Lungenheilstätte Kolkwitz

ehemalige Lungenheilstätte in der Gemeinde Kolkwitz im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Lungenheilstätte Kolkwitz ist eine ehemalige Lungenheilstätte in der Gemeinde Kolkwitz im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Sie wurde zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als Schwerpunktklinik für Tuberkulose-Patientinnen gebaut und bot 65 Plätze. In der DDR wurde das Klinikum zu einer Außenstelle des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums und hieß fortan Klinikum Kolkwitz. Nach der deutschen Wiedervereinigung, im Jahr 2007 zog die dort noch vorhandene orthopädische Fachabteilung an den Hauptstandort des Städtischen Kilinik um, das gesamte Bauensemble der ehemaligen Heilstätte steht seitdem leer. Die erhaltenen Bauten sind seit 1986 Baudenkmale und in der Denkmalliste des Landes Brandenburg erfasst. Für Interessenten gelten sie als Lost Places und können durch Spezialisten bei einer Führung besichtigt werden.[1]

Trägerschaftvor 1949 und nach 1990: Landesversicherungsanstalt Brandenburg
von 1949 bis 1990: staatlich (Sozialversicherung der DDR)
BundeslandBrandenburg
Schnelle Fakten Lungenheilstätte Kolkwitz (1898–1953)Bezirkskrankenhaus für Lungenkrankheiten, TBK-Heilstätte Cottbus (1953–1990) Klinikum Kolkwitz (1990–2007), Trägerschaft ...
Lungenheilstätte Kolkwitz (1898–1953)
Bezirkskrankenhaus für Lungenkrankheiten, TBK-Heilstätte Cottbus (1953–1990)
Klinikum Kolkwitz (1990–2007)
Hauptgebäude der ehemaligen Lungenheilstätte Kolkwitz (2016)
Trägerschaft vor 1949 und nach 1990: Landesversicherungsanstalt Brandenburg
von 1949 bis 1990: staatlich (Sozialversicherung der DDR)
Ort Kolkwitz
Bundesland Brandenburg
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 43′ 54″ N, 14° 13′ 43″ O
Betten 300 (maximal)
Fachgebiete Tuberkulose, später zur Rehabilitation für Schlaganfallpatienten umfunktioniert
Gründung 2. August 1898
Auflösung 31. Dezember 2007
Website
Lage
Lungenheilstätte Kolkwitz (Brandenburg)
Lungenheilstätte Kolkwitz (Brandenburg)
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Geschichte

Im 19. Jahrhundert war die Tuberkulose im Raum Cottbus stark verbreitet, besonders waren Arbeiterinnen aus der Textilindustrie (Feintuchwerke Cottbus) von der Erkrankung betroffen.[2] Deshalb beschloss die Landesversicherungsanstalt Brandenburg im Jahr 1897 auf Drängen des Mediziners Carl Thiem den Bau einer Heilstätte. Dazu nutzte sie ein Grundstück im Cottbuser Stadtforst auf dem Gemeindegebiet von Kolkwitz, das die Stadtverwaltung ihr geschenkt hatte. Nach den Entwürfen des Baurats Theodor Goecke begann der Bau einer Lungenklinik mit der feierlichen Grundsteinlegung am 2. August 1898. Nach knapp zweijähriger Bauzeit war das Klinikum fertig gestellt und wurde am 13. Juni 1900 eingeweiht. Neben dem Hauptgebäude entstanden Wohnhäuser für Ärzte und das Klinikpersonal. Die Baukosten wurden auf rund 500.000 Reichsmark beziffert. Zum ersten Chefarzt der Einrichtung berief die Landesversicherunganstalt Bruno Bandelier.[2]

Ein Jahr nach der Fertigstellung besuchte der Mediziner Robert Koch die Einrichtung. 1912 bekam das Klinikum ein Röntgen-Gerät und ein Operationszimmer.[3] Im Ersten Weltkrieg musste der Betrieb der Lungenklinik aus finanziellen Gründen vorübergehend eingestellt werden, erst ab 1924 war ein normaler Betrieb wieder möglich.[4] Im Jahr 1925 wurde der Gebäudekomplex um eine Leichenhalle und einen Friedhof erweitert.[5] Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Klinikum Kolkwitz mit Patienten aus dem Carl-Thiem-Klinikum belegt, nachdem dieses durch einen Bombentreffer zerstört worden war. Schließlich wurde es noch 1944 in ein Feldlazarett umgewandelt.[3]

Der Krankenhauspark entstand nach Plänen und unter Leitung von Georg Bleyer, der als Obergärtner der Fürsten von Pückler auch für den Branitzer Park mitverantwortlich war.

