Louis Delgrès

französischer Politiker, Oberst der Infanterie und Abolitionist (1766-1802) From Wikipedia, the free encyclopedia

Louis Delgrès (* 2. August 1766 in Saint-Pierre auf Martinique; † 28. Mai 1802 in Matouba (Gemeinde Saint-Claude) auf Guadeloupe) war Kommandant der Insel Basse-Terre und Abolitionist. Delgrès war Teil des Widerstands von Guadeloupe gegen die unrechte Behandlung farbiger Soldaten und die von Napoleon Bonaparte geforderte Wiedereinführung der Sklaverei. Delgrès unterzeichnete am 10. Mai 1802 die Erklärung „An das gesamte Universum, der letzte Schrei der Unschuld und Verzweiflung“.

Büste Louis Delgrès in Petit-Bourg

Leben

Louis Delgrès wurde juristisch als „freier Farbiger“ (libre de couleur) geboren. Er ist wahrscheinlich der uneheliche Sohn von Élisabeth Morin (genannt Guiby), eine Mestizin, und Louis Delgrès, einem weißen Kreolen aus Saint-Pierre (Martinique), dessen Vorfahren aus Bayonne stammten. Louis Delgrès' Vater war später Kolonialbeamter auf Tobago, der die Funktion königlicher Steuereinnehmer und Direktor über die königlichen Gebiete innehatte.[1][2] Louis Delgrès lebte mit seinen Eltern auf Martinique und später auf Tobago und bekam eine gute Schulaubildung.[3][4] In dem Inventar des Familienanwesens, das nach dem Tod seines Vaters 1788 erstellt wurde, ist auch der Besitz von 25 Sklaven aufgeführt.[5]

Militärische Laufbahn

Delgrès begann seine militärische Laufbahn am 10. November 1783 in der Bürgerwehr in den französischen Kolonien. Er wurde 1791 nach den Tod seines Vaters zum Fähnrich (Sergeant) ernannt und auf Martinique stationiert.[4] Ein Dokument vom September 1799 besagt, dass Louis Delgrès ein ausgezeichneter Soldat war und sehr gut lesen, schreiben und rechnen konnte, was für seine gute Ausbildung spricht.[3]

Während der französischen Revolution

Nach der Machtübernahme der Royalisten auf Martinique floh der Republikaner Delgrès am 8. September 1791 ins Exil nach Dominica[4] und nahm am 28. Oktober 1792 an der Abgeordnetenwahl zum Nationalkonvent der Inseln über dem Winde teil.

Im Dezember 1792 ging Louis Delgrès an Bord der Fregatte Félicité, die unter dem Kommando von Jean-Baptiste Raymond de Lacrosse stand. Er wurde noch im selben Jahr von den „Bürgern“ (citoyen) vorläufig zum Leutnant gewählt und diente unter dem Befehl von Donatien-Marie-Joseph de Vimeur, vicomte de Rochambeau.[6] Im April 1794, nachdem er vorläufig zum Hauptmann (capitaine) ernannt worden war, nahmen ihn die Briten nach deren Landung auf Guadeloupe gefangen. Er wurde nach Großbritannien gebracht und wurde nach kurzer Gefangenschaft im Mai 1794 nach Saint-Malo überstellt.[4]

In Brest erhielt Louis Delgrès am 27. November 1794 anlässlich der Gründung des Bataillons der Antillen sein Leutnantspatent. Am 6. Januar 1795 erreichte er Guadeloupe, das er am 21. März 1795 wieder verließ, um St. Lucia von den Briten zurückzuerobern. Er wurde am 22. April 1795 schwer verwundet. Nach heftigen Kämpfen eroberte er den Mont Rabot und hisste auf dessen Gipfel die französische Fahne.[4][6] Für diesen militärischen Erfolg wurde er am 25. Juni 1795 zum Hauptmann ernannt.[6] Am nächsten Tag fuhr er nach St. Vincent und kämpfte an der Seite der Garifunas (Nachfahren von Afrikanern und indigenen Kariben) von Joseph Chatoyer gegen die Briten. Am 16. Juni 1796 wurde er erneut gefangen genommen und in das britische Gefängnis in Portchester gebracht. Von dort wurde er am 21. September 1797 im Rahmen eines Gefangenenaustauschs nach Le Havre gebracht.[4][7]

