Ludwig Pauli (Archäologe)

(1944-1994) Archäologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Ludwig Pauli (* 18. März 1944 in Hof (Saale); † 12. Juli 1994 in München)[1] war ein deutscher Prähistoriker und Keltologe, der vor allem durch seine Forschungen zur Eisenzeit, zur keltischen Kultur und zur Archäologie des Alpenraums bekannt wurde.

Leben

Ludwig Pauli machte 1963 am Gymnasium Fridericianum in Erlangen Abitur. 1969 wurde er an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Dissertation Studien zur Golasecca-Kultur promoviert. Die Dissertation erschien 1971 als 19. Ergänzungsheft der Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Römische Abteilung.[2] Ludwig Pauli galt als einer der originellsten Denker auf dem Gebiet der jüngeren europäischen Vorgeschichte.[3][4] Er verstand es, archäologische Forschung sowohl für das Fachpublikum als auch für eine breite Öffentlichkeit aufzubereiten.

Wissenschaftliches Werk

Der Forschungsschwerpunkt von Ludwig Pauli lag auf der Eisenzeit Mitteleuropas, insbesondere auf dem keltischen Bestattungswesen, dem Volksglauben[5] sowie auf Handels- und Salzwegen im vorgeschichtlichen Europa.[6] Bis zu seinem Lebensende war er in München tätig, an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften – Kommission zur archäologischen Erforschung des spätrömischen Raetien.

In seiner Studie Untersuchungen zur Späthallstattkultur in Nordwürttemberg (1972) war Pauli der Erste, der auf Grundlage der hochrangigen Frauenbestattungen von Vix (Frankreich) und Hohmichele (Deutschland) die Möglichkeit matrilinearer Gesellschaftsstrukturen in der früheisenzeitlichen Gesellschaft Mitteleuropas in Betracht zog.[7] In seinem Werk Keltischer Volksglaube (1975)[5] untersuchte Pauli eisenzeitliche Sonderbestattungen und interpretierte ungewöhnliche Grabbeigaben und atypische Körperpositionen als Ausdruck gesellschaftlicher Vorstellungen gegenüber bestimmten Todesumständen. Zum Beispiel wurden bei der Beerdigung von verstorbenen Schwangeren, wegen des unklaren ontologischen Status, ob es sich um eine oder zwei Personen handelt, besondere Vorsicht geleistet und spezielle Rituale durchgeführt.[8]

Der Dürrnberg bei Hallein (1972–1995)

Einen zentralen Platz in Paulis Forschung nahm der hallstatt- und latènezeitliche Fundort Dürrnberg bei Hallein (Salzburg) ein, einer der bedeutendsten keltischen Fundplätze Mitteleuropas. In Zusammenarbeit mit Ernst Penninger und Fritz Moosleitner war er Mitautor des mehrbändigen Grundlagenwerks Der Dürrnberg bei Hallein, das in den von Joachim Werner herausgegebenen Münchner Beiträgen zur Vor- und Frühgeschichte erschien:

- Katalog der Grabfunde aus der Hallstatt- und Latènezeit: 1. Teil[9] und 2. Teil[10]

- Auswertung der Grabfunde: 1. Teil[11] und 2. Teil[12]

- Die Siedlung auf dem Ramsaukopf[13]

Die Gräber vom Salzberg zu Hallstatt (1975)

In 1975 erschien Paulis Studie Die Gräber vom Salzberg zu Hallstatt. Erforschung – Überlieferung – Auswertbarkeit, die sich mit dem namensgebenden Fundort der Hallstattkultur auseinandersetzte und die Erforschungsgeschichte dieses bedeutenden Gräberfeldes kritisch beleuchtete.[14]

Die Kelten in Mitteleuropa (1980)

Pauli war maßgeblich an der Konzeption und Realisierung der Salzburger Landesausstellung Die Kelten in Mitteleuropa. Kultur – Kunst – Wirtschaft beteiligt, die vom 1. Mai bis 30. September 1980 im Keltenmuseum Hallein stattfand. Er bearbeitete den umfangreichen Ausstellungskatalog und verfasste darin unter anderem den Abschnitt Der Dürrnberg und die keltische Welt. Der Katalog erlebte mehrere Auflagen (61.–75. Tausend).[15]

Die Alpen in Frühzeit und Mittelalter (1980)

Paulis wohl bekanntestes und breitenwirksamstes Werk war Die Alpen in Frühzeit und Mittelalter. Die archäologische Entdeckung einer Kulturlandschaft,[6] das 1980 im C. H. Beck Verlag in München erschien. Es wurde Joachim Werner zum 70. Geburtstag (23. Dezember 1979) gewidmet. Das Werk entwirft eine umfassende archäologische Geschichte des Alpenraums, von den ersten Menschen der Altsteinzeit an der Côte d’Azur bis zur Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom, und richtet sich gleichermaßen an Fachleute wie an ein breites Publikum. 1984 erschien eine englische Übersetzung unter dem Titel The Alps: Archaeology and Early History im Verlag Thames and Hudson (London), übersetzt von Eric Peters.[16]

Literatur

Einzelnachweise

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