Loveless (Roman)

Jugendroman von Alice Oseman From Wikipedia, the free encyclopedia

Loveless (englisch für ‚lieblos‘ oder ‚ungeliebt‘) ist der vierte Roman der britischen Autorin Alice Oseman. Der Jugendroman erschien 2020 erstmals bei HarperCollins Children’s Books, eine deutsche Übersetzung von Vanessa Walder wurde 2022 vom Loewe Verlag veröffentlicht. Im Mittelpunkt der Handlung steht die 18-jährige Georgia Warr, die sich, obwohl sie noch nie verliebt war oder einen Schwarm hatte, nach einer Beziehung sehnt und während ihrer Zeit an der Durham University erkennt, dass sie asexuell und aromantisch ist.

Handlung

Die Handlung folgt der 18-jährigen Georgia Warr, die kurz vor Beginn ihres Studiums steht. Obwohl sie sich für romantische Geschichten begeistert, hat sie während ihrer Schulzeit weder jemanden geküsst noch eine Beziehung geführt. Am Abend des Abschlussballs ihrer Schule besucht Georgia mit ihren besten Freunden Felipa „Pip“ Quintana und Jason Farley-Shaw eine After-Prom-Party. Bei einem Spiel Wahrheit oder Pflicht gibt sie zu, keine romantischen oder sexuellen Erfahrungen gemacht zu haben. Die meisten reagieren zwar nicht offen feindselig, zeigen aber Mitleid oder Überraschung; einige verspotten sie als Jungfrau. Später sucht der Mitschüler Tommy, den Georgia seit der siebten Klasse für ihren Schwarm hielt, sie auf und entschuldigt sich für die Reaktionen der anderen. Als sich eine Gelegenheit ergibt, ihn zu küssen, verspürt Georgia plötzlich starken Ekel und stößt ihn von sich. Die Situation überfordert sie so sehr, dass sie mit Pip und Jason die Party verlässt. Sie gesteht, nie wirklich in jemanden verliebt gewesen zu sein und Tommy nur als Schwarm genannt zu haben, weil er als attraktiv galt. Zuhause bleibt sie verunsichert zurück und fürchtet, niemals romantische Gefühle entwickeln zu können.

St. John’s College der Durham University, das im Roman Georgias Wohnheim ist

Einige Wochen später beginnen die Freunde ihr Studium an der Durham University. Georgia teilt sich ihr Zimmer mit Rooney Bach, die schnell Anschluss findet und offen mit anderen Studierenden flirtet. Georgia bittet sie daher um Hilfe in Beziehungsfragen. Während der Einführungswoche wird Georgia einem Mentor zugeordnet. Diese Rolle übernimmt Sunil Jha, eine nichtbinäre Person, die sich in der Pride Society der Universität engagiert.[A 1] Georgia lernt dabei die Tradition des „College Proposal“ kennen, bei der Studierende sich „verloben“, um im folgenden Jahr gemeinsam als Mentoren tätig zu sein. Rooneys Versuche, Georgia auf Partys oder Dating-Apps zu verkuppeln, schlagen fehl, da Georgia niemanden attraktiv findet. Nachdem Rooney mit Pip flirtet, entwickelt sie Gefühle für Rooney. Am Ende der Einführungswoche besuchen die Studierenden eine Messe der Hochschulgruppen. Georgia tritt mit ihren Freunden dem Durham Student Theatre (DST) bei. Rooney ist enttäuscht darüber, dass die Shakespeare Society aufgelöst wurde.

