Louis Fratino
Maler, Zeichner und Bildhauer
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Leben
Fratino wuchs in ländlicher Umgebung als eines von fünf Kindern auf. Sein Vater war im Bauwesen tätig, seine Mutter arbeitete für die Bundesregierung. Die Familie förderte handwerkliche Tätigkeiten; Fratinos Großmutter betätigte sich als Keramikerin. Bereits als Kind zeichnete er intensiv und besuchte regelmäßig Museen in Washington, D.C., wo er Werke von Künstlern wie Leonardo da Vinci studierte.[1][2]
Von 2011 bis 2015 studierte Fratino Malerei mit Schwerpunkt Illustration am Maryland Institute College of Art (MICA) in Baltimore und schloss mit dem Bachelor of Fine Arts ab. 2014 erhielt er das Yale Norfolk Painting Fellowship. Ein Fulbright-Stipendium ermöglichte ihm 2015–2016 einen Forschungsaufenthalt in Berlin, der ihm direkten Zugang zu modernistischen Meisterwerken verschaffte und seine künstlerische Entwicklung prägte, insbesondere seine Experimente mit Pastellkreide auf rohem Leinen.[3][2][1]
Fratino lebt und arbeitet in Brooklyn, New York, gemeinsam mit seinem Lebensgefährten, dem Künstler Alessandro Teoldi.[1]
Werk
Seine Werke thematisieren Intimität und Zärtlichkeit im queeren Alltag mit besonderem Fokus auf dem männlichen Körper, häuslichen Räumen und erotischen Darstellungen. Fratino verbindet Einflüsse des Modernismus mit autobiografischen Erfahrungen und schafft eine eigenständige Bildsprache, die queere Lebenswelten ohne apologetische Rechtfertigung darstellt.[4][1] Er arbeitet primär aus der Erinnerung und verbindet kubistische Raumkonstruktionen mit fauvistischer Farbgebung. Seine Werke weisen Einflüsse von Pablo Picasso, Henri Matisse, Fernand Léger und Marsden Hartley sowie italienischer Künstler wie Filippo De Pisis, Carlo Carrà und Felice Casorati auf.[5][3]
Die Bildkompositionen zeigen Liebende, Freunde und Familienmitglieder in alltäglichen Szenen mit erotischen Elementen, wobei Zärtlichkeit und Verletzlichkeit zentrale Motive darstellen. Fratino thematisiert politische Aspekte queerer Existenz auf subtile Weise, ohne explizite Agitation.[6][7][8]
Fratino arbeitet mit verschiedenen Medien, darunter Ölmalerei, Pastellkreide, Radierungen und Terrakotta-Skulpturen. Seine Werke umfassen Stillleben, Porträts und narrative Szenen aus dem queeren Leben, die Themen wie Liebe, Einsamkeit und gesellschaftliche Marginalität behandeln.[3][9]
Zu seinen wichtigen Werken zählen An Argument (2021), das Spannungen und Zärtlichkeit zwischen Liebenden thematisiert, sowie I keep my treasure in my ass (2019), eine selbstreflexive Auseinandersetzung mit queerer Identität. Fratino illustrierte zudem Gedichte des italienischen Lyrikers Sandro Penna und integriert literarische Einflüsse von Pier Paolo Pasolini und Eugenio Montale.[10][11][7][12][13]
Rezeption und Sammlungen
Fratinos Werke erzielen auf dem internationalen Kunstmarkt hohe Preise und befinden sich in bedeutenden Sammlungen, darunter das Whitney Museum of American Art, das Baltimore Museum of Art und das Centro per l'Arte Contemporanea Luigi Pecci.[3][10][1]
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen
- 2016: With everyone, Thierry Goldberg, New York[1]
- 2017: So I've got you, Thierry Goldberg, New York[3]
- 2018: Heirloom, Galerie Antoine Levi, Paris[3][14]
- 2018: Night and Day, Jeff Bailey Gallery, Hudson, New York[3]
- 2019: Come Softly to Me, Sikkema Jenkins & Co., New York[3][8]
- 2019: Nudissima, Galerie Antoine Levi, Paris[3]
- 2020: Morning, Sikkema Jenkins & Co., New York[3]
- 2022: Die bunten Tage, Galerie Neu, Berlin[3]
- 2023: In bed and abroad, Sikkema Jenkins & Co., New York[3]
- 2024–2025: Satura, Centro per l'arte contemporanea Luigi Pecci, Prato, Italien[6]
Gruppenausstellungen
- 2018: Matisse + Fratino, Cabinet Printemps, Düsseldorf[3]
- 2019: Them, Perrotin, New York[3][8]
- 2020: Good Pictures, Jeffrey Deitch Gallery, New York[3]
- 2023: In Dialogue with Picasso, Skarstedt Gallery, New York[3]
- 2024: 60. Biennale di Venezia, Stranieri Ovunque – Foreigners Everywhere[4]
Literatur
- Stefano Collicelli Cagol (Hrsg.): Louis Fratino: Satura. Mousse Publishing, Mailand 2024, ISBN 978-88-6749-656-3.
Weblinks
- Biografie auf der Website der Monica De Cardenas Gallery
- Curriculum Vitae (PDF; 0,3 MB)