Louis Dane

britischer Kolonialbeamter From Wikipedia, the free encyclopedia

Sir Louis William Dane, GCIE CSI (* 21. März 1856 in Chichester; † 22. Februar 1946 in South Kensington) war ein prominenter britischer Kolonialbeamter, der in der Verwaltung Britisch-Indiens eine zentrale Rolle spielte. Er war unter anderem als Foreign Secretary to the Government of India tätig und von 1908 bis 1913 Vizegouverneur von Punjab. Besonders bekannt wurde er durch seine diplomatische Tätigkeit an den Grenzen Afghanistans, insbesondere bei der Dane-Linie und der Dane-Mission nach Kabul (1904–1905).

Louis Dane (1908)

Familie

Dane wurde als fünfter Sohn des aus dem irischen County Fermanagh stammenden Sir Richard Martin Dane, des Generalinspekteurs der Hospitäler in Indien, und Sophia Eliza (1754–1833) geboren. Er besuchte die Kingston Grammar School in Kingston upon Thames. Nach dem Bestehen des Eignungstests trat er 1874 in indische Staatsdienste. 1882 heiratete er Edith, dritte Tochter des Generalleutnants Sir Francis Booth Norman (1830–1901), mit der er drei Töchter und zwei Söhne hatte. Ein Sohn starb 1942 als Kriegsgefangener in Tokio.[1]

Grenzvermessung und die Dane-Linie

Dane war maßgeblich an der Festlegung und Vermessung von Teilen der Grenze Afghanistans beteiligt. Als Dane-Linie wurde ein Abschnitt der iranisch-afghanischen Grenze in der Region Sistan bezeichnet, dessen Vermessung er als Leiter der britischen Seistan-Mission von 1903 bis 1905 durchführte. Die Festlegung dieser Linie war aufgrund von Wasserstreitigkeiten um den Helmand-Fluss und der strategischen Bedeutung der Region im Rahmen des „Great Game“ zwischen dem Britischen Weltreich und dem Russischen Kaiserreich von großer Bedeutung. Die von Dane festgelegte Grenze wurde ein wichtiger Teil der heutigen Grenzziehung zwischen dem Iran und Afghanistan.

Rolle Danes

In Adamecs Werk Afghanistan, 1900–1923 wird die Rolle Danes als Leiter der Dane-Mission nach Kabul im Jahr 1904 beleuchtet.[2]

Adamec führt aus, dass die Mission das Ziel hatte, die bestehenden Abkommen mit dem neuen afghanischen Herrscher, Amir Habibullah Khan, zu erneuern und britische Einflussnahme in Afghanistan zu sichern, insbesondere um eine russische Annäherung abzuwehren. Danes Rolle in Kabul war die eines Unterhändlers, der versuchte, die weitreichenden Forderungen der indischen Regierung (unter Lord Curzon bzw. dem amtierenden Vizekönig Lord Ampthill und Lord Kitchener) mit der kompromisslosen Haltung des Amirs in Einklang zu bringen.

  • Der Auftrag: Dane wurde angewiesen, mit dem Amir über eine Erneuerung der früheren Abkommen zu verhandeln. Die indische Regierung wünschte sich jedoch ein neues, detaillierteres Abkommen, das Großbritannien weitreichende Rechte für die Verteidigung Indiens in Afghanistan (z. B. durch Stationierung britischer Offiziere, Bau von Kommunikationslinien, militärische Mitsprache) einräumen sollte. Dane erhielt jedoch später spezifische Anweisungen aus London, die eine vorsichtigere Linie verfolgten und ihn anhielten, nicht auf Konzessionen zu drängen, die Habibullahs Würde verletzten könnten.
  • Der Verhandlungsverlauf: Die Verhandlungen, die von Dezember 1904 bis März 1905 dauerten, waren langwierig und schwierig. Habibullah Khan vertrat entschlossen die Position, dass die früheren Abkommen (wie das von 1880) dauerhaft und nicht persönlich seien, und lehnte eine tiefgreifende britische Einflussnahme, insbesondere in militärischen Fragen, ab. Der Amir, dem an einer weiteren britischen Subvention und Waffenimporten gelegen war, hielt an seiner Forderung nach militärischer Unterstützung (Waffen, Geld, Infrastrukturhilfe) fest, lehnte aber die britischen Bedingungen ab.
  • Der Kompromiss und das Ergebnis: Die Verhandlungen gerieten im Februar 1905 in eine Sackgasse, wobei die indische Regierung Danes Abzug empfahl. Die britische Regierung in London, die das Risiko eines Scheiterns und eines möglichen militärischen Konflikts mit Russland fürchtete, drängte jedoch darauf, ein Scheitern zu vermeiden. Schließlich wurde Dane von London angewiesen, das vom Amir vorgeschlagene Abkommen zu unterzeichnen.
  • Das Abkommen von 1905: Das am 21. März 1905 unterzeichnete Abkommen war im Wesentlichen eine Erneuerung der bestehenden Verträge in Form eines kurzen Textes, der die Verpflichtungen des Amirs Habibullah Khan, die sein Vater Abdur Rahman Khan eingegangen war, bestätigte.
  • Bewertung der Mission: Die Mission wurde von der indischen Regierung als unbefriedigend und als „Rückzug auf ganzer Linie“ kritisiert. Die britische Regierung in London hingegen zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Adamec kommt zu dem Schluss, dass die Dane-Mission zu einem „vollständigen Sieg für den Amir“ führte. Zwar wurde die britische Kontrolle über Afghanistans Außenpolitik fortgesetzt, doch Dane konnte keine der neuen, bedeutenden Zugeständnisse (wie die Entsendung britischer Offiziere, verbesserte Kommunikationswege oder die Klärung der dauerhaften Natur des Vertrages) durchsetzen. Die Mission endete damit, dass die unbefriedigenden Beziehungen zwischen Britisch-Indien und Afghanistan im Wesentlichen im gleichen Zustand verblieben.

Orden und Ehrenzeichen

1904 wurde er als Companion des Order of the Star of India ausgezeichnet, 1905 als Knight Commander des Order of the Indian Empire geadelt und 1911 zum Knight Grand Commander des Order of the Indian Empire erhoben. 1915 wurde er als Knight of Grace in den Order of St. John aufgenommen.

Attentat

Dane wurde am 13. März 1940 bei einem Anschlag während einer Versammlung in der Caxton Hall in Westminster verletzt. Der Attentäter Udham Singh schoss Dane, Lord Zetland, Minister für Indien, und Lord Lamington, einen ehemaligen Gouverneur von Bombay, an. Michael O’Dwyer, ehemaliger Vizegouverneur von Punjab, wurde erschossen.[3]

Literatur

  • Dane, Sir Louis William. In: Thom’s Irish Who’s Who. Alexander Thom and Son, Dublin 1923. S. 54 (wikisource).

Einzelnachweise

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