Blaue Heckenkirsche
Art der Gattung Heckenkirschen (Lonicera)
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Die Blaue Heckenkirsche (Lonicera caerulea), auch Blaue Doppelbeere oder Sibirische Blaubeere, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Heckenkirschen (Lonicera) innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Sie ist zirkumpolar verbreitet.
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Blaue Heckenkirsche (Lonicera caerulea) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
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Sie ist die einzige Heckenkirschen-Art, die für den Menschen genießbare Früchte ausbildet, wobei nordostasiatische Vorkommen deutlich wohlschmeckendere Beeren ausbilden als nordamerikanische und europäische Vorkommen. Daher wurden aus ihren östlichen Verbreitungsgebieten die Bezeichnungen Kamtschatka-Beere (russische Halbinsel), Gimolost (russischer Name der Beere) und Haskap (Name der Beere bei den kurilischen und nordjapanischen Ainu-Ureinwohnern) entlehnt und insbesondere als Sammelbegriffe für ihre Zuchtsorten, aber auch verallgemeinert auf die gesamte Art etabliert. Weitere häufige Bezeichnungen sind (mit Bezug auf den sehr frühen Erntezeitraum, teilweise markenrechtlich geschützt) Maibeere, Erstbeere sowie Honigbeere.
Beschreibung
Vegetative Merkmale




Die Blaue Heckenkirsche ist ein kahler bis mehr oder weniger behaarter Strauch, der Wuchshöhen von 60 bis 80, selten bis über 150 Zentimetern erreicht. Die nicht windenden Äste und Zweige enthalten ein volles, weißes Mark, ihre Rinde ist anfangs rötlich- bis dunkelbraun sowie teilweise bereift und später graubraun sowie abblätternd.
Die Winterknospen sind braun-rot, teilweise bläulich bereift. Die Endknospen sind bei einer Länge von neun Millimetern kugelig mit einer ausgezogenen Spitze. Die Seitenknospen sind eilänglich, abstehend und besitzen gekielte Knospenschuppen. Häufig kommen seriale (nach oben kleiner werdende) Beiknospen vor.
Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der behaarte Blattstiel ist bis zu fünf Millimeter lang. Die einfache, spitze bis rundspitzige Blattspreite ist bei einer Länge von bis zu sieben Zentimetern elliptisch oder eiförmig bis verkehrt-eiförmig und ganzrandig; sie ist matt mit bläulichgrüner, locker behaarter Oberseite und hellerer, vor allem auf den Nerven behaarter Unterseite; der Rand ist bewimpert.[1]
Generative Merkmale
Die Blütezeit kann je nach lokalem Klima und Höhenlage bereits im März beginnen.[2] Die zwittrigen, fünfzähligen und gelblich-grünen, schwach zygomorphen (fast radiärsymmetrischen) Blüten mit doppelter Blütenhülle hängen zu zweit in den Blattachseln an einem gemeinsamen Stiel (Hypopodium), der kürzer als die Blüten ist. Sie sind von verschiedenen Deckblättern begleitet, die zwei längeren äußeren sind behaart. Der Kelch ist nur sehr klein mit minimalen Zipfeln. Die behaarte, etwa einen Zentimeter lange Krone ist röhrig verwachsen mit kürzeren Zipfeln. Die fünf Staubblätter sind leicht vorstehend. Der zweikammerige Fruchtknoten ist unterständig. Die beiden Fruchtknoten mit schlanken Griffeln eines Blütenpaares sind fast vollständig frei in den inneren verwachsenen Deckblättern. Es sind in einer Aussackung unten in der Kronröhre Nektarien vorhanden.[1]
Aus diesen zwei Fruchtknoten entstehen, falls eine Befruchtung erfolgt, bis über 1,5 (bei Kultivaren bis 4) Zentimeter lange, wenigsamige, schwarzblaue, rundliche bis ellipsoide, „bereifte“ Doppelbeeren in den fleischigen inneren Deckblättern (Scheinfrucht, Pseudocarp) mit beständigen äußeren Deckblättern. Die abgeflachten, bräunlichen Samen sind bis zwei Millimeter lang.
