Lukaskirche (Kirchberg an der Murr)

Kirchengebäude in Kirchberg an der Murr, Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Lukaskirche ist eine evangelische Pfarrkirche in Kirchberg an der Murr, einer Gemeinde im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die Kirchengemeinde Kirchberg an der Murr gehört zum Kirchenbezirk Marbach in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Benannt ist die Kirche nach dem Evangelisten Lukas. Das Gebäude ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen.

Lukaskirche in Kirchberg an der Murr
Älteste erhaltene Ansicht der Lukaskirche (Andreas Kieser, 1686)

Geschichte

Der Ort kam Mitte des 13. Jahrhunderts mit Marbach am Neckar an Wirtemberg. Die Lukaskirche wurde erstmals am 11. Dezember 1247 in einer zu Lyon ausgestellten päpstlichen Urkunde erwähnt. Mit diesem Dokument stellte Papst Innozenz IV. das Damenstift von Oberstenfeld unter seinen Schutz und bestätigte dessen Besitz in zahlreichen Orten, so auch den dritten Teil des Zehnten in der Gemeinde Kirchberg und das Kirchenpatronat über die Kirchen St. Lukas und St. Bonifatius. Es gibt Hinweise darauf, dass die Lukaskirche nicht die älteste Kirche von Kirchberg war. Bereits in der Zeit der Merowinger (frühes Mittelalter) war die Siedlung Kronfeld am Ufer der Murr entstanden, die bereits über eine kleine Kirche (Flurname Kirchenwinkel) und über einen Friedhof (Flurname Alter Wasen) verfügte. Dieses Ur-Kirchberg wurde bei Wolkenbrüchen durch die Murr überschwemmt. Daher beschlossen die Einwohner, auf den wesentlich höheren Kirchberg überzusiedeln. Über das Stift Oberstenfeld gelangte der Kirchensatz 1453 an das Stift Backnang. Neben dem vorrangigen Patronatsrecht Württembergs hielten die Herren von Gaisberg als Mitglieder der württembergischen Ehrbarkeit bis zur Reformation das Patronatsrecht über einen der Nebenaltäre, über den des Heiligen Kreuzes.

Herzog Ulrich führte 1535 die Reformation in Altwürttemberg ein. Der südliche Teil seines Herrschaftsgebiets wurde von Ambrosius Blarer von Girsberg reformiert, den nördlichen Teil vertraute der Herzog dem Reformator Erhard Schnepf an. Dieser reiste zu Pferd von Ort zu Ort und befragte die Pfarrer, ob sie bereit wären im Sinne der Reformation zu predigen. Der Kirchberger Pfarrer Michael Rummel lehnte dies ab und wurde daraufhin entlassen; als erster evangelischer Pfarrer wurde Johannes Finger eingesetzt.

Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) wurde die Dorfkirche beschädigt, jedoch nicht zerstört. Die älteste erhaltene Ansicht der Kirche findet sich 1686 im Forstlagerbuch von Andreas Kieser. Sie zeigt eine geostete Chorturmanlage mit unverputzter Fachwerk-Glockenstube und Pyramidenhelm. Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde die Kirche 1693 durch die Truppen des Sonnenkönigs unter dem Grafen Mélac ausgeplündert und verwüstet; die Orgel wurde völlig zertrümmert, die Glocken aus dem Turm geholt und fortgeschafft. Erst im Jahr 1700 wurden die Glocken nachgegossen.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche baufällig. 1777 empfahl Landbaumeister Johann Leonhard Etzel aus Stuttgart den Abbruch des baufälligen Kirchturms bergwärts im Osten und dessen Wiederaufbau an einer anderen Stelle. Dieser Vorschlag musste jedoch wegen fehlender Mittel abgelehnt werden. 1779 wurde daher beschlossen, den Ostturm lediglich zu renovieren. Bei den Arbeiten stellte sich jedoch heraus, dass er wegen des schlechten Untergrunds einsturzgefährdet war. Er musste daraufhin vollständig abgetragen werden. Die Steine für den neuen Ostturm und für die Kirchenerweiterung nach Westen stammten aus Steinbrüchen am Lemberg und wurden auf 99 Fuhrwerken nach Kirchberg transportiert. Die Gesamtkosten lagen am Ende bei 4.718 Gulden. Das Geld kam vom herzoglich-württembergischen Konsistorium und von Kollekten.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde festgestellt, dass die Lukaskirche ein unwürdiges Aussehen habe. Daher wurde 1869 eine weitere Renovierung geplant, jedoch nicht durchgeführt. Erst 1899 wurde mit neuen Planungen Heinrich Dolmetsch beauftragt.[1] Er kalkulierte mit Baukosten in Höhe von 23.800 Reichsmark. Die bürgerliche Gemeinde stellte 15.000 Mark bereit; vom Stuttgarter Konsistorium kamen 9.450 Mark. Wilhelm Orthwein, ein nach St. Louis (Missouri) ausgewanderter Kirchberger, spendete 1.000 Mark. Die Arbeiten wurden im Mai 1905 aufgenommen und im Oktober 1905 beendet. Die Kosten für die Sanierung lagen am Ende bei knapp 30.000 Mark.