Als Rooneys Verkupplungsversuche erfolglos bleiben, fragt sie, ob Georgia romantische Gefühle für Jason haben könnte. Georgia beginnt, das in Betracht zu ziehen, und verabredet sich mit ihm. Das Date verläuft angenehm, bleibt aber ohne Entstehen romantischer Gefühle. Parallel engagieren sich Georgia und ihre Freunde im DST. Rooney vereinbart mit dessen Vorsitz, die Shakespeare Society zu übernehmen unter der Bedingung, neben Georgia, Pip, Jason und sich selbst ein fünftes Mitglied zu finden und eine erfolgreiche Theateraufführung zu organisieren. Während der Probe zu einem Kuss aus Romeo und Julia wird Georgia unwohl. Bei einem zweiten Date mit Jason erkennt Georgia, dass, obwohl sie ihn sehr schätzt, ihre Gefühle platonischer Natur sind. Sie beginnt, ihre eigene sexuelle und romantische Orientierung infrage zu stellen, findet jedoch keine für sie passende Erklärung. Bei einer Veranstaltung der Pride Society trifft Georgia auf Sunil. Sie überzeugt ihn davon, bei der Theateraufführung zu helfen. Nachdem Georgia ihre Gefühlszweifel erwähnt, outet Sunil sich ihr gegenüber als asexuell und homoromantisch und erklärt Georgia die Begriffe Aromantik und Asexualität. Obwohl sich Georgia in den Erläuterungen wiederfindet, bleibt sie unsicher und versucht weiterhin, romantische Gefühle für Jason zu entwickeln.

Georgias Zweifel an ihrer Fähigkeit zu romantischen und sexuellen Gefühlen verschärfen sich. Während der Theaterproben fällt es ihr schwer, überzeugend romantische und körperliche Nähe darzustellen. Gespräche mit Rooney und Pip machen ihr bewusst, dass ihre eigenen Empfindungen sich deutlich von deren sexuellen Fantasien unterscheiden. Trotz dieser Unsicherheiten setzt Georgia ihre Beziehung zu Jason fort. Als es schließlich zu einem Kuss kommt, empfindet sie diesen als unangenehm. Sie erzählt Jason, dass sie von Anfang an Zweifel hatte. Dieser ist verletzt und bricht den Kontakt ab. Auch im restlichen Freundeskreis kommt es zu Spannungen. Während Rooney eigene Beziehungsängste offenbart und sich zugleich Pip annähert, verschlechtert sich Georgias Verhältnis zu ihren Freunden. Auf dem Winterball eskaliert die Situation: Als Georgia Rooney erzählt, dass sie keine Anziehung gegenüber Männern empfindet, bietet Rooney ihr einen Kuss an, um zu überprüfen, ob sie lesbisch ist. Als Pip während des Kusses hinzukommt, wirft sie beiden vor, Jason und nun sie selbst nur als Experiment behandelt zu haben, und verlässt erbost den Raum. In einem Gespräch mit Sunil spricht Georgia erstmals aus, dass sie asexuell und aromantisch ist.

Während der Weihnachtsferien besucht Georgia ihre Familie und wird mit deren Erwartungen an romantische Beziehungen konfrontiert. In einem Gespräch mit ihrer Cousine Ellis, die ebenfalls kein Interesse an einer Partnerschaft hat, findet sie Bestätigung darin, ihr eigenes Leben unabhängig von den Erwartungen anderer zu gestalten. Zurück in Durham bemüht sich Georgia, die Spannungen in ihrem Freundeskreis zu überwinden. Jason vergibt ihr nach einer Überraschungsfeier, und auch mit Pip kommt es zur Versöhnung, nachdem Georgia ihr ein College Proposal stellt. Gleichzeitig nähern sich Pip und Rooney wieder einander an. Die Theateraufführung, bei der Georgia nun nicht-romantische Rollen spielt, ist erfolgreich, wodurch die Shakespeare Society dauerhaft etabliert wird. Da die Durham University nur Wohnheimplätze für Studierende im ersten Jahr anbietet, beschließen Georgia und ihre Freunde, gemeinsam mit Sunil eine Wohngemeinschaft zu gründen. Georgia beginnt ihr zweites Studienjahr mit dem Wissen, dass sie Erfüllung und Liebe vor allem in ihren Freundschaften findet.

