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Luise Deicher

württembergische/deutsche Malerin und Grafikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Luise Deicher (* 6. April 1891 als Marie Luise in Waiblingen; † 22. November 1973 in Stuttgart)[1] war eine deutsche Malerin.

Leben und Wirken

Luise Deicher war die Tochter von August Deicher und Sofie Luise geb. Ulmer. Ihr Vater hatte in München Ingenieurwissenschaften studiert und war beteiligt am Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie in Amerika. Er hatte im Amerikanischen Bürgerkrieg mitgekämpft und war amerikanischer Staatsbürger. 1880 kehrte er als wohlhabender Mann nach Deutschland zurück und gründete mit der 36 Jahre jüngeren Sofie Luise eine Familie. Sie bekamen sechs Kinder. Ein Bruder von Luise ertrank, als Luise 12 Jahre alt war. Ein zweiter Bruder nahm sich drei Jahre später das Leben, weil er sich schuldig für den Tod des Bruders fühlte.[2]

Bereits in der Schule deutete sich Luises zeichnerisches Talent an und ihr Zeichenlehrer empfahl den Eltern den Besuch an der Stuttgarter Königlichen Akademie der bildenden Künste. Ihr Vater war aufgeschlossen und erteilte die Erlaubnis zur künstlerischen Ausbildung. Luise Deicher begann 1908 ihr Kunststudium an der Stuttgarter Kunstakademie und erhielt nach dem Grundstudium Unterricht bei Gustav Igler. Von 1910 bis 1913 war sie in der Klasse von Adolf Hölzel, danach war sie bis 1917 Meisterschülerin von dessen Nachfolger Heinrich Altherr.

In Stuttgart richtete sie sich ein Atelier ein und unterrichtete dort auch. Ihre Arbeiten waren auf regionalen und überregionalen Werkschauen zu sehen und 1914 bekam sie die Silbermedaille der Akademie Stuttgart für hervorragende Leistungen. Sie fertigte Entwürfe für Glasbilder und Wandbilder an, malte Stillleben und Porträts. Sie bereiste Europa mit ihrem Freund Hermann Dreifus, der sich 1941 das Leben nahm, um seiner Deportation zu entgehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sie mit ihrem Bruder Karl in das Großbottwartal und malte viele Porträts.[2]

Von 1913 bis 1931 war Deicher Mitglied im Württembergischen Malerinnenverein. Sie trat 1960 wieder in den Nachfolgeverein Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs ein und war dort bis 1968. Von 1917 bis 1973 war sie Mitglied im Verband Bildender Künstler Württemberg, von 1915 bis 1927 im Frauenkunstverband, seit 1913 im Württembergischen Kunstverein Stuttgart und im Künstlerbund Stuttgart.[1] In der Zeit des Nationalsozialismus war sie obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste.

Luise Deicher wurde im Familiengrab in Waiblingen beigesetzt.[2]

Luise Deicher: Hirte, ohne Jahr / Kunstmuseum Stuttgart
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(Bitte Urheberrechte beachten)

Werke (Auswahl)

  • Mutter mit Kind (Öl, 1914)
  • Stillleben mit Teekanne (Öl, 1914)
  • Atelier-Interieur der Künstlerin (Öl, 1921)
  • Akte (Kohle auf Papier, 1921)
  • Kreuzwertheim (Öl, 1924)
  • Blumenstillleben mit einer Obstschale (Öl, um 1927)
  • Blumenstilleben (Öl, 1925–1930)
  • Portrait of a Girl (1930)
  • Adam und Eva unter dem Baum der Erkenntnis (Öl)
  • Porträt von Karl Deicher (Öl, 1965)

Ausstellungen (unvollständig)

Gruppenausstellung

  • 1924, 1926: Teilnahme an den Ausstellungen der Stuttgarter Sezession
  • 1934: München, Neue Pinakothek („Süddeutsche Kunst in München“)

Einzelausstellungen

  • 1941: mit E. Waaser bei Hermann Metzger in Bad Cannstatt
  • 1966: Geburtstagsretrospektive in Backnang
  • 1971: Geburtstagsretrospektive in Waiblingen
  • 2020: Virtuelle Ausstellung (Stadt Waiblingen)

Literatur

  • Willy Oskar Dressler: Dresslers Kunsthandbuch. Bildende Kunst: das Buch der lebenden deutschen Künstler, Altertumsforscher, Kunstgelehrten und Kunstschriftsteller. 1930, ISSN 2699-8181.
  • Deicher, Luise. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 1: A–D. E. A. Seemann, Leipzig 1953, S. 533 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
  • Luise Deicher. In: Hans-Dieter Mück: Stuttgarter Sezession – Ausstellungen 1923–1932, 1947. Unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Lothar Späth. Hrsg.: Städtische Galerie Böblingen, Galerie Schlichtenmaier Grafenau. Band 1. Grafik Druck GmbH Stuttgart, Stuttgart 1987, ISBN 3-89298-009-8, S. 119.
  • Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus: Malerei der verschollenen Generation. Hirmer, Berlin 1994, ISBN 3-7774-6420-1, S. 359.
  • Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Zur Geschichte der Württembergischen Malerinnenvereins und des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Band 81/I). Band I. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-94192-4, S. 153–164.
  • Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Zur Geschichte der Württembergischen Malerinnenvereins und des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Band 81/II). Band II. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-94192-4, S. 48–49.
  • Annegret Rittmann: Deicher, Luise. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 25, Saur, München u. a. 2000, ISBN 3-598-22765-5, S. 269.
  • Anne Kathrin Herber: Frauen an deutschen Kunstakademien im 20. Jahrhundert. Ausbildungsmöglichkeiten für Künstlerinnen ab 1919 unter besonderer Berücksichtigung der süddeutschen Kunstakademien. Dissertation. 2009.
  • Gabriele Katz: Stuttgarter Damenklasse: Künstlerinnen auf dem Weg in die Moderne. Braun, Karlsruhe 2013, ISBN 978-3-7650-8428-7.
  • Carla Heussler, Hans Schultheiß: Marie Luise Deicher – eine Waiblinger Malerin neu entdeckt. In: Schwäbische Heimat. Nr. 1, 2020, ISSN 0342-7595, S. 40–46 (wlb-stuttgart.de).
  • Sigrid Gensichen: Maria Hiller-Foell und Luise Deicher. In: Carla Heussler / Christoph Wagner (Hrsg.): Stuttgarter Kunstgeschichten, von den schwäbischen Impressionisten bis zur Stuttgarter Avantgarde. Schnell & Steiner, Regensburg 2022 (Regensburger Studien zur Kunstgeschichte; 21), ISBN 978-3-7954-2888-4, S. 192–205.
  • Carla Heussler: Luise Deicher (1891–1973). In: Michael C. Maurer, Isabell Schenk-Weininger (Hrsg.): Katalog der Ausstellungen in Schloss Achberg und der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen 2024/25. Ravensburg / Bietigheim-Bissingen 2024, ISBN 978-3-944685-20-5, S. 129–137, Biografie: S. 151f.

Einzelnachweise

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