Löherplatz

Platz in Idstein From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Löherplatz in Idstein ist nach dem König-Adolf-Platz und dem Marktplatz der dritte größere und zugleich jüngste Platz im historischen Stadtkern. Mit Ausnahme eines denkmalgeschützten Gebäudes stammt die Bebauung aus den 1990er Jahren. Der Platz wird für den Wochenmarkt und für Veranstaltungen genutzt.

Schnelle Fakten Platz in Idstein, Basisdaten ...
Löherplatz
Platz in Idstein
Löherplatz
Löherplatz in Idstein von Westen nach Südosten
Basisdaten
Ort Idstein
Angelegt 1994
Einmündende Straßen Schulze-Delitzsch-Straße, Löherplatz
Bauwerke Altes Gerberhaus, Stadthalle, Ev. Gemeindehaus, Wohn- und Geschäftshäuser
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr
Technische Daten
Platzfläche ca. 1.100 m²
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Lage und Namensherkunft

Der Löherplatz befindet sich am Rande des Altstadtbereichs von Idstein und liegt nur wenige Meter westlich der Unionskirche. Archäologische Untersuchungen 1990 und 1992 haben ergeben, dass der ehemalige Teil der westlichen Stadtmauer mitten durch den heutigen Platz verlief. Die Bezeichnung Löher ist ein alter Name für die Gerber, da sie mit Gerberlohe arbeiteten.[1]

Vorgeschichte

Seit dem Mittelalter verarbeiteten Gerbereien in diesem Teil der Stadt das Leder.[2] Große wirtschaftliche Bedeutung erlangte die Lederverarbeitung in der Stadt ab 1781, die sich vor allem in der namensgebenden Löhergasse ansiedelte. Überregional bekannt waren damals insbesondere die Weißgerber, da sie statt der Lohe Alaun benutzten und bereits zu dieser Zeit eine der größten Weißlederfabriken in Deutschland betrieben. 1810 gründete Franz Xaver Deninger in der Löhergasse eine große Saffianfabrik, aus der später die Lederfabrik Landauer und Donner hervorging.[3]

Von dem verheerenden Hochwasser am 10. Juli 1956 war auch die größte Lederfabrik Landauer & Donner betroffen, das große Schäden an Inventar und Produktionsmitteln erlitt.[4] Das wirtschaftlich bereits angeschlagene Unternehmen erholte sich von den Flutschäden nicht mehr und musste im Juni 1957 zwangsversteigert werden.[5] Die Stadt Idstein nutzte ihr Vorkaufsrecht und erwarb Fabrik und Gelände mit 4.497 Quadratmetern, davon 60 Prozent überbauter Fläche. Sie ließ die Gebäude 1958 bis 1963 abreißen.[6]

Geschichte

Der Löherplatz in Blickrichtung von Südosten nach Westen

Diese Leerfläche wurde anschließend bis in die 1980er Jahre als geschotterter Parkplatz genutzt. Der namenlose Platz wurde inoffiziell zunächst als Parkplatz an der Löhergasse bezeichnet, was auf Löherparkplatz verkürzt wurde, bis er nach einem Zeitungsbericht nur noch Löherplatz genannt wurde.[7][2] Die zunächst inoffizielle Bezeichnung wurde vom Magistrat durch einen Beschluss am 5. Januar 1993 für den neu zu gestaltenden Platz festgelegt und nach der Umgestaltung des Geländes 1994 als offizieller Name übernommen.[8]

Seit dem Abriss der Fabrik gab es in den kommunalen Gremien und der Öffentlichkeit wiederholt Überlegung und Pläne, den Platz neu zu gestalten und zu bebauen. Alle diese Pläne wurden wiederholt diskutiert, verworfen, neu oder in geänderter Form aufgenommen, und zogen sich insgesamt hin. 1980 wurde der Löherplatz in die Sanierungsmaßnahme Altstadt einbezogen, was zu grundlegenden Änderungen früherer Planungen führte.[9]

In zwei Studien wurde 1980 für die Bebauung des Platzes statt historisch nachempfundener Gebäude eine zeitgenössische Architektur empfohlen. Für die Nutzung waren Wohnungen, ein (später nicht verwirklichtes) Hotel sowie die gewerbliche Nutzung für Ladengeschäfte und Büros vorgesehen.[10] Als Grundlage der Planung diente ein Entwurf eines Frankfurter Architekturbüros, der einen nördlichen und einen südlichen Baukörper vorsah.[11] An der südöstlichen Ecke des Platzes war bereits zuvor der kleine Straßenzug namens Belzeck abgerissen und mit der Stadthalle neu bebaut worden, die 1987 eingeweiht wurde.[12][13]

Im August 1991 begann der erste Bauabschnitt am südlichen Baukörper, ein Jahr später der Bau des nördlichen Gebäudekomplexes.[14] 1993 bezogen die ersten Bewohner ihre Wohnungen im Südblock, 1994 folgte der Nordblock. Im gleichen Jahr wurde der eigentliche Platz gestaltet, auf dem bereits im Sommer 1994 Konzerte im Rahmen des Hessen-Jazz-Festivals stattfanden.[15]

Beschreibung

Das ehemalige Gerberhaus am Löherplatz

Der Platz hat die Form eines Trichters der von der Basis im Osten gewinkelt nach Westen fast spitz zuläuft. Die ehemalige Löhergasse an der Ostseite – inzwischen auch mit der Adresse Löherplatz – ist die einzige Seite mit altem Baubestand. Darunter befindet sich das ehemalige Gerberhaus aus dem Jahr 1816. Es ist das letzte Beispiel eines der früher zahlreichen Trockenspeicher der Lederindustrie und steht unter Denkmalschutz. Im westlichen Teil wird der Platz auf der Nord- und der Südseite von den Neubauten der 1990er Jahre geprägt. Am westlichen Ende befindet sich der Eingang zur Tiefgarage unter dem Platz.[16]

Der Blick auf dem Platz ist auf die Ostseite mit dem ehemaligen Gerberhaus und die Südostecke mit der benachbarten Stadthalle ausgerichtet. Ebenfalls im südöstlichen Bereich befindet sich ein Zierbrunnen. In einem Wettbewerb, an dem sich sieben Künstler und Künstlerinnen beteiligten, wurde der Entwurf der Frankfurter Künstlerin Inge Hagner ausgewählt und in überarbeiteter Form verwirklicht.[17]

Auf dem Boden des Platzes verweist ein Streifen aus Naturpflastersteinen auf den Verlauf der einstigen Stadtmauer. Der Löherplatz hat zugleich die Funktion des Marktplatzes übernommen, der dort zweimal die Woche stattfindet.[18][19]

Literatur

Commons: Löherplatz (Idstein) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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