Die Chromosomenzahl beträgt je nach Varietät 2n = 18 oder 36.[3]
Systematik, Etymologie, Verbreitung

Die Erstveröffentlichung von Lonicera caerulea erfolgte 1753 durch Carl von Linné in seinem Werk Species Plantarum, Tomus I, Seite 174. Der Gattungsname Lonicera ehrt den deutschen Mathematiker, Arzt und Botaniker Adam Lonitzer (1528–1586, latinisiert als Lonicerus). Das Art-Epitheton caerulea ist die lateinische Vokabel für „blau“.
Die zirkumpolar verbreitete Art wird in den taxonomisch maßgeblichen botanischen Datenbanken hinsichtlich der Einstufung ihrer verschiedenen Sippen als Varietäten oder Unterarten unterschiedlich beschrieben.
Nach Plants of the World Online (POWO), einem 2017 von den Royal Botanic Gardens (Kew) initiierten internationalen Kooperationsprogramm, wird die Art in fünf Unterarten und eine Varietät untergliedert[4]:
- Lonicera caerulea subsp. altaica Pall. Gladkova: Das Unterart-Epitheton altaica verweist auf die zentralasiatische Altai-Gebirgsregion als eines ihrer Verbreitungsgebiete. Sie ist darüber hinaus im nord- und osteuropäischen Russland, Sibirien, Kasachstan und der Mongolei weitverbreitet.[5]
- Lonicera caerulea subsp. borbasiana (Kuntze) E.Mayer: Das Unterart-Epitheton borbasiana ehrt den ungarischen Botaniker Vincze von Borbás (1844–1905); ihr Verbreitungsgebiet ist der Nordwesten der Balkanhalbinsel.[6]
- Lonicera caerulea L. subsp. caerulea: Diese Unterart als nominotypisches Taxon ist weitverbreitet in zahlreichen europäischen Ländern (jedoch nicht Portugal, Benelux-Länder, Britische Inseln, Dänemark, Polen, Griechenland), in der östlichen Hälfte Nordasiens und in weiten Teilen Ostasiens (ohne Südost-China). In Zentralasien und in der Westhälfte Nordasiens kommt sie nicht vor.[7] In Deutschland sind ihre Vorkommen auf den äußersten Süden beschränkt.[8] POWO listet für diese Unterart 38 Synonyme auf, darunter die bei GRIN als Varietäten geführten Subtaxa dependens, edulis, emphyllocalyx und kamtschatica.
- Lonicera caerulea var. cauriana (Fernald) B.Boivin: Sie ist ausschließlich im Nordwesten Nordamerikas verbreitet, und zwar in den kanadischen Provinzen Alberta, British Columbia und Manitoba sowie in den US-Bundesstaaten Kalifornien, Idaho, Montana, Nevada, Oregon, Washington und Wyoming. Das Unterart-Epitheton cauriana ist abgeleitet von der lateinischen Bezeichnung „caurus“ für Nordwestwind.[9]
- Lonicera caerulea subsp. pallasii (Ledeb.) Browicz: Sie ist in Schweden, den baltischen Staaten, Kasachstan und in weiten Teilen Russlands (ohne den äußersten Südosten) verbreitet. Das Unterart-Epitheton pallasii ehrt den preußischen Naturforscher, Geographen und Entdeckungsreisenden Peter Simon Pallas.[10]
- Lonicera caerulea subsp. stenantha (Pojark.) Hultén ex A.K.Skvortsov: Diese Unterart kommt in Afghanistan, Kasachstan, Kirgisistan, Pakistan, Tadschikistan, Usbekistan und im westlichen Himalaya vor. Das Unterart-Epitheton stenantha leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet „schmalblütig“.[11]
In der taxonomischen Systematik nach GRIN (Germplasm Resources Information Network), einer Datenbank des Agricultural Research Service (ARS) des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA), wird die Art in neun Varietäten untergliedert[12]:
- Lonicera caerulea var. altaica Pall.: Bei POWO ist diese Varietät als Synonym der gleichnamigen Unterart geführt.[5]
- Lonicera caerulea var. caerulea: nominotypische Varietät, bei POWO als Unterart.
