Lützelhausen

Ortsteil von Linsengericht From Wikipedia, the free encyclopedia

Lützelhausen ist neben Altenhaßlau (Linsengericht), Eidengesäß, Großenhausen (mit Waldrode) und Geislitz (mit Hof Eich und Eichermühle), einer der fünf Ortsteile der Gemeinde Linsengericht im hessischen Main-Kinzig-Kreis.

Schnelle Fakten Gemeinde Linsengericht ...
Lützelhausen
Gemeinde Linsengericht
Koordinaten: 50° 10′ N,  11′ O
Höhe: 174 m ü. NHN
Fläche: 2,46 km²[1]
Einwohner: 974 (30. Juni 2022)[2]
Bevölkerungsdichte: 396 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 63589
Vorwahl: 06051
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Geografie

Geographische Lage

Das Dorf liegt am Oberlauf des Schandelbaches, eines Nebenflusses der Kinzig, 180 m ü. NHN und 4,3 km südlich von Gelnhausen. Im Westen liegt einer der Zeugenberge des Spessarts, der Rauenberg, 280 m ü. NHN.

Lützelhausen liegt an der Landesstraße L3202, die den Ort im Südwesten mit dem Ortsteil Bernbach der Gemeinde Freigericht und im Nordosten mit der Kerngemeinde Altenhaßlau verbindet. Die Kreisstraße K897 führt im Osten zum Ortsteil Großenhausen.

Nachbargemeinden

Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn: die Ortsteile Altenhaßlau und Geislitz im Nord-Osten, Hof Eich im Osten und Großenhausen im Südosten, die Ortsteile Horbach und Bernbach der Gemeinde Freigericht im Südwesten. Es folgt der Ortsteil Niedermittlau der Gemeinde Hasselroth, das zu Gelnhausen gehörige Meerholz im Nordwesten sowie Gelnhausen im Norden.

Meerholz, Gelnhausen, Altenhaßlau, Geislitz,
Niedermittlau, Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Hof Eich,
Bernbach, Horbach, Großenhausen,

Geschichte

Ortsgeschichte

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Lützelhausen erfolgte unter dem Namen Lutzelnhusen im Jahr 1326.[1] In erhaltenen Urkunden wurde Lützelhausen 1556 auch als Luczelhausen erwähnt.[1]

Das Dorf gehörte im Mittelalter zum Gericht Altenhaßlau, aus dem sich das Amt Altenhaßlau entwickelte, das zur Herrschaft Hanau, später zur Grafschaft Hanau und schließlich zur Grafschaft Hanau-Münzenberg gehörte. In der Zeit um das Jahr 1400 brach eine große Bergwerksanlage in sich zusammen, in der Eisen und Kupfer gewonnen wurden. Der Bergbau hat in der Gemarkung des Ortes bis heute riesige Mulden hinterlassen. Vor und nach der Reformation war das Dorf in Altenhaßlau eingepfarrt. Die Reformation hatte hier – wie in der gesamten Grafschaft Hanau-Münzenberg – nach 1597 die reformierte Richtung eingeschlagen.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Dorf Lützelhausen. 1821 kam das Dorf, nunmehr im „Kurfürstentum Hessen“ genannten Hessen-Kassel gelegen, bei einer dort durchgeführten grundlegenden Verwaltungsreform zu dem neu gebildeten Landkreis Gelnhausen.

1908 wurde Lützelhausen ans Wassernetz angeschlossen, 1920 ans Stromnetz. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs siedelte sich kunststoffverarbeitende Industrie an. Einen Aufschwung durchlebte in dieser Zeit auch das Handwerk. Von 1958 bis 1960 wurde Auf dem Berg ein Hochbehälter errichtet, 1961 ein Feuerwehrhaus und 1965 eine Leichenhalle.

