrollieren kann. David ermutigt ihn in beruhigendem Ton, loszulassen, woraufhin Sean stirbt. Willy, Fuzzy und Lisa besuchen David kurze Zeit später. Während Fuzzy die gemeinnützige Organisation Gay Men’s Health Crisis (kurz GMHC) telefonisch um Unterstützung bei der Organisation der Beerdigung bittet, schaffen es Willy und Lisa, ihren Freund zumindest kurzzeitig zu trösten, als sie in Seans Kleiderschrank ein rotes Kleid finden und anmerken, dass sein verstorbener Partner damit nicht für die Einäscherung eingekleidet werden könne, weil noch ein Hut im Stil von Beatrice Lillie fehle. Die vier Freunde gehen später in ein chinesisches Restaurant, um Seans Todesanzeige zu verfassen. Dabei bezeichnen sie David als seinen lebenslangen Freund.
16. Mai 1987
Bob und Willy halten die Trauerrede für David, der im Schlaf gestorben ist. Beim Leichenschmaus lässt die Erinnerung daran, wie David als junger Mann das Hochzeitskleid seiner Schwester anprobierte und darin versehentlich eine Treppe herunterstürzte, seine Freunde ihre Trauer für einige Zeit vergessen.
10. September 1988
Fuzzy und Lisa beantworten ehrenamtlich die Fragen von Anrufern der GMHC-Hotline. Willy bezeichnet Alberto, der sich hilfesuchend an die GMHC gewandt hat, als Kumpel, scheint aber mehr für ihn zu empfinden. Howard hat sich nun ebenfalls mit AIDS angesteckt, auch Pauls Tod wird stark angedeutet. Howard möchte seine verbliebene Bekanntheit dafür nutzen, Geld für AIDS-Hilfsorganisationen zu sammeln. Er organisiert dafür ein Benefizkonzert, bei dem unter anderem das als Schwulenhymne geltende Y.M.C.A. der Village People im Kammermusik-Stil gecovert wird.
19. Juli 1989
Willy, Fuzzy und Lisa machen einen Spaziergang am Strand. Sie unterhalten sich über eine bevorstehende Demonstration der Organisation Act Up und sinnieren darüber, ob es wohl je ein Heilmittel gegen AIDS geben wird. Plötzlich erscheinen ihre verstorbenen Freunde und weitere Personen, die der Krankheit erlegen sind, allerdings nur in ihrer Vorstellung. Willy, Fuzzy und Lisa gehen schließlich alleine über den verlassenen Strand.
Rezeption
Positiv
Roger Ebert bewertete den Film mit 3,5 von vier Sternen. Er lobte dabei vor allem die Charakterzeichnung und die emotionalen Momanten. Als Beispiel für letztere nennte er die Krankenhausszenen mit Sean, die wie wenige vergleichbare Filmsequenzen „die Tugend des Krankenbesuchs“ illustriere. Zudem hob er die Sterbeszene derselben Figur hervor, die eine der „bewegendsten filmischen Todesszenen überhaupt“ darstelle. Ebert äußerte sich zudem positiv darüber, dass die Charaktere im Gegensatz zu vielen anderen Filmen über Homosexuelle nicht nur über ihre Sexualität definiert würden. Vielmehr ginge es in Freundschaft fürs Leben um den „Mut, anderen zu helfen und die Bescheidenheit, sich helfen zu lassen“.[6]
Die Variety beschrieb die Produktion als „einfach exzellent“. Dies liege am „anmutigen, oftmals humorvollen“ Drehbuch, dem es gelinge, „informatives mit emotionalem Material“ zu verbinden. Auch sei die Darstellung der Schauspieler „berührend“, vor allem Seans und Davids Szenen wirkten „durchdringend“.[7]
Alan Jones befand in der RadioTimes, dass Freundschaft fürs Leben „fesselnd“ und „herzzerreißend“ von dem zunehmenden Einfluss der AIDS-Epidemie auf den Alltag von acht Freunden erzähle. Der Film zeige besonders auf, wie wohlhabende Homosexuelle aus ihrem „Calvin-Klein-Lebensstil“ gerissen werden und sich gegen Bigotterie und Vorurteile wehren müssen, während sie angesichts der Krankheit mit schweren Verlusten zu kämpfen haben. Er sei halb dokumentarisch und die „zugänglichste Geschichtsstunde“ zum Thema AIDS. Bruce Davison steche besonders in dem „kraftvollen und mutigen Zeugnis des Überlebens“ heraus.[8]
