Lü Pin
chinesische Frauenrechtlerin und Journalistin
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Lü Pin (chinesisch 吕频; geb. 1972 in Shandong) ist eine chinesische Frauenrechtlerin und Journalistin, die als Gründerin der Plattform Feministische Stimmen (女权之声) bekannt wurde.[1] Sie zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen des jüngeren chinesischen Feminismus und führt ihre Arbeit aus dem Exil in den Vereinigten Staaten mit transnationaler Öffentlichkeitsarbeit durch.[2]
Leben
Lü Pin wurde 1972 in der Provinz Shandong geboren.[3] Nach dem Studium an der Shandong-Universität begann sie im Jahr 1994 als Reporterin bei den Frauennachrichten China (中国妇女报), der Zeitung des Allchinesischen Frauenverbands.[1] Die Vierte UN-Weltfrauenkonferenz in Peking von 1995, über die sie als Journalistin berichtete, beeinflusste ihren Zugang zu Frauenrechtsfragen nachhaltig.[1] Nach etwa zehn Jahren im Staatsmedienbereich verließ sie die Zeitung und wandte sich unabhängiger publizistischer und feministischer Arbeit zu.[1][3] Im März 2015 reiste sie zu einer UN-Frauenrechtskonferenz nach New York; als in China fünf mit ihr verbundene Frauenrechtlerinnen wegen einer geplanten Aktion gegen sexuelle Belästigung im öffentlichen Verkehr festgenommen wurden und die Polizei anschließend ihre Pekinger Wohnung aufsuchte, blieb sie in den Vereinigten Staaten.[4][2][3] Sie studierte danach im US-Bundesstaat New York und promovierte im Programm Frauen und Politik der Rutgers University.[2][1]
Wirken
Bereits seit den 1990er-Jahren arbeitete sie an der Verbindung von Medienkritik und Frauenrechtsarbeit; aus diesem Umfeld ging ein freiwilliges Netzwerk zu Medien und Geschlechtergerechtigkeit hervor.[1] Im Jahr 2009 gründete sie die Frauenstimme (女权之声), die sich von einer Rundmail zu einer der einflussreichsten feministischen Medien- und Interessensplattformen Chinas entwickelte.[3][1][5] Die Plattform setzte auf publizistische Intervention und öffentliche Kampagnenpraxis und unterstützte oder popularisierte Proteste gegen häusliche Gewalt, Aktionen für mehr Frauentoiletten und Kampagnen gegen geschlechtsbezogene Benachteiligung im Bildungswesen.[6][3] Seit 2011 arbeitete Lü Pin enger mit jüngeren Bürgerrechtlerinnen an einem landesweiten feministischen Netzwerk; nach ihrem Umzug in die Vereinigten Staaten gründete sie 2016 in New York eine Organisation mit, welche die feministische Bewegung in China auch im Umfeld von #MeToo unterstützte.[5] Nach der Sperrung der Frauenstimme am 8. und 9. März 2018 verlagerte sie einen Teil ihrer Arbeit auf Arbeitskreise, englischsprachige Vermittlung und das Netzwerk Freie Chinesische Feministen.[3][2][7] Laut Lü sind offene Protest- und Kampagnenformen in China stark eingeschränkt und feministische Bürgerbewegungen daher primär in kleineren Gemeinschaften, in Alltagspraktiken und in digitalen Ausweichräumen zu finden.[8][6]