M. Boden

Kürschnerei, Handel mit Pelzwaren From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Unternehmen M. Boden in Breslau, gegründet 1869, bezeichnete sich 1909 und in späteren Jahren als „Deutschlands größtes Pelzwaren-Versandhaus“.[1][2][3]

M. Boden, Breslau, Ring 38 (1906)

Allgemein

Die schlesische Stadt Breslau heute Wroclaw in Polen, hatte als Handelszentrum und „Stapelplatz des Ostens“ eine alte und herausragende Stellung im Pelzhandel und der Kürschnerei, die dortige Kürschnerinnung wurde 1273 gegründet.[4] Der Reichsbund deutscher Kürschner verzeichnete im Jahr 1928 dort 80 Mitglieder.[5]

Firmengeschichte

M. Boden, königlich preußischer Kommissionsrat (etwa 1914)

M. Boden (geb. 22. April 1844; gest. 1916 im Alter von 71/72 Jahren) eröffnete 1869 in Breslau im Haus „Unter dem goldenen Anker“ (Pod Złotą Kotwicą) einen Pelzbetrieb. Das Unternehmen M. Boden trat öffentlich konsequent ohne den ausgeschriebenen Vornamen des Inhabers auf. Einer Gerichtsreportage des Jahres 1906 ist jedoch zu entnehmen, dass das „M“ für den Hofkürschnermeister Moritz Boden stand.[6] Er war Mitglied der Breslauer jüdischen Gemeinde.[7] Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Kurt und Fritz Boden das Unternehmen.[8]

Offenbar sehr bald betätigte sich Moritz Boden mit dem Versandhandel, einem Geschäftszweig, der sich um diese Zeit in anderen Branchen verbreitete. Ein Briefkopf des Jahres 1896 weist neben „Pelzwaaren eigener Fabrik“ zudem auf die „Fabrik feiner Kopfbedeckungen“ hin.[9] Bereits 1884 warb das Unternehmen mit einer Anzeige, die ungewöhnlich umfangreich möglichst jedes ihrer Angebote und jede Dienstleistung erwähnte, eine Art der Werbung, die es viele Jahre beibehielt.[1] Die Firma inserierte bis weit in die Umgebung und darüber hinaus. Im Jahr 1893 wird M. Boden in der Pfälzer Zeitung unter der Rubrik »Aussprüche über den Erfolg des „Inserirens“« zitiert: „Ich gebe alljährlich 6000 Mk. für Inserate aus und stelle mich gut dabei; ein Jahr lang hatte ich nicht inserirt und die 6000 Mk. gespart, habe aber trotzdem einen bedeutenden Ausfall erlitten und opfere gern diesen Betrag.“[10]

Im Jahr 1884 hatte sich das Unternehmen M. Boden, Kürschnermeister bereits mehrfach vergrößert, das Nachbargebäude Ring Nr. 36 auf der grünen Röhrseite war mit Haus Nr. 35 verbunden worden. Das Pelzwarenlager befand sich im Erdgeschoss und zwei Etagen.[11] Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keine weiteren Filialen unterhalten wurden. Im Jahr 1887 wurde als neue, einzige Adresse die Hausnummer 38 angegeben (heute Kamenieca 38[12]).[13]

Zum 35. Geschäftsjubiläum und 60. Geburtstag des Chefs und Firmengründers M. Boden am 22. April 1920 erwähnte der Sohn Kurt gegenüber der Belegschaft, dass jährlich über eine Viertelmillion Prospekte in alle Welt versandt wurden. „Überall ist der „Pelz-Boden“ bekannt und von allen Seiten zollt man seinen Fabrikaten selbst in den höchsten und allerhöchsten Kreisen die größte Anerkennung. Zieren doch jetzt 3 Wappen die stolze Firma, Zeichen königlicher, herzoglicher und fürstlicher Huld.“[14]

Zum M. Bodens 70. Geburtstag schrieb die Kürschner-Zeitung:

Herr M. Boden, kgl. preußischer Kommissionsrat, und Hoflieferant vieler Höfe, der Inhaber der rühmlichst bekannten Pelzwaren-Firma gleichen Namens in Breslau, feierte am 22. April seinen 70. Geburtstag. Hochgeachtet als einer der bedeutendsten seiner Branche, kann der Jubilar gleichzeitig auf ein 45jähr. Bestehen seiner Firma zurückblicken, welche er von kleinen Anfängen an durch emsigen Fleiß zu der jetzigen Höhe gebracht hat. Weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ist der gute Ruf des Hauses gedrungen und seine Fabrikate erfreuen sich bis in den höchsten Kreisen der größten Anerkennung. Davon legen 10 Hofprädikate beredtes Zeugnis ab. Hochverehrt von allen, die den Inhaber kennen, ist es ihm vergönnt, seinen 70. Geburtstag in seltener Frische zu begehen.[15]