Jonathan Rosenbaum äußerte sich im Chicago Reader positiv über Freundschaft fürs Leben, der sich nicht der „obszönen Reagan-Bush-Herangehensweise“ bediene. Die Protagonisten seien nicht „bemitleidenswerte Kinder“ und damit die laut üblicher Darstellung in Produktionen über die Krankheit einzig erwähnenswerte Gruppe von AIDS-Patienten. Der Film erhalte zudem zwar einige nützliche Informationen über die Krankheit, ohne dabei zu moralisieren. Vielmehr handle es sich bei ihm um eine „sehr menschliche und mitfühlende Produktion über eine Tragödie, die die gesamte Gesellschaft angehe.“[9]
Eher negativ
Vincent Canby bezeichnete Freundschaft fürs Leben in der New York Times „subtiler und fröhlicher als nötig“. Bis auf wenige Szenen sei die Produktion „fad“, da die Folgen der AIDS-Epidemie nur aus der Sicht von weißen, wohlhabenden Männern dargestellt würden, obwohl beispielsweise auch Drogensüchtige und andere Minderheiten von dieser betroffen waren. Zudem seien die Protagonisten „oberflächliche, engstirnige Stereotype und allesamt austaschbar“. Aufgrund dieser Trivialisierung falle es den Zuschauern schwer, sich mit ihnen zu identifizieren. Lediglich die Szenen mit den Figuren David und Sean berührten und bildeten daher die Ausnahme. Letztendlich sei der Film nicht wegen seiner Thematik, sondern der „egozentrischen Sichtweise auf die AIDS-Epidemie“ „schwer zu verdauen“.[10]
Für Ralph Novak, einen Redakteur der People, seien viele der Anspielungen im Film „Insider-Witze“ unter Homosexuellen, unter anderem eine Szene, in der eine männliche Figur Diana Ross imitiert, während er zu einem Lied der The Supremes tanzt. Zudem wirkten die Sexszenen zwar nicht explizierter als in anderen Filmen, beispielsweise Sunday, Bloody Sunday. Ihre Häufigkeit befremde allerdings ebenfalls viele heterosexuelle Zuschauer. Novak mutmaßte, dass dieser Ethnozentrismus von der Absicht herrühre, diese Zielgruppe von den emotionalen Empfindungen der Protagonisten zu distanzieren. Dies sei angesichts des hervorragenden Ensembles und einfühlsamen Drehbuchs besonders schade. Vor allem Bruce Davison und Mark Lamos spielten ihre Rollen bemerkenswert. Novak nannte das Ende des Films ein „bedauernswertes Wunschdenken“ und schloss seine Kritik mit der Überlegung, ob sich überhaupt jemand außer „extrem schwulen Chauvinisten“ sich die Produktion bis zum Ende ansehen würde.[11]
Auszeichnungen und Nominierungen (Auswahl)
Artios Award 1990[12]
- Nominierung in der Kategorie Bestes Casting für einen Spielfilm – Drama, für Jason La Padura und Natalie Hart
Festival des amerikanischen Films 1990[13]
- Nominierung für den Kritikerpreis, für Norman René
Internationale Filmfestspiele von Cannes 1990[14]
- Nominierung für den Hauptreis in der Sektion Un Certain Regard
New York Film Critics Circle Award 1990[15]
- Auszeichnung in der Kategorie Bester Nebendarsteller, für Bruce Davison
Sundance Film Festival 1990[16]
- Publikumspreis in der Sektion Drama
- Nominierung für den Großen Preis der Jury in der Sektion Drama
- Auszeichnung in der Kategorie Bester Film
- Auszeichnung in der Kategorie Bester Nebendarsteller in einem Spielfilm, für Bruce Davison
Independent Spirit Awards 1991[19]
- Auszeichnung in der Kategorie Bester Nebendarsteller, für Bruce Davison
National Society of Film Critics Awards 1991[20]
- Auszeichnung in der Kategorie Bester Nebendarsteller, für Bruce Davison
- Nominierung in der Kategorie Bester Nebendarsteller, für Bruce Davison
Synchronisation
| Rolle | Darsteller | Synchronsprecher[22] |
|---|---|---|
| Willy | Campbell Scott | Torsten Sense |
| Howard | Patrick Cassidy | Nicolas Böll |
| Paul | John Dossett | Tobias Meister |
| Lisa | Mary-Louise Parker | Eva Kryll |
| Fuzzy | Stephen Caffrey | Benjamin Völz |
| David | Bruce Davison | Lutz Mackensy |
| Sean | Mark Lamos | Lutz Riedel |
| John | Dermot Mulroney | Andreas Fröhlich |
| Michael | Michael Schoeffling | Uwe Büschken |
| Darsteller in Other People | Brent Barrett | Christian Toberentz |
| Walter | Dan Butler | Stefan Staudinger |
| Alberto | Michael Carmine | Stefan Krause |