Lysergsäure

Mutterkornalkaloid From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Lysergsäure ist eine tetracyclische (Struktur mit vier Ringen) β-Aminosäure. Die D-(+)-Lysergsäure ist die Vorstufe für eine Vielzahl von Mutterkornalkaloiden, die von dem Mutterkornpilz Claviceps purpurea, weiteren Schlauchpilzen und wenigen höheren Pflanzen aus der Gruppe der Windengewächse (Convolvulaceae) produziert werden.[1] Der Name leitet sich ab von Ergot, dem französischen Wort für ‚Mutterkorn‘ und lysis (griechisch für ‚Auflösung‘).

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Struktur von Lysergsäure
Allgemeines
Name Lysergsäure
Andere Namen
  • D-(+)-6-Methyl-9,10-didehydro-ergolin-8-carbonsäure
  • (5R,8R)-6-Methyl-9,10-didehydro-ergolin-8-carbonsäure
Summenformel C16H16N2O2
Kurzbeschreibung

blättchenförmige Kristalle[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 82-58-6
EG-Nummer 201-431-9
ECHA-InfoCard 100.001.302
PubChem 6717
ChemSpider 6461
Wikidata Q415837
Eigenschaften
Molare Masse 268,31 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

240 °C (Zersetzung)[2]

pKS-Wert

3,3[3]

Löslichkeit
  • mäßig in Pyridin[1]
  • wenig in Wasser und organischen Lösungsmitteln[1]
  • löslich in saurer und alkalischer Lösung[1]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[4]
Gefahrensymbol

Achtung

H- und P-Sätze H: 341
P: 501201202308+313405[4]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Struktur

Der erste korrekte Strukturvorschlag stammt von W. A. Jacobs[5] und wurde durch Synthese von Dehydrolysergsäure von Arthur Stoll, Albert Hofmann und Franz Troxler bestätigt.[6][7] Das Molekül besitzt zwei Stereozentren, dementsprechend gibt es vier Stereoisomere: D-Lysergsäure, L-Lysergsäure, D-Isolysergsäure und L-Isolysergsäure. Die relative Konfiguration der beiden Stereozentren wurde 1954 von Stoll et al. abgeleitet.[8] Die absolute Konfiguration der natürlichen Lysergsäure wurde 1962 von Stadler und Hofmann durch chemischen Abbau und Verknüpfung mit D-(−)-N-Methylasparaginsäure bestätigt.[9]

Übersicht über die vier Stereoisomere der Lysergsäure
Epimere(+)-Enantiomer(−)-Enantiomer
Lysergsäure
(5R,8R)

(5S,8S)
Isolysergsäure
(5R,8S)

(5S,8R)

Synthese

Die erste Totalsynthese racemischer Lysergsäure gelang im Jahr 1954 Ed Kornfeld und Robert Woodward als Mitarbeiter von Eli Lilly.[10] Die effiziente Wipf-Methode aus dem Jahr 2022 eignet sich zur Erzielung von Gramm-Ausbeuten und bedient sich der Mizoroki-Heck-Kreuzkupplung zum Schließen des Rings C.[11][12] Die Biosynthese der Lysergsäure geht – wie bei allen Mutterkornalkaloiden – vom Tryptophan aus.[1]

Vorkommen

Roggenähre mit Purpurbraunem Mutterkornpilz

Mutterkornpilze (Claviceps), Trichterwinden (z. B. Ipomoea tricolor oder Turbina corymbosa) (Produzent bei den Winden sind durch die Samen übertragene epibiotische Pilze der Clavicipitaceae-Familie[13]).

Verwendung

Lysergsäure und ihre Amide – die Lysergsäureamide – haben eine erhebliche therapeutische Breite. Lysergsäure in ihrer Grundform wurde in der frühen Neuzeit erstmals zum Auslösen von Wehen eingesetzt.

Bekannter ist sie jedoch als Basis des Halluzinogens Lysergsäurediethylamid (LSD).

Rechtsstatus

Lysergsäure fällt unter die Kategorie 1 des Grundstoffüberwachungsgesetzes als direkter Vorläufer von Betäubungsmittel. Damit ist der Handel, Herstellung, die Ein- und Ausfuhr genehmigungs- und meldepflichtig.[14]

Einzelnachweise

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