Kurt(-Berthold) Boden begann am 2. April 1896 eine Kürschnerlehre, die er bereits nach einem Jahr erfolgreich abschloss. Später bildete er sich fort bei Auslandsaufenthalten in Paris und London. Beim Militär erreichte er den Rang eines Leutnants, später als Dragoner.[14.1] Mit seiner Frau Valeska („Fritzchen“, geb. Künzel, geb. 28. Mai 1855)[14.2] hatte er drei Töchter.[14.3][14.4]

Fritz Boden

„Elegante Pelze.“ Inserat Fritz Boden, München (1930)

Fritz Boden, Sohn von Moritz Boden und Berta Boden, geb. Bindig, war um 1927 Vertreter des Reichsbundes deutscher Kürschner.[16] An der Ausrichtung der Festlichkeiten anlässlich des 650-Jahr-Jubiläums Kürschner-Zwangs-Innung zu Breslau war Konsul Fritz Boden noch führend beteiligt gewesen.[17] Im Jahr 1922 wurde In München in der ersten Etage der Theatinerstraße 48 eine Zweigstelle eröffnet.[18] Dem Adressbucheintrag des Jahres 1930 ist zu entnehmen, dass die Dependance, jetzt auf der Theatinerstraße 50, unter dem Namen Fritz Boden firmierte.[19]

Fritz Boden, bis spätestens 1940 bolivianischer Honorarkonsul, in den Meldeunterlagen ist für ihn „Mischling 2. Grades mit volljüdischen Großelternteil“ vermerkt, überlebte den Holocaust. Er war verheiratet mit der ebenfalls aus Breslau stammenden Katharina Boden (geb. Fünzel; verw. Kulke; Sohn Wilhelm Kulke aus erster Ehe). Die 1914 geschlossene Ehe wurde im Juli 1932 wieder geschieden. Den Gewerbekarten ist zu entnehmen, dass Fritz Boden seit den 1940er Jahren in den Münchner Vororten Gräfelfing und Lochham wohnhaft war. Bei der Angabe der Konfession wurde stets evangelisch (ev.) vermerkt.[20]

Im Jahr 1933 ist Fritz Boden als Pelzspezialgeschäft mit eigener Kürschnerei im Adressbuch der Stadt München auf der Theatinerstraße 50 eingetragen, dazu die Wohnung Leopoldstraße 713,[21] 1935 noch als Geschäftsführer und Konsul nur mit der Firmenadresse.[22] Spätestens im Adress- und Branchenverzeichnis des Jahres 1938 ist Fritz Boden nicht mehr aufgeführt. Ein Eintrag auf seiner, in der Behörde geführten Gewerbekarte zeigt, dass der Betrieb am 6. Mai 1937 abgemeldet wurde. Nachfolger war die Pelze Peter Bauer K.-G. Die Kürschnerei Peter Bauer ist noch 1950 und später im Fachverzeichnis aufgeführt, jetzt mit der Adresse Marienplatz 2/0. Vom 17. August 1938 bis Januar 1940 hatte Fritz Boden eine Handelsvertretung für Lacke und Farben mit Büro auf der Ludwigstraße 11/0 angemeldet. Ein Stempel auf seiner Gewerbeanmeldung besagt: „Deutsch im Sinne d. 3. VO. z. R. Bürg. Gesetz lt. eidesstaatlich. Erklärung, 18. Aug. 1938“. In zweiter Ehe war er verheiratet mit Ellen Margret Boden geb. Fuccius (geb. 5. Februar 1910 in Wuppertal). Mit ihr zusammen betrieb er nach dem Krieg, vom Juli 1946 bis Juli 1961, einen Lotterieannahmestelle.[20]

In der Nachkriegsausgabe des Fachadressbuchs aus dem Jahr 1950 ist die Kürschnerei Fritz Boden wieder verzeichnet, jetzt auf dem Marienplatz 28, von 1953 bis 1957 ergänzt um Marienplatz 8, anstelle der noch 1950 in den Räumen befindlichen Kürschnerei Adolf Petritschek.[23] Zum Ende des Jahres 1957 wurde die Firma M. Boden, mit dem amtlichen Vermerk „ohne Nachfolger“, abgemeldet.[20]

Kurt Boden war der Bruder des Internisten Erich Boden, der den Holocaust zum Kriegsende versteckt in Büderich (Meerbusch) überlebte.

