Lycogala
Gattung der Schleimpilze
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Lycogala ist eine Gattung der Schleimpilze in der Ordnung der Liceida. Sie wurde 1729 von Pier Antonio Micheli erstbeschrieben. Ihr bekanntester und häufigster Vertreter sowie Typusart ist der Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum)[1]. Die Gattung ist weltweit verbreitet und besiedelt meist morsches Holz[2].
| Lycogala | ||||||||||||
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Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Lycogala | ||||||||||||
| Micheli |
Merkmale
Die Arten der Gattung Lycogala bilden für Schleimpilze recht auffällige, meist rundliche, an der Basis deutlich verjüngte, seltener konische, Fruktifikationen mit einem Durchmesser von meist weniger als 2 cm; Lycogala flavofuscum bildet mit 2 bis 5 cm Größe eine Ausnahme. Bei allen Arten handelt es sich jedoch nicht – wie bei anderen Gattungen der Schleimpilze dieser Größe und Form durchaus üblich – um einen Zusammenschluss mehrerer Individuen (Aethalien), sondern um sitzende Sporokarpien.[3] Sie erscheinen in dichten oder vereinzelten Gruppen bis Einzelfruktifikationen. Während sie im jungen Zustand durch leuchtend rosa oder orange Farbtöne besonders auffällig sind, nehmen sie bei Reife deutlich unscheinbarere ockerfarbene bis schwärzliche Töne an.
Die Außenhülle (Peridie) ist derb, brüchig oder zäh, glatt oder mit Warzen oder Schuppen (Vesikel) gekennzeichnet, die die Oberfläche punktieren oder netzartig mustern. In ihnen können sich Öl, Pigmente und lichtbrechende Kristalle befinden, was für die Artzugehörigkeit von großer Bedeutung ist. Auch das Vorhandensein von Zusammenschlüssen der Vesikel sowie ihre Abstände zueinander sind für viele Arten charakteristisch.
Das farblose Capillitium ist verzweigt, fast glatt bis warzig oder faltig skulpturiert. Die Sporenmasse ist meist rosa bis grau, auch beige, seltener grellrosa, bläulich oder braun. Nach mehreren Jahren verblasst es jedoch meist in verschiedene ockergelbe Töne. Die Sporen weisen ein netziges Ornament auf und messen 5 bis 8 Mikrometer im Durchmesser.[4] Im Gegensatz zu vielen anderen Schleimpilzgattungen sind das Capillitium und die Sporen für die Trennung der Arten wenig relevant.
Ein Stiel, eine Columella oder ein ausgeprägter Hypothallus (außer bei Lycogala flavofuscum) sind nicht vorhanden.[3]
- Verschiedene Merkmale einiger Lycogala-Arten
- Einzelne Vesikel von Lycogala succineum mit Kristallen, im polarisierten Durchlicht
- Zusammengesetzte Vesikel von Lycogala paraconfusum mit teilweise rötlichem Öl, im Durchlicht
- Sporen von Lycogala olearium mit großen und kleinen Netzmaschen (gleichmäßig bei den meisten anderen Arten), in Baumwollblau
Arten
Die Gattung Lycogala umfasste bis in die 2020er-Jahre nur fünf Arten. Mithilfe phylogenetischer und morphologischer Studien wurde der Umfang zwischen 2023 und 2025 auf über 50 Arten[5] erweitert, wobei Schätzungen von weltweit über 100 Arten[6] ausgehen. Untersucht wurden bisher vor allem Europa, Ostasien, Australien und Nordamerika. Folgende Arten sind in Mitteleuropa und dessen näherer Umgebung nachgewiesen[7][8]:
| Sektion Lycogala: Vesikel der Peridie mit unregelmäßiger Form und variabler Größe, Öl und Kristalle fehlend | ||
| Deutscher Name | Wissenschaftlicher Name | Bild |
|---|---|---|
| Blutmilchpilz | Lycogala epidendrum (J.C. Buxb. ex L.) Fr. 1829 | |
| Lycogala irregulare Leontyev, Schnittler, Ishchenko & G. Konstantinides 2023 | ||
