Ludwig Lugmeier

deutscher Schriftsteller und Bankräuber From Wikipedia, the free encyclopedia

Ludwig Lugmeier (* 31. Juli 1949 in Kochel am See in Oberbayern; † 9. März 2026 in Berlin[1]) war ein deutscher Schriftsteller und Bankräuber.

Ludwig Lugmeier erzählt und liest aus seinem Faktenroman Die Leben des Käpt’n Bilbo (2018)

Leben

Aufgewachsen als Sohn eines Maurers im Nachkriegsdeutschland und angeregt durch Piratengeschichten, Filme und Bücher (wie beispielsweise die Abenteuergeschichten von B. Traven) entschloss sich Lugmeier bereits als Kind den Lebenslauf eines Gangsters einzuschlagen. Mit 14 Jahren begann er auf Drängen seines Vaters ebenfalls eine Maurerlehre, verübte aber bereits zu dieser Zeit kleinere Einbrüche, die ihm eine Jugendstrafe von 10 Monaten einbrachten.

Er floh aus der Jugendstrafanstalt, fuhr als Anhalter nach Italien und versuchte vergeblich, in Palermo bei der Mafia anzuheuern. Nach seiner Rückkehr in die Heimat kam er bei einem Zirkus als Bärendompteur unter, wurde jedoch bald wieder von der Polizei aufgegriffen. Zu diesem Zeitpunkt begann er im Gefängnis mit ersten Schreibversuchen. Nach seiner Haftentlassung heuerte er 1967 auf einem Schiff nach Nordafrika an. Er strandete in Takoradi, wurde dort aber ausgewiesen und gelangte über Istanbul nach Afghanistan, wo er beim Versuch, eine Karriere als Heroinschmuggler zu beginnen, scheiterte. Zurück in Deutschland wurde er in München nach dem Diebstahl einer Madonnenfigur aus einer Kirche erneut verurteilt und geriet in das Umfeld von Hans Georg Rammelmayr, der 1971 – anders als sein Partner Dimitri Todorov – bei der ersten großen Geiselnahme in der Bundesrepublik erschossen wurde.

Zur Zeit der Geiselnahme von München während der Olympischen Spiele 1972 gelang ihm mit seinen Komplizen ein Überfall auf einen Geldtransporter in München. Es folgte eine Flucht durch ganz Europa und ein erneuter aufsehenerregender Raubüberfall auf einen Geldtransport der Landeszentralbank in Frankfurt am Main. Sein Weg führte ihn nach Mexiko, wo er 1974 von Reportern des Stern ausfindig gemacht wurde. Dies führte zu seiner Verhaftung und der Auslieferung nach Deutschland. Im Oktober 1975 begann in Frankfurt der Prozess gegen ihn und seinen Komplizen Gerhard Linden.[2] Am 4. Februar 1976 gelang Lugmeier während seiner Gerichtsverhandlung die spektakuläre Flucht durch ein offenes Fenster des Gerichtsgebäudes.[3] Er baute sich mit dem geraubten Geld unter dem Namen John Michael Waller eine Existenz auf. Von England gelangte er über die Bahamas und Rio de Janeiro nach Reykjavík, wo er erneut verhaftet wurde.

Während seiner Haft von 1977 bis 1989 begann er, ernsthaft als Autor tätig zu werden. Es entstehen Tagebücher, Porträts seiner Mithäftlinge, Gedichte und Geschichten. Zuletzt lebte er als Schriftsteller, Radio-Essayist und Märchenerzähler in Berlin.[4] Nachdem er genügend Abstand zu seinen Abenteuern gewonnen hatte, vereinte er 2005 in seiner Autobiographie literarisch „die zwei Bilder, die von mir in der Öffentlichkeit existieren – Gangster und Schriftsteller …“.

2009 erwarb Imbissfilm die Rechte an der Geschichte, um einen Kinofilm zu produzieren.

In seinem 2017 veröffentlichten „Faktenroman“ Das Leben des Käpt’n Bilbo behandelte er die Lebensgeschichte des als Hugo Cyrill Kulp Baruch 1907 in Berlin geborenen und 1967 dort gestorbenen Jack Bilbo. Der aus wohlhabendem jüdischen Elternhaus stammende Bilbo schlug sich unter wechselnden Identitäten und fiktiven Rollen durchs Leben. Er war zu seiner Zeit ein gefeierter Schriftsteller, provokativer Maler, Galerist und Kneipier. Bilbo war unter anderen mit Kurt Schwitters, Max Schmeling und Henry Miller befreundet.

Auch im Feuilleton von Tagesmedien meldete Lugmeier sich zu Wort, so in der linken jungen Welt[5] oder in der taz.

Werke

Schriften

Hörspiele und Features

  • 2006: Einundzwanzig Schuss Salut für Käpt’n Bilbo – Die Geschichte des Hugo Cyrill Kulp Baruch – Regie: Jürgen Dluzniwski (FeatureMDR)

Hörbuch

  • Der Mann der aus dem Fenster sprang. (Gelesen vom Autor. Musik Torsten Papenheim.) Kunstmann, München 2005, ISBN 3-88897-410-0.

Einzelnachweise

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