Louise Bosse
österreichische Künstlerin (1878-1929)
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Leben
Aloisia Köck, wie sie vor ihrer Heirat hieß, wurde am 28. Juni 1878 in Wien als Tochter der unverheirateten Agnes Köck geboren und am Folgetag auf den Namen Aloisia getauft.[1][2] Später gab sie selbst an, ihr Vater sei in Wien als Ciseleur tätig gewesen. Über ihre künstlerische Ausbildung ist bekannt, dass sie als junge Frau die Wiener Kunstgewerbeschule besuchte.[1]
Am 17. Mai 1902 heiratete sie in Wien den aus Malchin in Mecklenburg stammenden akademischen Maler Julius Bosse (1873–1915), der sich vor allem als Porträtmaler und mit Landschaftsbildern einen Namen gemacht hatte. Aus dieser Ehe ging im November 1904 der Sohn Walter Bosse hervor, der später als Keramikkünstler und Designer bekannt wurde. Im September 1907 kam in Reichenau an der Rax die Tochter Margareta Ida Elisabeth Johanna, genannt Grete(l), zur Welt.[3] Mit ihrem Ehemann und den Kindern verbrachte Louise Bosse mehrere Malaufenthalte in Abbazia (heute Opatija, Kroatien). Der Ort auf der Halbinsel Istrien hatte sich zu einem mondänen Seebad und heilklimatischen Kurort der Donaumonarchie entwickelt. Dort entstanden zahlreiche Werke beider Künstler.

Louise Bosse ist für das Jahr 1913 als ordentliches Mitglied im Österreichischen Künstlerbund dokumentiert.[4][5] Bei der Ausstellung des Künstlerbundes, die vom 11. Dezember 1913 bis 7. Januar 1914 im renommierten Wiener Salon Pisko stattfand, war sie mit 11 Papier-Mosaiken vertreten.[6] In der Zeitschrift Die christliche Kunst wurde berichtet: „Luise Bosse […] zeigt hübsch komponierte Papiermosaikbilder, die in das Gebiet der Plakattechnik hinüberreichen.“[7]
Vor Beginn des Ersten Weltkriegs hatte die Familie erwogen, ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft nach Abbazia zu verlegen. Durch die kriegsbedingten Einschränkungen mussten sie diese Pläne jedoch aufgeben und übersiedelten stattdessen in ihr Landhaus nach Kufstein. Julius Bosse starb schon im Mai 1915 im Alter von 42 Jahren in einem Innsbrucker Krankenhaus und ließ Louise Bosse als junge Witwe mit dem zehnjährigen Sohn und der siebenjährigen Tochter zurück.
Im Frühjahr des Kriegsjahres 1917 spendete sie eines ihrer Werke für eine Lotterie zugunsten der Kriegsfürsorge. Im Herbst desselben Jahres veranstaltete das Kriegsfürsorgeamt Kufstein eine Kriegs- und Kunstausstellung, bei der Bilder von beiden Ehepartnern gezeigt wurden. In einem mehrspaltigen Artikel über die Ausstellung, die vom 26. August bis zum 9. September 1917 im Volksschulgebäude in Kufstein stattfand, würdigte der Tiroler Grenzbote auch Louise Bosses Arbeiten und schrieb:
„Luise Bosse hat ihre reizenden buntfarbigen Papiermosaikbildchen ausgestellt, die jedermanns Gefallen und Bewunderung finden und einen ganz neuen Kunstzweig darstellen.“[8]
In Kufstein ist Louise Bosse als Witwe noch 1926 gemeinsam mit ihrem Sohn Walter im Adressbuch an der Wohnadresse Schützenstraße 2 erfasst.[9] Im selben Jahr zählte sie zu den 214 Tiroler Künstlerinnen und Künstlern, die einem Aufruf des Vereins für Heimatschutz in Tirol folgten und einen zugesandten Fragebogen zu ihrem Leben und Schaffen ausgefüllt zurückschickten. Das aus diesen Angaben entstandene Werk, das heute im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck aufbewahrt wird und sich in einem schlechten Erhaltungszustand befindet, wurde dort von Ellen Hastaba transkribiert, ergänzt und 2002 neu herausgegeben.[10] Für das Buch stellte die Künstlerin damals außerdem das Foto eines Gemäldes zur Verfügung, das ihr Ehemann um 1905 geschaffen hatte und sie mit dem etwa einjährigen Sohn Walter zeigt.[1]
Louise Bosse starb am 12. Juni 1929 – zwei Wochen vor Vollendung ihres 51. Lebensjahres – an einer Gebärmutterkrebserkrankung in Kufstein und wurde am 15. Juni 1929 auf dem Hauptfriedhof beerdigt.[11] In einer kurzen Todesnotiz hieß es am 19. Juni 1929 in den Innsbrucker Nachrichten, sie sei „selbst als Künstlerin durch ihre reizvollen Scherenschnitte und Klebebilder auch in Innsbruck sehr bekannt“ gewesen.[12]
Werk