Nach der britischen Gefangenschaft

Im Januar 1798 war Louis Delgrès in Rouen stationiert, wo er am 15. September 1798 den Marschbefehl für die südlich von La Rochelle liegende Insel Île d'Aix erhielt.[8] Am 27. Juli 1799 wurde er zum kommissarischen Kommandant des Arrondissements Basse-Terre ernannt. Nach einem Urlaub in Paris im September 1799 wurde er am 1. Oktober 1799 zum Bataillonskommandeur (chef de bataillon) ernannt und sollte Vertreter des Nationalkonvents nach Guadeloupe begleiten, nämlich Nicolas-Georges Jeannet-Oudin, Étienne Maynaud de Bizefranc de Laveaux und René Gaston Baco de La Chapelle. Delgrès lehnte diesen Auftrag wegen Soldrückständen ab. Nachdem ihm Victor Hugues einen Vorschuss gewährte, begann er am 16. November 1799 die Reise nach Guadeloupe und erreichte die Insel am 11. Dezember 1799. Vor seiner Ankunft in Guadeloupe war Louis Delgrès zum Aide-de-camp (Adjutant) von René Gaston Baco ernannt worden.

Aufstand von Guadeloupe

Im Oktober 1801 hatte Delgrès die Position des Aide-de-camp bei Capitaine général Jean-Baptiste Raymond de Lacrosse inne. Lacrosse bezeichnete Delgrès als Sansculotte, was auf dessen revolutionäres Engagement in der Zeit des französischen Konsulats hindeutet.

Lacrosse war von Napoleon Bonaparte nach Guadeloupe entsandt worden, um die Kontrolle über die guadeloupeanische „Armee der Farbigen“ (l'armée de couleur) wieder zu erlangen.[9] Wahrscheinlich sollte er auch die Einführung der Sklaverei vorbereiten, die seit der französischen Revolution abgeschafft war.[10] Die „Armee der Farbigen“ bestand etwa zu 50 % aus Schwarzen, 25 % aus Mestizen und 25 % aus Weißen.[9] Gemäß den Anweisungen von Napoleon Bonaparte wollte Lacrosse die farbigen Offiziere und radikalen Republikaner (Neo-Jakobiner) aus der Armee entfernen.[11] Nach fortlaufenden Schikanen und der Androhung, sie aus Guadeloupe zu verbannen, rebellierten am 21. Oktober 1801 Hauptleute der „Armee der Farbigen“ in Pointe-à-Pitre gegen Lacrosse.[11] Dieser Aufstand war gegen die Person Lacrosse gerichtet, aber nicht gegen die Autorität des französischen Mutterlands.[12]

Am 23. Oktober 1801 willigte Magloire Pélage ein, Oberbefehlshaber der „Armee der Farbigen“ zu werden. Am 24. Oktober 1801 wurde Lacrosse gefangen genommen und ausgewiesen, während sich sein Aide-de-camp, Louis Delgrès, den aufständischen Offizieren anschloss.[9] Delgrès waren die Konsequenzen seiner Gehorsamsverweigerung, beziehungsweise des Verrats, bewusst und forderte von den Aufständischen eine kompromisslose Haltung: „Gut! Ich bin unter der Bedingung auf eurer Seite, dass wir uns bis zum Tod verteidigen, es sei denn, wir erhalten einen Vertrag, der die Vergangenheit abdeckt und die Zukunft sichert!“[5]

Delgrès wurde daraufhin von Magloire Pélage zum Standortkommandanten von Basse-Terre (Commandant de la place) ernannt. Am 5. Januar 1802 entließ Louis Delgrès die weißen Beamten, denen vorgeworfen wurde, mit General Lacrosse kooperiert zu haben. Zwei Tage später wurde Delgrès zum Bezirksleiter (Chef de l'Arrondissement) von Basse-Terre ernannt. Am 15. und 16. Februar 1802 ließen Louis Delgrès und Hauptmann Massoteau die weiße Offiziere verhaften und deportieren, die Anhänger von Lacrosse waren.[5]

Vom 24. Oktober 1801 bis zum 6. Mai 1802 bekundete Magloire Pélage, Leiter der provisorischen Regierung von Guadeloupe, in zahlreichen Briefen seine Treue und die der Aufständischen zur Regierung unter Napoleon Bonaparte. Jean-Baptiste Raymond de Lacrosse hingegen, der nach Dominica geflohen war, stellte die Aufständischen als Autonomisten oder radikale Republikaner (Neo-Jakobiner) dar.[11]