Nach Kriegsende organisierten die verbliebenen medizinischen Mitarbeiter weiterhin Kuren für Lungenkranke, ab 1946 wurden auch männliche Patienten aufgenommen. Um auch Kinder behandeln zu können, wurde 1947 das Direktorenwohnhaus zu einer Kinderstation mit 38 Betten umgebaut. 1949 begann in Kolkwitz auch die Lungenheilbehandlung, also nicht nur das Kurieren. Dazu eröffnete eine Chirurgie-Abteilung. In den 1950er Jahren war das Klinikum Kolkwitz mit etwa 300 Betten die größte Tuberkuloseheilstätte der DDR. Seit 1953 gehörte das Krankenhaus dem Bezirk Cottbus und führte fortan den Namen Bezirkskrankenhaus für Lungenkrankheiten, TBK-Heilstätte Cottbus.[1]

Mit dem Rückgang der Tuberkulosefälle wurde das Klinikum Kolkwitz im Jahr 1972 zu einer Rehaklinik für Schlaganfallpatienten umfunktioniert. Zur gleichen Zeit zogen die orthopädische, die gynäkologische und die neurologische Fachabteilung des Carl-Thiem-Klinikums in das Gebäude ein. Die Räumlichkeiten dienten auch als Akademie für ärztliche Fortbildung.[3] 1986 wurde der Bereich unter Denkmalschutz gestellt.

Nach der Wiedervereinigung gelangte das Klinikum Kolkwitz wieder in den Besitz der neu gegründeten Landesversicherungsanstalt Brandenburg. 1995 wurde es an einen privaten Investor verkauft, der später Insolvenz anmelden musste. Seit dem Umzug der orthopädischen Fachabteilung an den Hauptstandort des Carl-Thiem-Klinikums in Cottbus im Dezember 2007 steht das ehemalige Klinikum Kolkwitz leer. Es konnte inzwischen an einen weiteren Investor verkauft werden, der einen Umbau des Komplexes zu Wohnzwecken plant.[6] Am 21. Oktober 2021 zerstörte ein Brand große Teil des Dachstuhls eines Nebengebäudes.[7]

Ein im Jahr 2010 eigens gegründeter Verein (Urb Explorer) organisiert nach Anmeldung Fototouren in den Bauruinen.[2]

Wegen des zunehmenden Vandalismus und der illegalen Entfernung von Gegenständen sind die wertvolleren Dinge in den 2010er Jahren auch von der Polizei in Verwahrung genommen worden.[1]

Architektur und Weiteres

Ostseite des Hauptgebäudes (2016)
Ansicht des Innenhofs (2016)

Die Kernanlage des Klinikums Kolkwitz entstand nach einem Entwurf des Architekten und Stadtplaners Theodor Goecke und wurde zwischen 1925 und 1930 nach Planungen des Architekten Arnold Beschoren erweitert. Sie besteht aus dreigeschossigen Bauten aus Ziegelmauerwerk mit Fachwerkteilen und Walmdächern. Der größte Teil des Bauensembles ist im neugotischen Stil ausgeführt. In der Mittelachse des Hauptgebäudes befinden sich der Haupteingang und zwei Loggien, abgeschlossen durch ein Zwerchhaus. Die Fenster sind stichbogig, die Fassaden mit Zahnfries und einem Dachgesims gegliedert. Die Gartenseite wird von zwei oktogonalen Türmen mit Haube und Laterne flankiert. In einem der Türme ist ein gut sichtbare Turmuhr eingebaut.[1]

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass fast alle Ecken und Kanten im Inneren abgerundet waren, um die Ablagerung von Keimen zu verringern – und strengste Sauberkeitsregeln beachtet werden mussten.

Auf der Hofseite ist eine quadratische Kapelle mit Kreuzrippengewölbe und halbkreisförmiger Apsis angebaut. Die Apsis wird mit Strebepfeilern gestützt und hat spitzbogige Fenster, in der Ostwand liegt eine breite spitzbogige Blende mit einem großen Rundfenster sowie Zahn- und Zinnenfries über und unter einer Reihe aus kleinen Spitzbogenfenstern. An den Türeinfassungen sind Sprüche aus Bibel-Passionen eingearbeitet, die Bezug auf die Situation der Patientinnen nehmen wie: „Ich bin krank. [...] Heile du mich, Herr, so werde ich heil“[8]. Die Empore und die Einfassungen des Rundfensters sind mit Ausmalungen im Jugendstil verziert. In der DDR-Zeit diente die Kapelle auch für Zusammenkünfte der gesellschaftlichen Organisationen wie der SED-Parteigruppe oder den Gewerkschaftsgruppen.[1]

In den 1960er Jahren entstand auf dem Klinikgelände ein neuer Gebäudetrakt mit einem OP-Bereich. Hier richtete die Klinikverwaltung dann ein Rehabilitationszentrum für Herzpatienten ein, das als Außenstelle des Bezirkskrankenhauses fungierte.[1]

Die Nebengebäude des Klinikums, zu denen eine Direktorenvilla und Wohnhäuser für Anfgestellte gehörten, sind schlichte Klinker-Putz-Bauten.[9]

Literatur

Commons: Klinikum Kolkwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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