- Lonicera caerulea var. cauriana (Fernald) B. Boivin: wie bei POWO (s. o.)[9]
- Lonicera caerulea var. dependens (Regel ex Dippel) Rehder: Das Epitheton dependens ist die lateinische Vokabel für „herabhängend“. Bei POWO ist diese Varietät als Synonym der nominotypischen Unterart geführt.[7]
- Lonicera caerulea var. edulis Turcz. ex Herder: Das Epitheton edulis bedeutet „essbar“ (vom lateinischen edere für „essen“). Bei POWO ist diese Varietät als Synonym der nominotypischen Unterart geführt.[7]
- Lonicera caerulea var. emphyllocalyx (Maxim.) Nakai: Das Epitheton emphyllocalyx ist aus dem Griechischen entnommen und bedeutet „beblätterter Kelch“, weist also auf besonders ausgeprägte oder eng mit dem Kelch verbundene Hochblätter hin. Bei POWO ist diese Varietät als Synonym der nominotypischen Unterart geführt.[7]
- Lonicera caerulea var. kamtschatica Sevast.: Das Epitheton kamtschatica verweist auf die russische Halbinsel Kamtschatka. Bei POWO ist diese Varietät als Synonym der nominotypischen Unterart geführt.[7]
- Lonicera caerulea var. pallasii (Ledeb.) Cinovskis: Bei POWO ist diese Varietät als Synonym der gleichnamigen Unterart geführt.[10]
- Lonicera caerulea var. villosa (Michx.) Torr. & A. Gray: Das Epitheton villosa ist die lateinische Vokabel für „behaart“ oder „zottig“ und bezieht sich auf die charakteristische Behaarung der jungen Triebe und oft auch der Blätter dieser Varietät. Sie ist vom östlichen Kanada bis zu den nordwestlichen und nördlich-zentralen USA verbreitet. Bei POWO ist sie als eigenständige Heckenkirschen-Art Lonicera villosa (Michx.) Schult. geführt.[13]
Vorkommen in Europa
In Europa kommen nach dem taxonomischen Konzept von POWO[4] neben der nominotypischen Unterart caerulea[7] noch die Subspezies borbasiana[6] und pallasii[10] vor, insbesondere in Hochgebirgsregionen und in kühlen, nordischen Gebieten. Ein Hauptvorkommen liegt in den Alpen und dem Alpenvorland. In Deutschland kommt sie nur in Baden-Württemberg und Bayern vor[14], in Österreich in allen Bundesländern außer Wien und Burgenland, in der Schweiz in den Alpen, am Alpenrand des Mittellandes und im Jura.[15] Weitere Populationen finden sich in den Pyrenäen, im Bayerischen Wald sowie in Gebirgen Südosteuropas (z. B. Bulgarien, Rumänien) und Italiens. Weitere natürliche Bestände erstrecken sich von Skandinavien (Schweden, Finnland) über das Baltikum und weite Teile des nördlichen Russlands bis in die Ukraine.[16]
Die Blaue Heckenkirsche wächst in feuchten Wäldern, Gebüschen, in der Krummholzregion und in Hochmooren. Sie besiedelt vor allem feuchte bis nasse, nährstoff- und kalkarme Rohhumus-Böden und kommt von der subalpinen bis zur montanen Höhenstufe bis in Höhenlagen bis zu 2100 Metern vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil auf der Mutte nahe der Jöchelspitze bis in eine Höhenlage von 2010 Meter auf.[17] In Mitteleuropa ist sie eine Charakterart der Ordnung der Fichtenwälder (Piceetalia abietis), kommt aber auch in den Gesellschaften der Ordnung der Schlehen-Hecken (Prunetalia spinosae) und der Grau-Weiden-Gebüsche (Salicion cinereae) vor.[3]
Die Zeigerwerte nach Ellenberg weisen sie als subkontinentale, subalpine oder boreale Halbschattenpflanze sowie als Kühlezeiger, Feuchte- bis Nässezeiger, Starksäure- bis Säurezeiger und salzintoleranten Nährstoffarmut-Zeiger aus.[18] Die Zeigerwerte nach Landolt ergeben für die Schweiz ein weitgehend übereinstimmendes Bild.[15] Die Blaue Heckenkirsche gehört damit zu den Pflanzen, deren Wuchsbedingungen an ihren natürlichen Vorkommensschwerpunkten sehr stark abweichen von ihrem physiologischen Idealbereich und entsprechenden Kultivierungsansprüchen.