Proklamation vom 10. Mai 1802

Die Lage auf Guadeloupe änderte sich ab dem 6. Mai 1802 mit der Ankunft der Truppen des Französischen Konsulats unter General Antoine Richepanse. Dieser hatte den Befehl, die von Lacrosse beschriebene „Rebellion“ zu beenden. Die Kolonialtruppen wurden Opfer harter Schikanen, worauf sich die lokalen Militärführer in zwei Lager spalteten. Unter dem Kommando des Brigadekommandeurs Magloire Pélage unterwarf sich ein Teil der Kommandeure den Gesandten der französischen Regierung. Ein anderer Teil entschied sich unter der Führung der Bataillonskommandeure Louis Delgrès und Joseph Ignace für die offene Rebellion gegen die ungerechte Behandlung der farbigen Soldaten. So war Joseph Ignace, bevor er nach Basse-Terre floh, Zeuge gewesen, wie ein Teil der farbigen Soldaten auf Guadeloupe entwaffnet, entkleidet und gedemütigt wurden.[11]

Proklamation vom 10. Mai 1802

Am 10. Mai 1802 wurde Louis Delgrès in Basse-Terre Anführer des Widerstands gegen die Schikanen der weißen Truppen des französischen Konsulats. Delgrès glaubte immer noch, dass Napoleon Bonaparte die Menschenrechte auf Saint Domingue und Guadeloupe schützen würde, wie letzterer am 22. November 1801 versichert hatte.[10] Delgrès ließ die von Monnereau, einem kreolischen Adjutanten (adjudant de place) aus Fort Saint-Charles verfasste Proklamation „An das gesamte Universum, der letzte Schrei der Unschuld und Verzweiflung“ (À l’univers entier. Le dernier cri de l’innocence et du désespoir) an mehreren Stellen der Stadt aushängen.[13] Ohne Napoleon Bonaparte und die französische Regierung in Frage zu stellen, rechtfertigte er hierin die Rebellion gegen die mächtigen Gesandten Napoleons (verklausuliert in dem Ausdruck „Menschen, die aufgrund ihrer Entfernung von der Autorität, von der sie gesandt wurden, leider zu mächtig sind“).[10]

In Folge des Aushangs kam es nicht nur zu Kämpfen zwischen den Soldaten des Mutterlands und denen der Antillen, sondern auch zwischen Kolonialherren untereinander.[10] Um Delgrès herum formiert sich der „Widerstand gegen die Unterdrückung“, für den mehr als tausend Männer, Frauen und Kinder im Kampf gegen die „Wiedereinführung der Sklaverei“ mobilisiert oder rekrutiert wurden. Aus innerer Überzeugung machte sich Delgrès nun den Kampf derer zu eigen, deren Freiheit wirklich bedroht war.[5]

Am 20. Mai 1802 waren Delgrès und seine Truppen gezwungen, sich in die Festung von Basse-Terre (heute Fort Delgrès) zurückzuziehen, die sie am 22. Mai aufgeben mussten.[14] Sie suchten schließlich Zuflucht in dem Anwesen Danglemont in dem kleinen Ort Matouba, am Fuße des Vulkans Soufrière. Ihrer hoffnungslosen Lage bewusst und gemäß dem Motto „Frei leben oder sterben“ begingen dort am 22. Mai gegen 15:30 Uhr Louis Delgrès und seine 300 Gefährten Selbstmord, indem sie sich mit dem Schießpulver der Kanonen in die Luft sprengten.[10]

Weitere Entwicklung

Die Wiedereinführung der Sklaverei in Guadeloupe wurde noch am Abend des 20. Mai 1802 beschlossen (Décret du 30 Floréal An X) und am 16. August 1802 durch einen Erlass der französischen Regierung (und damit von Napoleon Bonaparte) offiziell bestätigt. Der Erlass lautet: „Die Kolonie Guadeloupe und ihre Abhängigkeiten werden wie Martinique, St. Lucia, Tobago und die östlichen Kolonien nach denselben Gesetzen regiert, die dort vor 1789 in Kraft waren“.[10] Der Code Noir wurde wieder angewandt was die Grausamkeiten der „weißen Herren“ gegenüber ihren Sklaven legitimierte.[10] Mariam Seri-Sidibe schloss: „Dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit dauerte bis zum 27. April 1848, als es von der Regierung der Dritten Republik endgültig abgeschafft wurde.“ In Guadeloupe trat die Abschaffung schließlich am 27. Mai in Kraft.[10]

Würdigung

Gedenkinschrift im Panthéon, Paris

Eine Vielzahl von Straßen sind in Frankreich nach Louis Delgrès benannt. Am 27. Mai 202 erschien in Frankreich zu seinem Gedenken eine Briefmarke (0,46 €). Im Panthéon in Paris steht eine Gedenktafel zu seinem Gedenken:

„Held des Kampfes gegen die Wiedereinführung der Sklaverei in Guadeloupe, der 1802 mit dreihundert Kämpfern in Matouba ohne Kapitulation starb. Damit die Freiheit lebe.“

Commons: Louis Delgrès – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege

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