Léon Roches

französischer Generalkonsul in Japan From Wikipedia, the free encyclopedia

Léon Roches (* 27. September 1809 in Grenoble; † 1901 ebenda) war ein französischer Diplomat, der einen großen Teil seines Lebens in Algerien verbrachte. Von 1864 bis 1868 war er als Generalkonsul in Edo-Japan tätig.

Léon Roches (1809–1901)

Biografie

Brief von Napoleon III. an den japanischen „Taikun“ zur Nomination von Léon Roches vom 23. Oktober 1863
Empfang von Dirk de De Graeff van Polsbroek und Léon Roches bei Kaiser Meiji

Léon Roches folgte seinem Vater, der dort eine Plantage erworben hatte, 1832, kurz nach der französischen Invasion, nach Algerien. Er verbrachte die nächsten 32 Jahre auf dem afrikanischen Kontinent. 1835 wurde er Offizier im Kavallerieregiment Garde Nationale d’Algerie. General Bugeaud beauftragte ihn mit der Mission, mit dem Marabout Tedjini,[1] der in Aïn Madhi im Süden der Region von Constantine lebte, in Verhandlungen einzutreten. 1838 bis 1840 hielt er sich bei Abd el-Kader auf.

Roches behauptete, er habe vom höchsten Ulema-Rat in Kairo 1841 eine Fatwa[1] erlangt, die die Muslime Algeriens dazu aufrief, die französische Herrschaft über Algerien anzuerkennen und ihre Unterstützung für den Widerstand von Abd el-Kader aufzugeben. Roches behauptete, zu diesem Zweck sogar bis nach Mekka gereist zu sein, wo ihm ebenfalls die von ihm erwünschte Fatwa ausgestellt worden sei. Für die Existenz einer solchen Fatwa gibt es keine Beweise, doch wurde die Behauptung zu Propagandazwecken benutzt. Der Historiker Marcel Émerit schrieb 1947,[2] dass von diesem Text jede Spur fehle, er existiere nur in Briefen und Büchern, die Roches selbst geschrieben hat.

Léon Roches galt darauf in französischen Beamtenkreisen Algeriens als unglaubwürdiger Geschichtenerzähler,[1] zumal er sich bei ihnen bald darauf auch noch äußerst unbeliebt machte. Auf Fürsprache Bugeauds kam Roches ins französische Außenministerium, wo er 1846 einen Posten als Sekretär der französischen Legation in Tanger[1] erhielt. Dort musste er auf Anweisung der Regierung von François Guizot in Paris Bugeaud überwachen und davon abhalten Abd el-Kader in Marokko anzugreifen, wohin dieser sich zurückgezogen hatte. Bugeaud und seine Offiziere tobten.[1]

Später wurde Roches als Konsul nach Triest entsandt; später in derselbigen Funktion nach Tripolis. Im Jahr 1855 war er Konsul in Tunis. Roches trug des Öfteren arabische Kleidung und hatte ein Faible für Pferde und Pistolen.

Im Jahr 1863 schließlich bekam Roches den Posten als französischer Generalkonsul in Edo, Japan. Er befürwortete das Bombardement von Shimonoseki. Nach der Meiji-Restauration half Roches bei der Modernisierung des Shogunwesens und organisierte eine französisch-japanische Schule. Am 23. März 1868 wurde er gemeinsam mit dem niederländischen Diplomaten Dirk de Graeff van Polsbroek als erste europäische Gesandte zu einer persönlichen Audienz bei Kaiser Meiji geladen.[3] Kurz danach wurde Roches durch Charles Descantons de Montblanc abgelöst.

Bibliografie

Literatur

  • Meron Medzini: French Policy in Japan. Harvard University Press, 1971, ISBN 0-674-32230-4.
  • S. Noma (Hrsg.): Roches. Léon. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993, ISBN 4-06-205938-X, S. 1272.

Einzelnachweise

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