Ökologie
Die Blaue Heckenkirsche gehört zu den vorwiegend insektenbestäubten Pflanzen; ihre Blüten sind einfach und für die meisten Insekten leicht zugänglich aufgebaut. Die Ergiebigkeit der Blüten wird angegeben mit einem Wert von 2 (mittel) sowohl für den Pollenwert wie auch den Nektarwert. Die Blüten erscheinen je nach lokalem Klima und Höhenlage bereits ab März und stellen mit ihrer sehr frühen Blütezeit eine besonders wichtige Nahrungsquelle für entsprechend früh im Jahr aktive Insekten (z. B. überwinternde Schmetterlingsarten, Hummelköniginnen und Wildbienen) dar. Aufgrund der zu dieser Zeit oft noch niedrigen Temperaturen spielen Honigbienen bei der Bestäubung nur selten eine Rolle.
Nicht nur die Blüten, sondern auch das Blattwerk hat einen sehr hohen ökologischen Wert für die Insektenwelt: Bislang wurde für mindestens 27 verschiedene tag- und nachtaktive Schmetterlingsarten (z. B. Heckenkirschen-Scheckenfalter und Hummelschwärmer)[18] nachgewiesen, dass sie die Blaue Heckenkirsche als Raupenfutterpflanze angenommen haben; acht Arten davon wurden auch beim Blütenbesuch beobachtet.[19]
Nutzung
Die Beeren der Blauen Heckenkirsche sind in der Europäischen Union seit Ende 2018 im Rahmen der Novel-Food-Verordnung als neuartiges Lebensmittel für den menschlichen Genuss zugelassen.[20] Über den primären Einsatz als Beeren-Nutzstrauch hinaus wird sie wegen ihrer dekorativen Blüten und bemerkenswerten Früchte auch als Zierstrauch verwendet und als einer der ersten blühenden, insektenfreundlichen Frühlingsboten geschätzt.
Geschichte der Kultivierung
Blaue Heckenkirschen werden seit Jahrhunderten in Russland, im Norden Chinas und im Norden Japans als Nahrungsmittel geschätzt, in der Volksmedizin verwendet und in der Wildnis gesammelt. Als frühester schriftlicher Nachweis aus dieser Region gilt ihre Erwähnung in der „Beschreibung des Landes Kamtschatka“ des russischen Entdeckers und Geografen Stepan Petrowitsch Krascheninnikow aus dem Jahr 1755.[21]
Die Blaue Heckenkirsche wurde erstmals 1894 als Gartenpflanze erwähnt. 1913 wurden in Russland erste Züchtungsaktivitäten gestartet. In den 1920er-Jahren wurden aus Russland stammende Pflanzen nach Kanada eingeführt. Seit den 1950er-Jahren beschäftigen sich sibirische Züchter mit der Frucht; auf der japanischen Nordinsel Hokkaidō begannen japanische Wissenschaftler in den 1960er-Jahren ein erstes Züchtungsprogramm.[22]
Ende der 1990er-Jahre begannen auch in der westlichen Welt Züchtungsbemühungen zur Fruchtgewinnung, maßgeblich angestoßen von Maxine Thompson (Professorin an der Oregon State University (OSU)) mit ihrem weitgehend auf japanische Selektionen basierenden Züchtungsprogramm und Jim Gilbert, der in seiner Baumschule „One Green Earth“ in Portland russische Sorten mit anglisierten Namen verkaufte. Die an der OSU entstandenen Sorten sind heute durch US-Patente geschützt.[23]
Auf diesen Aktivitäten in Oregon setzte 1998 die kanadische University of Saskatchewan auf und verfügte 2008 über eine der vielfältigsten Sammlungen weltweit mit 35 benannten russischen Kultivaren, über 70 Sorten vom „japanischen Typ“, sechs kurilische Sorten, Hunderten von Sämlingen aus dem OSU-Züchtungsprogramm und etwa 600 Zugängen aus den borealen Wäldern Kanadas. Aus umfangreichen Züchtungsprogrammen unter der Leitung von Bob Bors gingen diverse robuste und leistungsstarke Sorten für den Plantageneinsatz und den Laienanbau/Hobbygarten hervor.[24]
In Russland gelten das N.I. Vavilov Research Institute of Plant Industry in Sankt Petersburg und das Sortenprüffeld FGUP „Baktscharskoje“ Rosselhozakademia in der Oblast Tomsk[25] als führende Züchtungsinstitutionen, die ebenfalls robuste und leistungsstarke Sorten hervorgebracht haben.[26] Weitere renommierte Züchtungszentren gibt es u. a. in China, Polen, Japan und den USA.[22][21]
Sorten

Heute sind im deutschsprachigen Raum u. a. die folgenden Zuchtsorten bekannt:
- 'Altaj': Im deutschsprachigen Raum bei verschiedenen Anbietern im Sortiment, nur marginale Informationen zur Sortencharakteristik auffindbar.
