Ludwig Lugmeier
deutscher Schriftsteller und Bankräuber
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Ludwig Lugmeier (* 31. Juli 1949 in Kochel am See in Oberbayern; † 9. März 2026 in Berlin[1]) war ein deutscher Schriftsteller und Bankräuber.

Leben
Aufgewachsen als Sohn eines Maurers im Nachkriegsdeutschland und angeregt durch Piratengeschichten, Filme und Bücher (wie beispielsweise die Abenteuergeschichten von B. Traven) entschloss sich Lugmeier bereits als Kind den Lebenslauf eines Gangsters einzuschlagen. Mit 14 Jahren begann er auf Drängen seines Vaters ebenfalls eine Maurerlehre, verübte aber bereits zu dieser Zeit kleinere Einbrüche, die ihm eine Jugendstrafe von 10 Monaten einbrachten.
Er floh aus der Jugendstrafanstalt, fuhr als Anhalter nach Italien und versuchte vergeblich, in Palermo bei der Mafia anzuheuern. Nach seiner Rückkehr in die Heimat kam er bei einem Zirkus als Bärendompteur unter, wurde jedoch bald wieder von der Polizei aufgegriffen. Zu diesem Zeitpunkt begann er im Gefängnis mit ersten Schreibversuchen. Nach seiner Haftentlassung heuerte er 1967 auf einem Schiff nach Nordafrika an. Er strandete in Takoradi, wurde dort aber ausgewiesen und gelangte über Istanbul nach Afghanistan, wo er beim Versuch, eine Karriere als Heroinschmuggler zu beginnen, scheiterte. Zurück in Deutschland wurde er in München nach dem Diebstahl einer Madonnenfigur aus einer Kirche erneut verurteilt und geriet in das Umfeld von Hans Georg Rammelmayr, der 1971 – anders als sein Partner Dimitri Todorov – bei der ersten großen Geiselnahme in der Bundesrepublik erschossen wurde.
Zur Zeit der Geiselnahme von München während der Olympischen Spiele 1972 gelang ihm mit seinen Komplizen ein Überfall auf einen Geldtransporter in München. Es folgte eine Flucht durch ganz Europa und ein erneuter aufsehenerregender Raubüberfall auf einen Geldtransport der Landeszentralbank in Frankfurt am Main. Sein Weg führte ihn nach Mexiko, wo er 1974 von Reportern des Stern ausfindig gemacht wurde. Dies führte zu seiner Verhaftung und der Auslieferung nach Deutschland. Im Oktober 1975 begann in Frankfurt der Prozess gegen ihn und seinen Komplizen Gerhard Linden.[2] Am 4. Februar 1976 gelang Lugmeier während seiner Gerichtsverhandlung die spektakuläre Flucht durch ein offenes Fenster des Gerichtsgebäudes.[3] Er baute sich mit dem geraubten Geld unter dem Namen John Michael Waller eine Existenz auf. Von England gelangte er über die Bahamas und Rio de Janeiro nach Reykjavík, wo er erneut verhaftet wurde.
Während seiner Haft von 1977 bis 1989 begann er, ernsthaft als Autor tätig zu werden. Es entstehen Tagebücher, Porträts seiner Mithäftlinge, Gedichte und Geschichten. Zuletzt lebte er als Schriftsteller, Radio-Essayist und Märchenerzähler in Berlin.[4] Nachdem er genügend Abstand zu seinen Abenteuern gewonnen hatte, vereinte er 2005 in seiner Autobiographie literarisch „die zwei Bilder, die von mir in der Öffentlichkeit existieren – Gangster und Schriftsteller …“.
2009 erwarb Imbissfilm die Rechte an der Geschichte, um einen Kinofilm zu produzieren.
In seinem 2017 veröffentlichten „Faktenroman“ Das Leben des Käpt’n Bilbo behandelte er die Lebensgeschichte des als Hugo Cyrill Kulp Baruch 1907 in Berlin geborenen und 1967 dort gestorbenen Jack Bilbo. Der aus wohlhabendem jüdischen Elternhaus stammende Bilbo schlug sich unter wechselnden Identitäten und fiktiven Rollen durchs Leben. Er war zu seiner Zeit ein gefeierter Schriftsteller, provokativer Maler, Galerist und Kneipier. Bilbo war unter anderen mit Kurt Schwitters, Max Schmeling und Henry Miller befreundet.
Auch im Feuilleton von Tagesmedien meldete Lugmeier sich zu Wort, so in der linken jungen Welt[5] oder in der taz.
Werke
Schriften
- Flickstellen. Mink, Speyer 1988, ISBN 3-923034-02-4.
- Wo der Hund begraben ist. Stroemfeld / Roter Stern, Basel 1992, ISBN 3-87877-407-9.
- i. Ackerpresse, Berlin 1998[6]
- Der Mann der aus dem Fenster sprang. Kunstmann, München 2005, ISBN 3-88897-410-0.
- Neu erschienen als Taschenbuch bei: Heyne, München 2008, ISBN 978-3-453-81059-4.
- Die Leben des Käpt’n Bilbo. Faktenroman. Verbrecher Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-95732-279-1.
Hörspiele und Features
Hörbuch
- Der Mann der aus dem Fenster sprang. (Gelesen vom Autor. Musik Torsten Papenheim.) Kunstmann, München 2005, ISBN 3-88897-410-0.
Weblinks
- Literatur von und über Ludwig Lugmeier im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- „Ich sehnte mich nach Kampf.“ Interview in netzeitung vom 14. Dezember 2005 ( vom 23. Dezember 2005 im Internet Archive)
- „Der Dieb muss den Schlaf seines Opfers behüten.“ zweiter Teil des Interviews in netzeitung vom 15. Dezember 2005 ( vom 2. Juni 2013 im Internet Archive)