Luise von Marillac
Ordensgründerin der Vinzentinerinnen („Töchter der christlichen Liebe“)
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Luise von Marillac (Louise de Marillac) (* 12. August 1591 in Paris; † 15. März 1660 ebenda) war eine französische Adlige und Ordensgründerin. Sie wird in der römisch-katholischen Kirche als Heilige verehrt.


Leben
Luise de Marillac wurde als uneheliche Tochter des Chevaliers Louis I. de Marillac, seigneur de Ferrières-en-Brie et de Villiers-Adam (1556–1604) in Paris geboren. Der Geburtsort Paris war nach der Belagerung durch Heinrich von Navarra vom Bürgerkrieg heimgesucht worden, und es ist nicht auszuschließen, dass die Mutter in den Kriegswirren umkam.[1] Jean-Louis de Marillac, Marschall von Frankreich, war der Onkel von Luise von Marillac. Im Alter von drei Jahren wurde sie von ihrem Vater als „fille naturelle“ („natürliche Tochter“) anerkannt und damit legitimiert. Der Vater setzte ihr eine lebenslange Rente aus.
Louise wuchs im Kloster Saint-Louis de Poissy auf. 1613, mit 22 Jahren, heiratete Louise den Geheimkämmerer (= Sekretär) der Königin Maria de’ Medici, Antoine Le Gras, und gebar 1614 einen Sohn, Michel. Nach dem Tode ihres Mannes 1625 suchte sie in ihrer Niedergeschlagenheit einen Seelsorger und lernte so – vermittelt durch Franz von Sales und den Bischof von Belley, Jean-Pierre Camus, – Vinzenz von Paul kennen.[2] Die Begegnung mit Vinzenz gab ihrem Leben eine Wendung.
Vinzenz hatte seit 1617 an mehreren Orten Confréries des Dames de la Charité („Bruderschaften der Damen der Nächstenliebe“) gegründet, die den Armen und Kranken beistanden. Vinzenz übertrug 1628 der tatkräftigen Luise de Marillac die Gesamtleitung dieser Gruppen. Dazu reiste Louise die Sommer hindurch über Land, von Ort zu Ort, im Winter besuchte sie die Charité-Gruppen in den Städten.
1633 nahm Louise in ihrem Haus in Paris einige junge Bauernmädchen auf, die sie zunächst im Lesen und Schreiben unterrichtete – damals unerhört, weil jegliche Bildung als für Bauernmädchen unnötig galt. Danach betreuten die jungen Frauen und Louise Findelkinder, Patienten im Hôtel-Dieu sowie Strafgefangene und richteten Suppenküchen ein.[3] Aus dieser Gemeinschaft entwickelte sich die Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe vom Hl. Vinzenz von Paul (Vinzentinerinnen), die sie mit Vinzenz von Paul gründete. Luise von Marillac begab sich in die Rolle der Vorsteherin, sprach die jungen Frauen mit „Schwester“ an und lebte mit ihnen nach einem selbst verfassten Reglement.[1] Zum Unterricht in Lesen, Schreiben und Rechnen kamen nach und nach die Regeln der Krankenpflege und der Arzneikunden sowie Religionsunterricht dazu.[1] Bis zu ihrem Tod leitete Luise de Marillac das Mutterhaus der Kongregation in Paris. Ihre sterblichen Überreste ruhen in der Kapelle der Erscheinungen im Mutterhaus in der Rue du Bac in Paris.
Die Kongregation der Töchter der christlichen Liebe wuchs zu einer der weltweit größten Ordensgemeinschaften.
Ehrungen
1920 wurde Luise von Marillac selig- und 1934 heiliggesprochen. 1960 wurde sie von Papst Johannes XXIII. zur Patronin aller in der Sozialarbeit Tätigen erhoben. Ihr Gedenktag in der Liturgie ist der 15. März.
Die Gesundheits- und Krankenpflegeschule am St. Josefskrankenhaus Heidelberg wurde nach Luise von Marillac benannt[4], ebenso die Schule für Pflegeberufe in Köln und ein Gebäude des Vinzenz-Heims Aachen. In Bad Überkingen wurde eine Klinik nach Louise von Marillac benannt.[5] Eine Augsburger Tagesstätte der Caritas für Alkoholkranke trägt den Namen „Louise de Marillac Zentrum“.[6]
Literatur
in der Reihenfolge des Erscheinens
- Jean Calvet: Luise von Marillac: Die unermüdliche Helferin des Heiligen Vinzenz von Paul. Ein Porträt. Räber, Luzern 1962.
- Alfonsa Magdalena Richartz: Eine ungewöhnliche Mutter: Louise von Marillac. Johannes-Verlag, Leutesdorf 1988, ISBN 3-7794-1084-2.
- Sjef Sarneel: Den Menschen zuliebe: Louise von Marillac. Geistliche Biographie in Selbstzeugnissen. Herder, Freiburg im Breisgau 1990, ISBN 3-451-21583-7.
- Pauline Thorer: Vinzenz von Paul und Louise von Marillac: Gründer der Lazaristen und der Barmherzigen Schwestern. In: Josef Weismayer (Hg.): Mönchsväter und Ordensgründer: Männer und Frauen in der Nachfolge Jesu. Echter, Würzburg 1991, ISBN 3-429-01395-X, S. 261–280.
- Ekkart Sauser: Marillac, Louise de. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 18, Bautz, Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7, Sp. 862.
- Traudel Weber-Reich: «Wir sind die Pionierinnen der Pflege ...» Krankenschwestern und ihre Pflegestätten im 19. Jahrhundert am Beispiel Göttingen. Hans Huber, Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 2003, Louise von Marillac und die Filles de la Charité S. 42–53.
- Traudel Weber-Reich: Louise von Marillac (1591–1660). Urheberin der Mutterhäuser. In: Adelheid M. von Hauff (Hrsg.): Frauen gestalten Diakonie, Bd. 1: Von der biblischen Zeit bis zum Pietismus. Kohlhammer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-17-022572-5, S. 355–371.
- Horst-Peter Wolff und Jutta Wolff: Krankenpflege: Einführung in das Studium ihrer Geschichte. Mabuse Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-940529-01-5, zu Louise Le Gras geb. Marillac, S. 85–86.