Das große Pelzwaaren-Lager (Inserat 1884)

Grottkauer Kreisblatt, August 1884
Das große Pelzwaaren-Lager von M. Boden, Kürschner-Meister, Breslau, Ring 35, grüne Röhrseite, parterre, 1. und 2. Etage.

Prämiirt in der „Schlesischen Gewerbe- und Industrie-Ausstellung“ in Breslau 1881, empfiehlt

Herren-Nerzpelze von 40 Thaler an, Herren Geh- und Reisepelze von 25 Thaler an, Comptoir- Haus- und Jagdpelzröcke von 10 Thaler an, Herren-Schlafpelze von 12 Thaler an, Livree-Pelze für Kutscher und Diener von 15 Thaler an, Elegante Damen-Pelzmäntel von 16⅔ Thaler an, Theater- Ball - und Concert-Radmäntel für Damen in verschiedenen Farben und Mustern von 13⅓ Thaler an. Damen-Pelzjacken von 6 Thaler an, Fußsäcke von 1½ Taler an, Neueste modernste Damen-Bretts und Hüte von 2½ Thaler an. Großartige Auswahl von Damen-Pelzgarnituren in Zobel und Marder, Nerz-, Skunks- und Iltismuffen von 5 Thaler an, Eisvogel-, Luchs-, Dachs- u. Bärenmuffen von 5 Thlr. an, Waschbär- u. Scheitelaffen-Muffen von 2½ Thlr. an, Feh-, Bisam- u. imitirte Skunks- u. Genotten-Muffen von 2 Thlr. an, Jagd-Muffen von 1½ Thlr. an, Kinder-Garnituren von 1 Thlr. an, Pelz-Teppiche von 2½ Thlr. an, Schlittendecken u. verschiedene Pelzmützen. Damen-Geh- u. Reise-Pelzmäntel, Pelz-Dolmans nach den neuesten Modellen, mit echtem Sammet und Seidenrips, Wollrips und damascierten verschiedenen Stoffbezügen mit Pelzfutter und Pelzbesatz. Zu extra feinen Bestellungen kann ich dem geehrten Publikum mit den edelsten Pelzgattungen, wie virginische Seeotter, sibirischen und amerikanischen Zobel, Baum- und Steinmarder dienen. – Gleichzeitig empfehle mein reichhaltiges Lager moderner Herren- und Damen-Pelzbezugstoffe, sowie fertiger Pelzbezüge zum Verkauf. Für alle aus meinem Lager bezogenen Gegenstände übernehme ich jahrelange Garantie, da sämmtliche Sachen meine eigenen Fabrikate und keine Handelsartikel sind. Umarbeitungen und Modernisirungen aller Pelzgegenstände, wenn dieselben auch nicht von mir gekauft sind, werden in meiner eigenen Werkstatt am billigsten und reellsten ausgeführt. Auswahlsendungen werden bei ungefährer Preisangabe und Aufgabe von Referenzen ohne Spesenrechnung portofrei zugesandt, dagegen ohne Referenzen nur gegen Postnachnahme und ist der Umtausch jederzeit gestattet. Bei Bestellungen von Herrenpelzen bitte ich als Maaß die Rückenbreite und Aermellänge, bei Damenpelzen eine Kleidertaille beizufügen, wo ich alsdann die Garantie für gut passend übernehme. Um alle an mich gerichteten Aufträge nach Wunsch ausführen zu können, ersuche ich meine hochgeschätzte Kundschaft, etwaige Bestellungen im eigenen Interesse rechtzeitig aufgeben zu wollen. Der Zuspruch in meinem Geschäft ist ein fortwährend wachsender, weshalb die wiederholte Vergrößerung der Geschäftsräume nothwendig geworden ist. Ich habe daher mein Nachbarhaus, Ring 36, mit meinem alten Geschäftslokal, Ring 35, verbinden lassen, so daß das geehrte Publikum jetzt in jeder Weise bequem expedirt werden kann.
Extra-Bestellungen werden innerhalb 12 Stunden prompt ausgeführt.
Das große Pelzwaaren-Lager von M. Boden Breslau Ring 35 Parterre, 1. und 2. Etage, unterhält weder in Breslau noch in irgendeiner anderen Stadt des deutschen Reiches Zweig-Geschäfte. Es sind demnach alle darauf hinzielenden Ankündigungen und Offerten nur auf Täuschung des Publikums berechnet, weshalb ich das geehrte Publikum im eigenen Interesse nochmals ersuche, beim Ankauf von Pelzgegenständen nur auf die Adresse Nr. 35, M. Boden Breslau Ring Nr. 35 zu achten.
Commons: M. Boden, Kürschnermeister – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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