Entstehungsgeschichte

Alice Oseman (2025), Autorin des Romans

Laut Autorin Alice Oseman, die selbst asexuell und aromantisch ist, entstand Loveless aus dem Wunsch, eine Geschichte über platonische Liebe zu erzählen. Dieses Thema komme zwar bereits in ihren früheren Werken wie Heartstopper vor, sei dort jedoch nie das zentrale Motiv gewesen. Ihr Ziel sei es gewesen, eine Geschichte über Freundschaft in der Struktur eines Liebesromans zu schreiben.[1] Zudem habe sie mit dem Roman der geringen Repräsentation von Asexualität und Aromantik in den Medien entgegenwirken wollen. Oseman erklärte, sie habe zuvor zahlreiche Coming-out-Romane gelesen, jedoch keinen gefunden, der von einer asexuellen oder aromantischen Person handelte.[2]

Nach Osemans Angaben enthält Loveless autobiografische Elemente. Wie die Protagonistin Georgia habe sich Oseman während ihres Studiums an der Durham University aufgrund fehlender romantischer und sexueller Erfahrungen zeitweise als Außenseiterin gefühlt und an ihrer eigenen romantischen und sexuellen Orientierung gezweifelt. Die Ressourcen, die sie damals im Internet fand wie Quizze oder Darstellungen der Kinsey-Skala, seien für sie wenig hilfreich gewesen.[3]

Rezeption

Loveless erhielt überwiegend positive Rezensionen, besonders hervorgehoben wurde die gute Repräsentierung von Asexualität und Aromantik.

Kirkus Reviews merkte kritisch an, dass Figuren wie Sunil und Ellis vor allem bloß dazu dienen würden, Georgia über Asexualität und Aromantik zu informieren. Loveless sei insgesamt eine „unordentliche, unvollkommene, aber auch notwendige Darstellung einer stark unterrepräsentierten Identität“ (“A messy, imperfect, and necessary portrayal of a drastically underrepresented identity.”).[4] Zur deutschsprachigen Ausgabe schrieb Anna Vollmer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass, obwohl „Suchen und Finden der Liebe“ der zentrale Bestandteil der Young-Adult-Literatur sei, Oseman auf die meisten anderen typischen Konventionen der Young-Adult-Literatur wie „Verwirrungen und scheinbar fatale Missverständnisse, große Gesten und Versöhnung“ zugreife. Dadurch mache sie die in gesellschaftlichen Diskursen selten behandelten Asexualität und Aromantik „im besten Sinne“ einem breiten Publikum zugänglich.[5] Rolf Brockschmidt vom Tagesspiegel bezeichnet Loveless als „beeindruckende[n] Jugendroman“. Oseman schildere überzeugend Georgias Suche nach Liebe und Identität. Der Roman sei „offen und ehrlich“ geschrieben und gebe jungen Menschen „Mut, zu sich selbst zu stehen“. Er resümiert: „[Oseman] (...) zeigt großes Einfühlungsvermögen, sprachlichen Witz und ein Gefühl für Spannung und Dramatik.“[6]

Auch in anderen Medien wurde insbesondere die Repräsentation asexueller und aromantischer Figuren hervorgehoben. Ani Bundel schrieb in Paste, dass auch innerhalb der LGBTQ-Literatur weitere Repräsentation benötigt werde.[7] Joshua Littleford schrieb für Gay Times, dass er durch die Lektüre gemerkt habe, selbst auf dem aromantischen Spektrum zu sein.[8] Außerdem listete PinkNews Loveless als einen der besten Romane mit einer aromantischen Hauptfigur. In dieser Kategorie sei es womöglich der bekannteste Roman.[9]

Auszeichnungen

Alice Oseman wurde 2021 für Loveless mit dem YA Book Prize, einem Preis für den besten Jugendroman, ausgezeichnet.[1]

Verkaufszahlen

Laut BookScan wurden bis zum Mai 2021 etwa 7.200 Exemplare verkauft, wobei Verkaufszahlen aus Wochen mit COVID-19-Lockdowns im Vereinigten Königreich nicht berücksichtigt wurden.[1]

Ausgaben

Anmerkungen

  1. In der englischsprachigen Originalausgabe verwendet Sunil sowohl die Pronomen “he/him” als auch “they/them”. Da es im Deutschen keine einheitliche Entsprechung für das singularische “they” gibt, werden im Folgenden die Pronomen „er/ihm“ verwendet.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI