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Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft

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Das Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft ist ein Institut für Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Europäischen Ethnologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Es gehört zur Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät dieser Hochschule.[1]

Geschichte

Gegründet wurde das Ludwig-Uhland-Institut im Jahre 1933 von dem Tübinger Professor für Germanistik und Volkskunde, Gustav Bebermeyer (1890–1975), als „Institut für deutsche Volkskunde“.[2] Bebermeyer war seit diesem Jahr Ordinarius an der Tübinger Universität und ihr Gleichstellungskommissar. Er gab dieser von ihm geleiteten Einrichtung eine stark nationalsozialistische Prägung. Untergebracht wurde das Institut auf dem Schloss Hohentübingen im sog. Haspelturm, wo es sich auch heute noch befindet. Die Inneneinrichtung wurde besonders aufwändig gestaltet, hierzu gehörten eigens angefertigte Hausmodelle und besonders ornamentierte Türen mit Schnitzarbeiten und Ummalungen mit thematischem Schwerpunkt im Bereich der aus Westfalen bekannten Häusern.

Mit der ab 1960 erfolgten neuen Leitung des Instituts durch den Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger (1926–2021) erhielt diese Einrichtung eine ganz neue und für Deutschland wohl einzigartige Prägung. Bausinger führte den neuen Begriff „Empirische Kulturwissenschaft“ (EKW) ein und das Institut wurde 1971 mit Bezug auf den berühmten württembergischen Dichter, Politiker und Hochschullehrer Ludwig Uhland (1787–1862) in „Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft“ umbenannt. Die langjährige Prägung dieses Instituts erfuhr es durch die Arbeit Hermann Bausingers, der 1992 emeritiert wurde, und der dort seither tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu diesen gehörten in den ersten Jahrzehnten u. a. Utz Jeggle, Wolfgang Kaschuba, Gottfried Korff, Martin Scharfe und Bernd Jürgen Warneken.

Einrichtungen und Schwerpunkte des Instituts

Der Dialektforscher Arno Ruoff (1930–2010) begründete in den 1950er Jahren im Rahmen des Instituts die „Tübinger Arbeitsstelle für Sprache in Südwestdeutschland“.[3] Diese hat seither, zuletzt unter der Leitung von Hubert Klausmann, eine äußerst umfangreiche Sammlung und Forschungsarbeit zur Dialektforschung hervorgebracht

Im „Archiv der Alltagskultur“ befinden sich zahlreiche Sachobjekte bis hin zu Audio-Materialien und visuellen Medien, die der Lehre und Forschung des Instituts dienen.[4]

Zu dem im Haspelturm des Schlosses Hohentübingen und in der sog. Kalten Herberge genannten Räumlichkeit untergebrachten „LUI“ gehört eine umfangreiche Institutsbibliothek. Seit Jahrzehnten werden in einem eigenen Verlag (unter der Herausgeberschaft der „Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V.“) seit Beginn der 1960er Jahre zahlreiche Veröffentlichungen herausgebracht, wie die Schriftenreihe „Untersuchungen“ oder das von 1970 bis 2015 erschienene „Tübinger Korrespondenzblatt“.

Literatur

  • Sabine Besenfelder: „Staatsnotwendige Wissenschaft“. Die Tübinger Volkskunde in den 1930er und 1940er Jahren (= Untersuchungen, Bd. 94). Tübinger Vereinigung für Volkskunde, Tübingen 2002, ISBN 3-932512-17-0 (Volltext).
  • Sabine Besenfelder: Schloss Hohentübingen: Haspelturm / Naziornamentik im Haspelturm. In: Ulrich Köpf u. a. (Hrsg.): „Brunnen des Lebens“ - Orte der Wissenschaft. Ein Rundgang durch 525 Jahre Universität Tübingen. Verlag Schwäbisches Tagblatt, Tübingen 2002, S. 122f., ISBN 3-928011-48-0.
  • Karin Bürkert/Reinhard Johler (Hrsg.): „Die Umbenennungsfrage ist damit entschieden“. 19. Mai 1971, Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft (= Schriften des Museums der Universität Tübingen, MUT, Bd. 21). Tübingen 2021, ISBN 978-3-9821339-7-3 (mit zahlreichen Aufsätzen zur Geschichte des Instituts).
  • Reinhard Johler/Bernhard Tschofen (Hrsg.): Empirische Kulturwissenschaft. Eine Tübinger Enzyklopädie. Der Reader des Ludwig-Uhland-Instituts (= Untersuchungen, Bd. 100). Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., Tübingen 2008, ISBN 3-932512-47-2.
  • Hubert Klausmann: Gespräche - Arno-Ruoff-Archiv. In: Ernst Seidl (Hrsg.): Museen + Sammlungen der Universität Tübingen (= Schriften des Museums der Universität Tübingen MUT, Bd. 14). Tübingen 2016, S. 200–203, ISBN 978-3-9817947-4-8.
  • Gudrun M. König (Hrsg.): Anschauungsmaterial. Fachgeschichte als Sachgeschichte. Tübinger Vereinigung für Volkskunde 2007, ISBN 3-932512-46-4 (mit mehreren Beiträgen über die Sammlungen des LUI).
  • Sabine Müller-Brem: Alltagskultur - Sammlung der Empirischen Kulturwissenschaft. In: Ebd., S. 174–179.

Einzelnachweise

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