Louise Webster

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Betty Louise Webster, bürgerlich eigentlich Betty Louise Turtle, (* 20. Mai 1941 in Adelaide; † 29. September 1990 in Paddington[1]) war eine australische Astrophysikerin. Gemeinsam mit Paul Murdin identifizierte sie den ersten klaren Kandidaten für ein Schwarzes Loch, Cygnus X-1.

Leben und Wirken

Webster studierte zu Beginn der 1960er-Jahre Physik an der University of Adelaide. Nach ihrem Bachelorabschluss studierte sie als eine der ersten Studentinnen an der Graduiertenschule des Mount-Stromlo-Observatoriums unter dessen Direktor Bart J. Bok. 1967 wurde Webster mit einer von Bengt Westerlund betreuten Arbeit über die südlichen Planetarischen Nebel zur PhD promoviert. Nach einer kurzzeitigen Anstellung an der University of Wisconsin–Madison wurde Webster wissenschaftliche Mitarbeiterin am Royal Greenwich Observatory, das zur damaligen Zeit noch im Herstmonceux Castle untergebracht war. Dort arbeitete sie zunächst unter dem Astronomer Royal Richard van der Riet Woolley und später als wissenschaftliche Mitarbeiterin zusammen mit Paul Murdin. Hauptsächlich untersuchte Webster dort die Spektren von Sternen, um ihre Geschwindigkeit zu bestimmen.

Gemeinsam mit Murdin entdeckte Webster im Sternbild Schwan eine Röntgenstrahlenquelle, über deren Ursache sie verschiedene Theorien aufstellten. Im Januar 1972 veröffentlichten Webster und Murdin in der Fachzeitschrift Nature einen Artikel mit dem Titel Cygnus X-1—a Spectroscopic Binary with a Heavy Companion ?.[2] In diesem Artikel beschreiben sie den Röntgendoppelstern Cygnus X-1 und führen am Ende aus, dass es sich nach Ausschluss anderer möglicher Ursachen hierbei um ein Schwarzes Loch handeln könnte.[3] Ihre Arbeit stieß innerhalb der Fachgemeinschaft damals nur auf geteilte Zustimmung, wobei Cygnus X-1 heutzutage als einer der wahrscheinlichsten Kandidaten für ein Schwarzes Loch gilt.[4]

1974 wurde Webster zur leitenden wissenschaftlichen Mitarbeiterin befördert. Sie arbeitete in der Folge an der südafrikanischen Zweigstelle der Sternwarte und anschließend als Inbetriebnahmebeauftragte des Anglo-Australian Telescope, wo sie als Astronomin angestellt wurde.[5] 1978 nahm Webster eine Stelle an der University of New South Wales an, wo sie maßgeblich an der Installation des Automated Patrol Telescope beteiligt war und einen Kurs für Astronomen im vierten Studienjahr einführte. 1978 heiratete sie zudem Tony Turtle, dessen Nachnamen sie fortan führte, in wissenschaftlichen Publikationen aber weiterhin ihren Geburtsnamen verwendete.

Webster erkrankte später an einer Leberkrankheit und erhielt 1986 eine der ersten Lebertransplantationen in Australien.[2] Am 29. September 1990 erlag sie in ihrem Haus in Paddington einem Krebsleiden.[2]

Nachwirken

Zu Ehren ihres Beitrags zur Astronomie wird von der australischen astronomischen Gesellschaft seit 2009 jährlich der Louise Webster Prize an herausragende Postdoktorandenforschung zu Beginn der wissenschaftlichen Karriere verliehen.[6] Über Websters Beitrag zur Entdeckung Schwarzer Löcher wurde 2024 in der ABC Science Show,[7] der Folge „Black Hole Apocalypse“ der Dokumentarsendung Nova[8] und dem populärwissenschaftlichen Sachbuch A Crack in Everything von Markus Chown berichtet.

Einzelnachweise

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