Ab 1972 wurde eine Umgehungsstraße zur Entlastung von Lützelhausen gebaut. Im Zuge von weiteren Straßenbegradigungsarbeiten wurde 1977–78 die alte Schule und das alte Rathaus abgerissen. Die wichtigste Einrichtung des Dorfes ist die Turnhalle. Sie entstand 1988/89 Auf dem Berg und verfügt über fünf moderne Tennisplätze.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Lützelhausen zum 31. Dezember 1971 in die im September 1970 neu gegründete Gemeinde Linsengericht als Ortsteil eingegliedert.[3][4][5] Seit 1974 gehört Linsengericht-Lützelhausen zum durch die Gebietsreform neu entstandenen Main-Kinzig-Kreis. Für Lützelhausen wurden ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Lützelhausen angehört(e):[1][7]

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lützelhausen 951 Einwohner. Darunter waren 30 (3,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 144 Einwohner unter 18 Jahren, 435 zwischen 18 und 49, 204 zwischen 50 und 64 und 168 Einwohner waren älter.[10] Die Einwohner lebten in 402 Haushalten. Davon waren 105 Singlehaushalte, 123 Paare ohne Kinder und 129 Paare mit Kindern, sowie 42 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 66 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 286 Haushaltungen lebten keine Senioren.[10]

Einwohnerentwicklung

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1587: 09 Schützen, 2 Spießer
  • 1632: 14 Dienstpflichtige
  • 1753: 30 Haushaltungen mit 147 Personen
  • 1812: 48 Feuerstellen, 313 Seelen
Lützelhausen: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2022
Jahr  Einwohner
1812
 
313
1834
 
269
1840
 
305
1846
 
353
1852
 
334
1858
 
294
1864
 
268
1871
 
253
1875
 
304
1885
 
301
1895
 
317
1905
 
341
1910
 
378
1925
 
381
1939
 
372
1946
 
506
1950
 
521
1956
 
515
1961
 
539
1967
 
614
1970
 
624
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
951
2022
 
974
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Zensus 2011[10]; Gemeinde Linsengericht[2]

Historische Religionszugehörigkeit

 1885:300 evangelische (= 99,67 %), ein katholischer (= 0,33 %) Einwohner[1]
 1961:493 evangelische (= 91,47 %), 45 katholische (= 8,35 %) Einwohner[1]

Politik

Für Lützelhausen besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[6] Der Ortsbeirat besteht aus acht Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 56,94 %. Dabei wurden gewählt: fünf Mitglieder der SPD, zwei Mitglieder der „Bürgerliste Lützelhausen“ (FWG) sowie ein Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen.[11] Der Ortsbeirat wählte Hans-Bernd Gerhold (SPD) zum Ortsvorsteher.[12]

Öffentliche Einrichtungen

Nahverkehr

Ganzjährig verkehrt die Buslinie MKK-63, des KVG und schafft öffentlichen Verkehrsanschluss zu allen Ortsteilen der Gemeinde Linsengericht, nach Gelnhausen und an die Kinzigtalbahn (Hessen) (Bahnhof Gelnhausen) sowie ins Freigericht. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Freiwillige Feuerwehr Linsengericht Süd-West

Die Freiwillige Feuerwehr Lützelhausen wurde am 1. Januar 2026 mit der Feuerwehr Großenhausen zur Feuerwehr Linsengericht Süd-West zusammengelegt. Die Feuerwehr Linsengericht Süd-West besteht aus der Einsatzabteilung, der Kinderfeuerwehr, der Jugendfeuerwehr, sowie der Ehren- und Altersabteilung.

Einsatz- und Gefahrenschwerpunkte sind:

  • Gewerbepark Birkenhain/Freigericht/Linsengericht.
  • Gewerbepark Am Weinberg I und zukünftig Am Weinberg II
  • einfache technische Hilfeleistung,
  • Linsengerichter Wald
  • Mehrere Gewerbebetriebe innerhalb der Ortschaften
  • Wasserförderung lange Wegstrecken.