| Lycogala maculatum Leontyev, Schnittler & Ishchenko 2023 | ||
| Sektion Oleogala Leontyev, Yatsiuk & Schnittler 2025: Vesikel der Peridie mit großer Menge Öl gefüllt | ||
| Deutscher Name | Wissenschaftlicher Name | Bild |
| Lycogala confusum Nann.-Bremek. ex Ing 1999 | ||
| Lycogala flavofuscum (Ehrenb.) Rostaf. 1874 | ||
| Lycogala fossiculatum Leontyev, C. Rojas, van der Heul, Kochergina & Schnittler 2023 | ||
| Lycogala fuscoolearium Leontyev, Ishchenko, Kudryavtseva & Skrzypczak 2025 | ||
| Lycogala inconspicuum Leontyev, Ishchenko, Schnittler & Johannesen 2025 | ||
| Lycogala olearium Leontyev, Schnittler & D. Panayotova 2023 | ||
| Lycogala skovorodaense Leontyev, Schnittler & Ishchenko 2023 | ||
| Sektion Tessellogala Leontyev, Yatsiuk & Schnittler 2025: Vesikel der Peridie bilden große Aggregate | ||
| Deutscher Name | Wissenschaftlicher Name | Bild |
| Lycogala laeve Leontyev, Schnittler & Johannesen 2025 | ||
| Lycogala paraconfusum Leontyev, Ishchenko & Dzizurova 2025 | ||
| Sektion Tinctogala Leontyev, Yatsiuk & Schnittler 2025: Vesikel der Peridie verbunden, jedoch keine Aggregate bildend, unreife Fruktifikationen und Sporenpulver mit leuchtender Pigmentierung | ||
| Deutscher Name | Wissenschaftlicher Name | Bild |
| Lycogala alisaulianovae Leontyev, Ishchenko, Schnittler & Sarzhev. 2023 | ||
| Lycogala conicum Pers. 1801 | ||
| Lycogala persicum Leontyev, J. Kluša, E. Moroz, Millican & Ishchenko 2025 | ||
| Lycogala roseosporum Leontyev, Schnittler, Ishchenko & P. Vetlesen 2023 | ||
| Lycogala sphaeroconicum Leontyev, Moroz, Ishchenko, Johannesen, Schnittler, Kudryavtseva & Bortnikov 2025 | ||
| Lycogala umbrinum Leontyev, Vetlesen, Schnittler, Moroz & Johannesen 2025 | ||
| Sektion Crystallogala Leontyev, Yatsiuk & Schnittler 2025: Vesikel der Peridie einzeln, regelmäßig rund in der Form und einheitlich in der Größe, gleichmäßig verteilt, gefüllt mit Kristallen und/oder Öl | ||
| Deutscher Name | Wissenschaftlicher Name | Bild |
| Lycogala caviaroides Leontyev, Schnittler, S.L. Stephenson & G. Konstantinides 2023 | ||
| Lycogala leopardinum Leontyev, Ishchenko, Schnittler & Johannesen 2023 | ||
| Lycogala miserum Leontyev & Schnittler 2025 | ||
| Lycogala palianytsia Leontyev, Schnittler & Ishchenko 2023 | ||
| Lycogala succineum Leontyev & Schnittler 2023 | ||
| Sektion incertae sedis | ||
| Deutscher Name | Wissenschaftlicher Name | Bild |
| Lycogala botrydium Leontyev, Ishchenko & Schnittler 2023 | ||
| Lycogala pulchellum Leontyev, Ishchenko, M. Inoue & Botyakov 2025 | ||
Lycogala exiguum wird von einigen Autoren für Europa angegeben. Nach Vergleich des Typusmaterials wurde sie bisher jedoch nur in Nord- und Mittelamerika nachgewiesen.[9] Lycogala fuscoviolaceum ist eine Art mit unzureichend geklärter Identität.[9] Lycogala leiosporum wird als zweifelhaftes Taxon angesehen.[9]
Literatur
- D. Leontyev, Y. Ishchenko, M. Leontieva, I. Yatsiuk, O. Shchepin, W.-L. Song, S. L. Chen, E. Moroz, M. Schnittler: Expanding Lycogala: twenty-four new species, their morphology and phylogenetic relationships. Fungal Systematics and Evolution 16, 2025, S. 93–146. doi:10.3114/fuse.2025.16.7.
- Dmytro Leontyev, Yury Ishchenko, Martin Schnittler: Fifteen new species from the myxomycete genus Lycogala. Mycologia 115, 2023, S. 524–560. doi:10.1080/00275514.2023.2199109.
- Dmytro Leontyev, Martin Schnittler: Lycogala epidendrum s. l. (Myxomycetes): unbemerkte Vielfalt in einer „Allerweltsart“. Boletus 46 (2), 2025, S. 157–168.