1961 wurde die Lukaskirche unter Leitung des Architekten Gerhard Fetzer (1925–1993; Remshalden-Grunbach) bei Erhalt der Prinzipalien innen renoviert und dabei die Emporenbrüstungen und die Türen erneuert sowie Kruzifixus, Kanzel und Epitaphe restauriert. Die Kosten lagen bei etwa 45.000 Mark. Außerdem wurde auf der Ostempore eine neue Orgel aufgestellt. 1962 schloss sich die Außenrenovierung mit Renovierung der Turmzier und einer steinmetzmäßígen Überarbeitung der Hausteine an. 1990/91 wurde das Dach neu gedeckt, im Westen ein Vorbau mit Küche und Toilette angebaut und die Orgel erneuert. Die Kosten für diese Arbeiten beliefen sich auf etwa 400.000 Mark. Am 9. Juni 1991 wurde die Kirche mit einem Festgottesdienst der Gemeinde übergeben. Bereits 2007 war eine weitere Renovierung notwendig.

Brand im Januar 2026

Am Sonntagmorgen des 4. Januar 2026 brach ein Feuer in der Kirche aus. Ein aufmerksamer Bürger bemerkte den Brand und verständigte die Feuerwehr. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass das Feuer mutmaßlich durch einen Brandanschlag ausgelöst wurde. Der oder die Brandstifter zerschlugen ein Fenster und warfen einen Molotowcocktail in den Innenraum. Die Brandflasche zerschellte auf einer Kirchenbank aus Eichenholz und setzte den Sitzbezug in Brand. Die Sitzbank wurde vollständig zerstört. Durch den Brand wurde eine Restauration der verrußten Kunstobjekte des Innenraums notwendig. Der Schaden wurde zunächst auf 5.000,[2] zwei Tage später auf 100.000 Euro geschätzt.[3][4][5]

Baubeschreibung

Die Saalkirche besteht aus einem 1779 nach Westen verlängerten Langhaus und einem Chorturm im Osten, dessen oberstes, mit einem achtseitigen Helm abgeschlossenes Stockwerk die Turmuhr und den Glockenstuhl für vier Kirchenglocken beherbergt. Der langgestreckte Innenraum ist seit 1779 als Quersaal gestaltet:[6] Die Kanzel steht mit ihrer von Osten heraufführenden Treppe auf der Mitte der Südwand, axial davor der Altar und der Taufstein (dieser später seitlich). Dreiseitige Emporen umziehen den Kirchenraum mit Ausrichtung auf die Südkanzel. Die Ostempore vor der Turmwandöffnung zum Obergeschoss des früheren Turmchors trägt die Orgel, darunter im Parterre befindet sich die Sakristei.

Ausstattung

Prinzipalien

Die Kirchenausstattung, insbesondere die Prinzipalien, hat 1905 Heinrich Dolmetsch weitgehend im Jugendstil persönlich entworfen.

Holzbildwerke und Gemälde

Der lebensgroße Kruzifixus von ungefähr 1510, der vor 1779 im offenen Chorbogen hing, hat seither seinen Platz an der Südwand neben der Kanzel. Die qualitativ hochwertige Arbeit verrät Einflüsse von Michel Erhart und Hans Seyfer. Sie wurde 1962 ebenso von A. Schwenk restauriert wie die folgenden Gemälde.

Zwei Ölgemälde auf Holz sind erhalten: aus dem 17. Jahrhundert eine Taufe Jesu, aus gleicher Zeit von einem Epitaph die Brustbilder eines Schultheißen-Ehepaares; sowie von 1895 ein Ganzbild Martin Luthers von einem Nürnberger Maler.

Das Leinwandgemälde in Tempera über der Kanzel zeigt die Bergpredigt Jesu Christi und wurde um 1914 von Rudolf Yelin dem Älteren geschaffen.[7] Das Gemälde war von Schultheiß Heinrichsens Witwe gestiftet worden.

