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Lucille Teasdale-Corti

kanadische Ärztin und Chirurgin From Wikipedia, the free encyclopedia

Lucille Teasdale-Corti CM (* 30. Januar 1929 in Montreal, Kanada; † 1. August 1996 in Besana in Brianza, Italien) war eine kanadische Medizinerin. Sie war eine der ersten Chirurginnen Kanadas und gründete das Lacor-Krankenhaus in Uganda. Sie leitete ein Ausbildungsprogramm für angehende Chirurgen an der Makerere-Universität in Kampala und bereitete auch italienische Ärzte auf ihren Einsatz in Afrika vor.[1]

Lucille Teasdale

Leben und Werk

Lucille Teasdale war das fünfte von sieben Kindern eines Lebensmittelhändlers. 1941 besuchte sie ein katholisches Gymnasium und begann medizinische Lehrbücher zu studieren. 1950 erhielt sie ein Stipendium und wurde als eine von zehn Frauen unter 110 Studenten an der medizinischen Fakultät der Universität Montreal aufgenommen. Sie schloss ihr Studium fünf Jahre später mit Auszeichnung ab und begann ein chirurgisches Praktikum im Sainte-Justine-Kinderkrankenhaus in Montreal. Während ihres Praktikums lernte sie den italienischen Arzt Piero Corti kennen, der im selben Krankenhaus seine Facharztausbildung absolvierte. Das Gesetz sah damals vor, dass ein Teil der Facharztausbildung in Chirurgie außerhalb Kanadas erfolgen musste. Teasdale bewarb sich an mehreren Krankenhäusern in den Vereinigten Staaten, wurde jedoch trotz ihrer hervorragenden Noten und ihrer ausgezeichneten Leistungen als Praktikantin abgelehnt. 1960 konnte sie nach Frankreich reisen, um ihr letztes Praktikumsjahr im Hôpital de la Conception in Marseille zu absolvieren.[2]

Chirurgin in Uganda

Lucille Teasdale trifft mit einem Flugzeug der italienischen Luftwaffe in Uganda ein

Piero Corti arbeitete im Rahmen einer UN-Mission in Norduganda und lud Lucille Teasdale ein, ihn nach dem Abschluss ihrer fachärztlichen Ausbildung für einige Monate dort zu unterstützen.[3] Sie reiste mit einem Flugzeug der italienischen Luftwaffe nach Uganda und begann ihre Zusammenarbeit mit Corti an dem 1959 von Comboni-Missionaren gegründeten St. Mary’s Hospital in Lacor, etwa fünf Kilometer westlich von Gulu.[3] Zu dieser Zeit verfügte das Krankenhaus über eine Entbindungsstation mit 40 Betten und eine Ambulanz, der Operationssaal befand sich noch im Bau. Um ihr Studium abzuschließen, kehrte Teasdale vorübergehend noch einmal nach Frankreich zurück. Nach ihrer Rückkehr nach Uganda heiratete sie am 5. Dezember 1961 Corti in der Kapelle des Krankenhauses. Von da an leitete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann das Krankenhaus und leistete über die Jahre medizinische Versorgung für Tausende von Menschen. In den ersten Jahren waren sie und ihr Ehemann die einzigen Ärzte im Krankenhaus.

Lucille Teasdale-Corti, Piero Corti, ihre Tochter Dominique und Krankenschwestern des Krankenhauses

Ihre Tochter Dominique wurde 1962 geboren. Nach dem Militärputsch von Idi Amin 1972 schickten sie ihre Tochter auf Schulen in Italien und Kenia, um ihre Sicherheit zu gewährleisten und ihr eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Während der Ferien kehrte Dominique dreimal im Jahr nach Uganda zurück.[4]

Teasdale-Corti bei der Arbeit

1967 führte Teasdale-Corti 554 größere Operationen im Krankenhaus durch, trotz unzureichender und unzuverlässiger Wasser- und Stromversorgung, weniger verschreibungspflichtiger Medikamente und ohne Telefon. Anfang der 1970er Jahre befand sich Uganda im Bürgerkrieg. Rebellengruppen griffen wahllos an, attackierten dabei mitunter auch das Krankenhauspersonal und die Arbeit wurde zunehmend gefährlicher. Teasdale-Corti musste mehrmals verletzte Soldaten oder Rebellenkämpfer operieren. Sie verletzte sich dabei oft selbst, und wahrscheinlich hat sie sich so Anfang der 1980er Jahre mit HIV infiziert.

Trotz der Turbulenzen um sie herum konnten sie und ihr Ehemann das Krankenhaus auf 482 Betten ausbauen, drei Gesundheitszentren in nahegelegenen Dörfern eröffnen, ein Ausbildungsprogramm für Gesundheitspersonal einrichten, Labortechniker ausbilden und eine Krankenpflegeschule eröffnen. Das italienische Außenministerium leistete dem Krankenhaus Hilfe, unter anderem durch die Bereitstellung von Spezialisten und Ausrüstung, sodass sie in der Lage war, neue Ärzte auszubilden, als das ugandische Gesundheitsministerium das Krankenhaus als Ausbildungszentrum für Praktikanten anerkannte. Im Laufe der Jahre führte Teasdale-Corti mehr als 13.000 Operationen durch. Zusammen mit ihrem Ehemann gründete sie ein Kinderkrankenhaus für Leprakranke, in dem die Kinder Schulbildung und kontinuierliche Betreuung erhalten konnten.[5]

1982 trat AIDS im Krankenhaus immer häufiger auf und auch bei Teasdale-Corti traten die ersten Symptome auf. 1985 reiste sie nach Italien, wo Tests verfügbar waren, und wurde positiv auf HIV getestet. Ihr wurden noch zwei Jahre Lebenszeit gegeben.

1995 gründeten Lucille Teasdale-Corti und ihr Ehemann die Lucille-Teasdale-und-Piero-Corti-Stiftung in Mailand und Montreal, um den Fortbestand des Krankenhauses zu sichern. Ihre Tochter, die ebenfalls Ärztin geworden ist, leitet die Stiftung in Mailand.

Nach elf Jahren Leben mit HIV/AIDS starb Teasdale-Corti 1996 im Alter von 67 Jahren in Italien. Sie wurde auf dem Gelände des Krankenhauses in Uganda beigesetzt. Ihr Ehemann starb acht Jahre später im Alter von 78 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er ist neben seiner Frau begraben.[6]

Der Teasdale-Corti Humanitarian Award würdigt kanadische Ärzte, die bei der Gesundheitsversorgung oder im Rettungsdienst über die üblichen Standards hinausgehen und sich dabei unter Umständen persönlichen Risiken aussetzen.[7] 1999 wurde der Parc Lucille-Teasdale in Montreal ihr zu Ehren benannt.[8]

Ein Wandgemälde zum Gedenken an Lucille Teasdale, Piero Corti und Matthew Lukwiya auf dem Krankenhausgelände

Ehrungen und Auszeichnungen (Auswahl)

Literatur

  • Deborah Cowley: Lucille Teasdale: Doctor Courage. Montreal, XYZ, 2007.
  • Fondazione Piero et Lucille Corti/Teasdale-Corti Foundation: To Make a Dream Come True: Letters from Lacor Hospital, 1961 – 2003. Bergamo, Corponove, 2009.
  • Michel Arseneault: Un rêve pour la vie: Lucille Teasdale et Piero Corti (French Edition). Montreal, Libre Expression, 2011, ISBN 978-2764807033.

Einzelnachweise

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