Louise Bosse machte sich als Künstlerin vor allem mit ihren Papier-Mosaiken einen Namen, die sie aus Buntpapier fertigte und in seltenen Fällen mit Aquarellmalerei kombinierte. Sie signierte ihre Bilder mit „Louise Bosse“, manchmal zusätzlich mit einer Ortsangabe wie „Louise Bosse Abbazia“ oder „Louise Bosse Kufstein“. Ihre Werke werden bis heute in Wiener Auktionshäusern gehandelt, darunter das Dorotheum und das Kunsthaus Mehlis.
Eine in Pforzheim ansässige Schmuckfirma verarbeitete Louise Bosses Collagen auch zu Schmuckstücken. Die Fachzeitschrift Die Goldschmiedekunst berichtete 1918:
„Wenn auch der Krieg auf so viele Gebiete hemmend entgegengewirkt hat, so schafft das Kunstgewerbe doch weiter und bringt neue originelle Ideen und Schöpfungen auf den Markt. Die Firma Ferdinand Weil & Cie in Pforzheim bringt […] eine weitere Neuheit heraus, sogenannte Papier-Mosaiken von der Kunstmalerin Luise Bosse, Wien. Diese Arbeiten, aus verschiedenfarbigem Papier kunstvoll zusammengesetzte Bildchen, die meist Damen in Biedermeierkleidchen oder modernen Kostümen darstellen, gefaßt als Brosche und Anhänger, sind wunderhübsche Schmuckstücke von apartem Reiz. Die Bearbeitung ist geradezu meisterhaft und man darf die Firma beglückwünschen, auf diesem Gebiete so Schönes mit begrenzten Mitteln hervorzubringen.“[13]
Die National Gallery of Australia in Canberra erwarb im Jahr 1980 eine Buntpapier-Collage von Louise Bosse, die sie um 1908 geschaffen hatte.[14] Das Werk mit den Maßen 11,2 × 9,4 cm wurde im Jahr 2000 im Rahmen der Ausstellung Secession: Modern Art and Design in Austria and Germany, 1890s–1920s unter dem englischen Titel The Woman in Black in der australischen Nationalgalerie gezeigt. Begleitend zur Ausstellung erschien ein Katalog.[15]
Werke (Auswahl)

- Trachtenpärchen. Collage auf Papier.
- Windiger Tag: Freundinnen im Park. Collage aus Buntpapieren und Aquarell auf Karton, 21 × 21 cm (Link zum Bild)
- Waldweg. Collage aus Buntpapieren, ca. 14 × 13 cm (Link zum Bild)
- Zwei elegante Spaziergängerinnen. Collage aus Buntpapieren, ca. 14 × 13 cm (Link zum Bild)
- Drei Damen im Garten
- Rast unter Birken: Frau mit Blumenstrauß auf einer Parkbank, um 1910. Collage 25,5 × 29 cm (Link zum Bild)
Literatur
- Heinrich Fuchs: Die österreichischen Maler des 19. Jahrhunderts: Ergänzungsband 1, A–K, Verlag H. Fuchs, 1978, S. K 67.
