Maestà

thronenden Madonna mit dem Jesuskind; im Unterschied zur Sedes sapientiae oft von Engeln und Heiligen umgeben From Wikipedia, the free encyclopedia

Maestà [ma.eˈsta] (italienisch; von lateinisch maiestas) bedeutet „Majestät[isch]“, „Erhabenheit“, „Herrscherwürde“. Der Begriff wird in der Kunst für die Darstellung der thronenden Madonna mit dem Jesuskind verwendet. Im Unterschied zur Maestà-Skulptur, der Sedes sapientiae, ist die gemalte Maestà meist von Engeln und Heiligen umgeben, zu denen noch Tugendfiguren und Stifterbildnisse treten können.

Simone Martini: Maestà, Fresko im Palazzo Pubblico, Siena, 1315–1321

Herkunft

Der ikonografische Typ der Maestà entstand aus antiken Bildtraditionen (etwa offizieller Staatsportraits), in denen sich die christliche Symbolik zunächst entwickelte.[1] Im Christentum ist der Thron ein zentrales Symbol der Macht, auch im sakralen Sinn. So wird er im Alten Testament (z. B. bei Hesekiel 1, 1–28, Jesaja 14, 13–15, 66, 1) genauso wie im Neuen bei Lukas (1, 23), Matthäus (24, 29–31) bis zur Apokalypse (Johannes, 1, 4; 4, 1–11) beschrieben.[2]

In der Byzantinischen Kunst entstanden Mosaiken der thronenden Gottesmutter (Nikopoia) in der Basilika Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna um 500 oder etwa 50 Jahre später für die Apsiskalotte der Euphrasius-Basilika in Poreč. In Ravenna werden ihr auf einer Ebene je zwei weiß gekleidete Engel seitlich angereiht, in Poreč sind es zwei Engel, die ihr und den Gläubigen je drei Heilige mit ihren Attributen empfehlen. Aus dem 9. Jahrhundert stammt das Mosaik der thronenden Maria in der Apsis der Hagia Sophia. Allen ist gemeinsam, dass Maria und das segnende Jesuskind auf ihrem Schoss frontal zur Bildebene sitzen, ein dickes Kissen quillt zu beiden Seiten ihrer Hüfte hervor. Der wie mit Edelsteinen ornamentierte Thron steht auf einer einfachen Empore und gleicht eher einer Sitzbank, die nur in Ravenna eine Rückenlehne aufweist. Ein Fresko in den römischen Katakomben von Commodilla aus dem Jahr 528 zeigt einen Thron wie in Ravenna, das Jesuskind hat eine Papyrusrolle in den Händen. Zwei weiß gekleidete flankierende Figuren sind als Märtyrer unter Diokletian um 300 gestorbenen Felix und Adauctus betitelt, letzterer empfiehlt bemerkenswerterweise schon eine etwas kleiner dargestellte, schwarz gekleidete Stifterin.[3]

Auch einen Ikonentypus der thronenden Gottesgebärerin (Theotókos Kyriotissa) gab es, wie die Enkaustik aus dem Katharinenkloster in Sinai vom Anfang des 7. Jahrhunderts. Die frontale, aber lebendig wirkende Sitzgruppe der Maria mit dem Jesuskind (segnend, mit Papyrusrolle in der linken Hand) wird von etwas entkörperlichten Frontalfiguren der Soldatenheiligen Theodor und Georg flankiert, während im Hintergrund fast „impressionistisch“ im antiken Stil zwei ätherische Engel gemalt sind.[3]

In karolingischer Zeit kommen der Idolatrie verdächtige Christus-, Marien- und Heiligenbilder kaum vor, nur selten in Elfenbein oder als Goldschmiedearbeit, selbst die Buchmalerei beschränkt sich auf die figürliche Darstellung der Evangelisten als Textautoritäten.[4]

13. und 14. Jahrhundert

Besonders häufig entstanden Darstellungen der Maestà in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und im 14. Jahrhundert als Fresken (Wandgemälde) oder als Tafelmalerei auf Altaraufsätzen aus Holz (sogenannte Retabeln).

Die Kette der berühmten Maestàs der toskanischen Malerei beginnt mit Duccios Fresko in der Basilika San Francesco in Assisi von 1278–1280 und seiner Rucellai-Madonna (um 1285), gefolgt von Cimabues Maestà für Santa Trinità vom Ende des 13. Jahrhunderts, deren Mariendarstellungen noch byzantinisch anmuten. Beide befinden sich heute in den Uffizien in Florenz, wo auch Giottos Madonna Ognissanti (um 1310) hängt, das sich dem Naturalismus zuwendet. Ambrogio Lorenzetti schuf mehrere bedeutende Bilder dieses Themas, u. a. die Maestà von Massa Marittima (ca. 1335), bei denen er die Schar der Heiligen und Engel um drei theologische Tugenden erweiterte.

Berühmte Umsetzungen des Bildtyps in Siena sind die für den Hauptaltar des Doms geschaffene Maestà des vermutlich aus Siena gebürtigen Duccio (1308–1311, heute im Museo dell’Opera del Duomo) und das Fresko von Simone Martini (1315–1321) im Palazzo Pubblico.

Bildbeispiele

Literatur

Commons: Maestà – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Maestà. In: Beyars.com..

Einzelnachweise

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