Lucio Massari
italienischer Maler
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Lucio Massari (* 22. Januar 1569 in Bologna; † 3. November 1633 ebenda) war ein italienischer Maler.

Leben


Er war Schüler von Bartolomeo Passarotti und übernahm zunächst dessen manieristischen Stil. Später orientierte er sich jedoch auch am Klassizisten Bartolomeo Cesi. Nach Passarottis Tod im Jahr 1592 trat er in Bologna der Accademia degli Incamminati der Carracci bei. Dort wurde er von der präzisen Behandlung von Raum und Formen durch Annibale Carracci beeinflusst. Dies ist besonders in seinem 1600 entstandenen Fresko Christus am Kreuz im Oratorium San Colombano in Bologna zu sehen, das sich durch eine kompositorische Klarheit im Stil des Neo-Quattrocento auszeichnet. Das 1603 entstandene Altarbild Madonna und Heilige in der Bologneser Kirche Santa Maria dei Poveri nimmt dagegen ausdrücklich Bezug auf Raffael.
Im Jahr 1604 gehörte er zu den Mitarbeitern von Lodovico Carracci bei der Ausschmückung des Kreuzgangs von San Michele in Bosco in Bologna. Er passte sich dem strengeren Stil Ludovicos an.
Die Heimsuchung in der Kirche Santa Cristina in Bologna stammt aus dem Jahr 1607 und ist von Annibale inspiriert. Im selben Jahr arbeitete er mit Lionello Spada und Francesco Brizio an der Ausschmückung des Palazzo Bonfioli mit Fresken zur römischen Geschichte sowie des Oratoriums der Dreifaltigkeit in Pieve di Cento.
Um 1610 war er in Rom, wo ihn die Begegnung mit Domenichino dazu veranlasste, klassisch komponierte Werke mit klarer räumlicher Gestaltung zu schaffen. Beispiele hierfür sind der Triumph Davids in der Galleria Pallavicini in Rom und die Ausschmückung der Reliquienkapelle der Certosa del Galluzzo bei Florenz. Dort vollendete er 1612 die 1597 von Bernardino Poccetti unvollendet gelassenen Fresken. Sein Martyrium des Heiligen Laurentius erinnert an die Geschichte des Heiligen Nilus von Domenichino in der Abtei San Nilo in Grottaferrata, während die Ermordung der Unschuldigen auf das gleichnamige berühmte Werk von Guido Reni zurückgeht.
Ab 1614 lebt er wieder in Bologna und komponiert unter anderem Die Rückkehr des verlorenen Sohnes für die Pinacoteca Nazionale di Bologna, die Madonna mit Kind und Heiligen für die Servitenkirche in Rimini, das Noli me tangere für die Kirche dei Celestini in Bologna sowie die Madonna und Heiligen für die Kirche San Benedetto. Mit dem Heiligen Gaetano in der Kirche San Bartolomeo im Jahr 1630 zeigt er seine Zugehörigkeit zu einem zurückhaltenden und schlichten Klassizismus.
Weitere Werke
- Tod des Heiligen Josef, San Giovanni Battista, Trebbo di Reno
- Heilige Familie, Uffizien, Florenz
- Ammone und Tamara, ca. 1615, Gemäldegalerie der Prager Burg, Prag
- Grablegung, Museum of Fine Arts, Boston
- Die reuige Magdalena, Museo Civico, Carpi
- Kreuzigung und Heilige, San Pietro, Cento
- Dominikanerheiliger, zugeschrieben, Louvre, Paris
- Teich von Bethesda (Probatica piscina), Pinacoteca Capitolina, Rom
- Der Heilige Lukas, Chiesa dei Cappuccini, Rom
- Kontroverse um den Heiligen Cyrill, Oratorio di San Martino, Bologna
- Die Heilige Margareta im kochenden Wasser, (1619–1620, Öl auf Leinwand), San Maurizio, Mantua
- Der gekreuzigte Christus mit der Madonna, dem Hl. Johannes dem Evangelisten, dem Hl. Franz von Assisi, der Hl. Maria Magdalena, dem Hl. Karl Borromäus und Johannes dem Täufer (um 1610–1620), Öl auf Leinwand, ca. 230 × 145 cm, Cento, San Pietro
- Jungfrau Maria und der Heilige Josef, Forlì, Cattedrale di Santa Croce
- Dreifaltigkeit, Pieve di Cento, Santissima Trinità.
- Der Heilige Hieronymus im Gebet, 1600–1633, Modena, Museo Civico
- Der Auferstandene und Maria Magdalena, Bologna, San Giovanni Battista dei Celestini
Literatur
- Simona Dolari: MASSARI, Lucio. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 71: Marsilli–Massimino da Salerno. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2008.
- Massari Lucio. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 24: Mandere–Möhl. E. A. Seemann, Leipzig 1930, S. 217–218 (biblos.pk.edu.pl).
- C. Volpe: Lucio Massari. In: Paragone. Nr. 71, 1955, S. 3–18 (englisch).
- Maestri della Pittura del Seicento Emiliano. Ausstellungskatalog. Bologna 1959, S. 84–90 (englisch).
- Carlo Cesare Malvasia: Felsina pittrice. Vite de' pittori bolognesi. vol. I. l'Erede di Domenico Barbieri, Bologna 1678, Di Lucio Massari e di Antonio Randa, Fra Buonaventura Bisi, Leonardo Ferrari e Sebastiano Brunetti suoi discepoli, S. 551–561 (englisch, archive.org).
Weblinks
- Massari, Lucio. In: Enciclopedia on line. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom.
- Il quadro di Lucio Massari (1569-1633). Archiviert vom am 7. September 2014; abgerufen am 14. Januar 2026 (italienisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Massari, Lucio |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Maler |
| GEBURTSDATUM | 22. Januar 1569 |
| GEBURTSORT | Bologna |
| STERBEDATUM | 3. November 1633 |
| STERBEORT | Bologna |