Epitaphe

Bemerkenswert sind vom Ende des 17. Jahrhunderts die Epitaphe des Schultheißen Christoph Lempp und seiner lieben Hauß Fraw Anna und das des Pfarrers Jakob Schroll.

Vasa Sacra

Das Ehepaar Lempp hatte im 17. Jahrhundert einen Abendmahlskelch (Kupfer vergoldet) gestiftet. Weiteres Gerät aus vergoldetem Silber und aus Zinn ist ebenfalls vorhanden.

Orgel

Eine frühe Orgel war 1693 zerstört und anschließend wohl ersetzt worden. Das nächste und mindesten dritte bekannte Instrument in der Lukaskirche war das von 1769/70, welches 1847 durch jenes von Johann Heinrich Schäfer gebaute ersetzt wurde. Diese vierte Orgel konnte bis 1962 ihren Dienst tun, als bei Orgelbau Walcker für 39.000 Mark das fünfte und gegenwärtig vorhandene Orgelwerk mit 15 Registern fertiggestellt war.

Glocken

Die älteste Glocke wurde im Jahre 1700 gegossen und trägt die Inschrift: Glockengießer Johannes Rosier; Pastore M. Johanne(s) Henrico Oelmeier Stuttgart; Schultes Paulus Bylmayer; Franz Mauner des Gerichts; Martin Vogel Burgermaist; Hans Rommel des Raths.[8]

Weitere Informationen Glocke, Name ...
Übersicht
Glocke Name Gießer Gussort Gussjahr Schlagton Gewicht Durchmesser Inschrift Glockenzier
I. Betglocke A. Bachert Heilbronn 1968 f' 1005 kg 118,8 cm ER IST UNSER FRIEDE Krone / Christusmonogramm
II. Kreuzglocke Johannes Rosier Backnang 1700 as' 460 kg 93,5 cm siehe oben Kruzifix
III. Zeichenglocke A. Bachert Heilbronn 1948 b' 400 kg 88 cm CHRISTUS SPRICHT:

NIEMAND WIRD SIE AUS MEINER HAND REISSEN (Johannes 10,28 LUT)

IM ANDENKEN AN UNSERE GEFALLENEN UND VERMISSTEN.

Anker / Herz / Kreuz
IV. Taufglocke A. Bachert Heilbronn 1948 des'' 160 kg 65 cm BETE UND ARBEITE (Psalm 92,2–3 LUT)
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Pfarrer

  • ca. 1279–1285: Leutpriester Berthold
  • 14. Jhd.: Burchard Sorrer der Ältere
  • 14. Jhd.: Burchard Sorrer der Jüngere
  • um 1525: Josef Wild
  • um 1535: Micheal Rummel
  • um 1536: Johannes Finger
  • ca. 1542–1548: Leonhard Rieger
  • 1548–1558: Johannes Brünnlin
  • 1558–1585: Veit Pflug
  • 1585–1615: Michael Mehrer
  • 1615–1626: Gregor Glär
  • 1626–1640: Johann Gallus Lutz
  • 1640–1666: Johann Theodor Stähelin
  • 1666–1686: Jakob Schroll
  • 1687–1693: Christoph Caspar Haupt
  • 1693–1696: Matthias Käuffelin
  • 1696–1701: Johann Heinrich Oelmajer
  • 1701–1719: Johann Jakob Dreher
  • 1719–1722: Ferdinand Friedrich Göbel
  • 1722–1755: Carl Maximilian Siber
  • 1756–1787: Gottlieb Christian Canz
  • 1788–1799: Christoph Heinrich Engelhard
  • 1799–1807: Johann Jakob Pfister
  • 1807–1824: Friedrich Heinrich Steinheil
  • 1826–1850: Johann Friedrich Ehemann
  • 1852–1866: Karl August Paret
  • 1866–1874: Johann Gottlieb Frohnmeyer
  • 1874–1900: Karl Christian Aichele
  • 1902–1912: Karl Friedrich Richter
  • 1913–1934: Theodor Gustav Sülzer
  • 1935–1949: Ludwig Dieterle (Bekennende Kirche)
  • 1949–1954: Johannes Thimm (Pfarrverweser)
  • 1954–1960: Albert Ehrmann
  • 1960–1973: Theodor Rieber
  • 1973–1985: Erhard Schulz
  • 1985–1992: Helmut Sorg

Literatur

  • Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band I. In: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. (Hrsg.) Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. München/Berlin 1983, S. 486–497.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 420.
  • Helmut Sorg: Streiflichter aus der Geschichte von Kirchberg an der Murr. Natur-Rems-Murr-Verlag, Remshalden-Buoch 1993, ISBN 3-927981-31-1.

Einzelnachweise

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