Wikiwand AI

Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg

Bauwerkgruppe From Wikipedia, the free encyclopedia

Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg ist ein Sammelbegriff historischer Gedenk- und Erinnerungsorte, die mit dem Leben und Wirken der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon verbunden sind. Sie befinden sich in den Lutherstädten Eisleben und Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Zum Welterbe zählen in Eisleben Luthers Geburtshaus und Sterbehaus sowie in Wittenberg das Lutherhaus, das Melanchthonhaus, die Schlosskirche und die Stadtkirche. Sie wurden 1996 nach den Kriterien (iv) und (vi) in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.[1][2] Die vier Häuser gehören zu den Museen der 1997 gegründeten Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt[3][4] und sind zudem als kulturelle Leuchttürme im Blaubuch der Bundesregierung aufgeführt.[5]

Schnelle Fakten Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg, UNESCO-Welterbe ...
Luthergedenkstätten
in Eisleben und Wittenberg
UNESCO-Welterbe

Das Lutherhaus in Wittenberg
Vertragsstaat(en): Deutschland Deutschland
Typ: Kultur
Kriterien: (iv)(vi)
Fläche: 0,83 ha
Pufferzone: 13,02 ha
Referenz-Nr.: 783
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1996  (Sitzung 20)
Schließen

Die Gedenkstättentradition an diesen Orten reicht bis ins späte 17. Jahrhundert zurück. Im 19. Jahrhundert wurden die Häuser im Geist des Historismus zu Personengedenkstätten ausgestaltet, worauf die UNESCO in ihrer Einschreibungsbegründung ausdrücklich verweist.

Welterbestätten in der Lutherstadt Eisleben

Zum Welterbe in der Lutherstadt Eisleben gehören:

  • Martin Luthers Geburtshaus: Memorialgebäude an der Stelle, an der Martin Luther 1483 geboren wurde.[6]
  • Martin Luthers Sterbehaus: Spätgotisches Bürgerhaus am Andreaskirchplatz, das seit einer Verwechslung durch den Chronisten Eusebius Francke (1726) als Luthers Sterbehaus galt. Nach heutigem Forschungsstand starb Luther im Haus am Markt 56 (heute Hotel Graf von Mansfeld).[7]

Welterbestätten in der Lutherstadt Wittenberg

Zum Welterbe in der Lutherstadt Wittenberg gehören:

Geschichte der Gedenkstätten

Die Gedenkstättentradition begann bereits im 17. Jahrhundert: Das Eislebener Geburtshaus wurde nach dem Stadtbrand von 1689 als Memorialgebäude errichtet und bereits 1693 zum Denkmal erklärt. Es zählt zu den ältesten Museen der Welt.[6][15]

Im 19. Jahrhundert wurden die Häuser im Geist des Historismus zu Gedenkstätten ausgestaltet: Die Stadt Eisleben erwarb das Sterbehaus 1862 und richtete es 1894 als Gedenkstätte ein,[7] in Wittenberg ist seit 1883 das reformationsgeschichtliche Museum im Lutherhaus untergebracht,[8] und das Sterbezimmer im Melanchthonhaus wurde 1896 bis 1899 durch den Architekten F. O. Kuhn neu gestaltet.[11] Auf diese denkmalpflegerische Ausprägung des 19. Jahrhunderts verweist die UNESCO ausdrücklich in ihrer Einschreibungsbegründung.[2]

1954 wurde im Melanchthonhaus ein Heimatmuseum eröffnet, 1967 folgte die Melanchthon-Gedenkstätte.[11] Seit 1997 werden die vier Häuser von der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt betreut.[3] Die Stiftung ließ die Häuser in der Folge umfassend sanieren: 2005 bis 2007 wurde das Geburtshaus grundlegend saniert und erweitert,[16] 2010 bis 2013 folgten das Sterbehaus[17] und das Melanchthonhaus, das zudem einen modernen Erweiterungsbau erhielt.[18] Seit Anfang 2025 wird das Lutherhaus energetisch saniert und touristisch weiter erschlossen. Am 10. Juli 2026 wurde der Grundstein für ein neues Eingangsgebäude gelegt, die neue Dauerausstellung soll im Herbst 2027 eröffnet werden.[19] 2026 feiern die sechs Stätten das 30-jährige Jubiläum ihrer Einschreibung.[4]

Begründung der UNESCO

Die Aufnahme in die Welterbeliste erfolgte auf der 20. Sitzung des Welterbekomitees im Dezember 1996 in Mérida. Das Komitee begründete die Einschreibung mit zwei Kriterien: Nach Kriterium (iv) sind die Luthergedenkstätten Kunstdenkmale von hoher Qualität, die mit ihrer Ausstattung ein anschauliches Bild einer welt- und kirchengeschichtlich bedeutenden Epoche vermitteln. Nach Kriterium (vi) sind sie ein einzigartiges Zeugnis der protestantischen Reformation, die zu den bedeutendsten Ereignissen der Religions- und Politikgeschichte zählt, und zugleich außergewöhnliche Beispiele des Historismus des 19. Jahrhunderts.[2][1]

Siehe auch

Literatur

  • Anne Bohnenkamp, Constanze Breuer, Paul Kahl und Stefan Rhein (Hrsg.): Häuser der Erinnerung. Zur Geschichte der Personengedenkstätte in Deutschland (= Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Band 18). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-04056-8.
  • Anne-Marie Neser: Luthers Wohnhaus in Wittenberg. Denkmalpolitik im Spiegel der Quellen (= Kataloge der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Band 10). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, ISBN 978-3-374-02280-9.
  • Martin Steffens: Luthergedenkstätten im 19. Jahrhundert. Memoria – Repräsentation – Denkmalpflege. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2098-7.

Einzelnachweise

Related Articles