Die Einsatzabteilung besteht (Stand 2026) aus 57 Frauen und Männern. Die Jugendfeuerwehr zählt 25 Mitglieder[13]. Die Kinderfeuerwehr besteht aus 20 Kindern.

Ausbildungszeiten sind für die Aktiven (ab 17 Jahren) Mittwochs ab 19:30 Uhr, für die Jugendfeuerwehr (ab 10 Jahren) Montags 18:00 bis 19:30 Uhr und für die Kinderfeuerwehr (ab 6 Jahren) Gruppe 1 Montags von 17:30 bis 18:30 Uhr, Gruppe 2 Dienstags 17:00 bis 18:00 Uhr.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kindertagesstätten

Die Gemeinde Linsengericht verfügt über vier Kitas in kommunaler Hand. Damit besteht die Möglichkeit der Kinderbetreuung für alle Ortsteil. „Durch weitere Träger wird das Angebot ergänzt und vervollständigt“[14].

Schulen

Grund- und Hauptschulen

Grund- und Hauptschulen in der Gemeinde Linsengericht sind:

  • Hasela-Grundschule, früher Grund- und Hauptschule in Altenhaßlau,
  • Martinsschule, eine Förderschule für den Schwerpunkt geistiger Entwicklung, seit 1980[15],
  • Brentano-Schule mit den Abteilungen: Förderschule mit Schwerpunkt Lernen, Förderschule mit Schwerpunkt Sprachheil-Förderung, sowie das Beratungs- und Förderzentrum,
  • Montessori-Schule[16].

Weiterführende Schulen

Weiterführende Schulen in der Region sind:

Vereine

Zahlreiche Vereine prägen das kulturelle und das gesellschaftliche Leben in Lützelhausen. Unter ihnen sind:

  • Freiwillige Feuerwehr Lützelhausen e. V.
  • Gesangverein „Sängerlust“ Lützelhausen 1896 e. V.
  • Kunstturnvereinigung Main-Kinzig 75 e. V.
  • Musikverein Lützelhausen 1962 e. V.
  • Theaterverein „Riwwelkuche“
  • Turnverein Lützelhausen 1913 e. V.

Hinzu kommen übergeordnete Vereine, die Linsengericht insgesamt umfassen.

Sehenswürdigkeiten

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Linsengericht-Lützelhausen

Wirtschaft

Im Jahr 2001 erfolgte die Erschließung des Gewerbegebietes Birkenhain, zusammen mit der Gemeinde Freigericht, welches eine Fläche von 15 ha hat. Dort siedelte sich, auf der Gemarkung Lützelhausen, Logistik, Produktion und Handel an.

2020 wurde das Gewerbegebiet Am Weinberg erschlossen. Es hat eine Fläche von 3 ha und beherbergt die Firma DeBeer Breidenbach, welche unterschiedliche Kunststoffteile produziert. Weiterhin hat sich die Firma Gebäudereinigung Daniel Baumann GmbH dort angesiedelt, welche mit über 250 Mitarbeitern Gebäudereinigungen aller Art anbieten.

Seit 2025 läuft die Erweiterung des Gewerbegebietes. Es entsteht Am Weinberg II mit 7,6 ha.[17]

Im Ort liegt eine Gewerbefläche von 1 ha, welche aktuell als Lager und Versand genutzt wird.

Literatur

  • Walter Engel: Die urkundlichen Ersterwähnungen der Linsengerichter Ortsteile in einer kurzen Zusammenfassung – Altenhaßlau – Eidengesäß – Geislitz mit Hof Eich, Großenhausen mit Waldrode – Lützelhausen. In: Mitteilungsblatt des Zentrums für Regionalgeschichte 30 (2005), S. 9. ISSN 0940-4198
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Marburg 1926., S. 213.
  • Literatur über Lützelhausen nach GND In: Hessische Bibliographie
  • Literatur über Linsengericht-Lützelhausen nach GND In: Hessische Bibliographie

Anmerkungen und Einzelnachweise

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