- 'Amphora': Russische Sorte; mittlere Reifezeit; süß-säuerlicher Geschmack mit starkem Aroma; bis zu 2,7 kg Ertrag pro Strauch.[27]
- 'Atut' (übersetzt „Trumpf“): Polnische Sorte; Beeren ca. 2 cm lang; ausgewogenes Zucker-Säure-Verhältnis.[27]
- 'Aurora': Kanadische Sorte; früh bis mittelfrüh mit folgernder Reife; sehr ertragreich; sehr große und lange Früchte (3–4 cm), ausgeprägt süß mit feiner Säure, weich, sehr saftig; für Frischverzehr und Verarbeitung.[28]
- 'Bakczarskij Velikan' (übersetzt „Riese von Baktschar“): Russische Sorte; mittelspät; sehr ertragreich; große Früchte (bis 4 cm), ausgewogen süß-säuerlich und aromatisch, süßkirsch-ähnlicher Nachgeschmack; fest, saftig; für Frischverzehr und Verarbeitung, Tiefkühlsorte.[28][27]
- 'Bakczarskaja Jubilejnaja': Russische Sorte (Jubiläumssorte des Baktschar-Sortenprüffeldes); mittelfrüh bis mittelspät; sehr ertragreich; große Früchte (2,5–3 cm), ausgewogen süß-säuerlich mit aromatischem Beerenbukett, fest, saftig; für Frischverzehr und Verarbeitung, Tiefkühlsorte.[28][27]
- 'Balalaika' (= 'Kojulkb'): Besonders reich fruchtende Selektion; große Früchte (bis 3 cm)[29], im deutschsprachigen Raum bei verschiedenen Anbietern im Sortiment, nur marginale Informationen zur Sortencharakteristik auffindbar.
- 'Berry Blue': Sorte russischer Abstammung; mittlere Reifezeit; ertragreich; mittelgroße Früchte (~2 cm), sauer/herb bis süß/aromatisch; vor allen Dingen als Bestäuberpflanze und zur Ertragssteigerung genutzte Pflanze, geeignet auch für maschinelle Ernte.[30]
- 'Blue Banana': US-amerikanische Sorte; mittelspät; große Früchte (bis 3 cm), sehr süß, saftig; geeignet auch für maschinelle Ernte.[28]
- 'Blue Treasure': US-amerikanische Sorte; mittelspät; große Früchte (2,5–3 cm), sehr saftig, aromatisch; geeignet auch für maschinelle Ernte.[28]
- 'Blue Velvet': Sorte russischer Abstammung, stammt möglicherweise aus dem Botanischen Garten Kiew[31]; mittelhoher Ertrag; mittelgroße Früchte (~2 cm); süß-säuerlich.[29]
- 'Boreal Beast' (übersetzt „Nordisches Biest“): Kanadische Sorte mit genetischer Herkunft ½ japanisch, ¼ russisch, ¼ kurilisch; mittelspät bis spät; sehr ertragreich; große Früchte (bis 3 cm), hervorragender Geschmack, sehr gutes Aroma und Nachgeschmack; für Frischverzehr und Verarbeitung, Tiefkühlsorte, geeignet auch für maschinelle Ernte.[28][32][33]
- 'Boreal Beauty' (übersetzt „Nordische Schönheit“): Kanadische Sorte mit genetischer Herkunft ⅜ japanisch, ⅜ russisch, ¼ kurilisch; spät bis sehr spät; ertragreich; große Früchte (2,5–3 cm), süß und äußerst schmackhaft, fest, saftig; geeignet auch für maschinelle Ernte.[30][34][33]
- 'Boreal Blizzard' (übersetzt „Nordischer Schneesturm“): Kanadische Sorte mit genetischer Herkunft ½ japanisch, ½ russisch; mittlere Reifezeit; ertragreich; große Früchte (über 3 cm), süß und äußerst schmackhaft, fest, saftig; geeignet auch für maschinelle Ernte.[30][35][33]
- 'Borealis' (= 'Myberry Sweet'): Kanadische Sorte; Kreuzung aus japanischen, russischen und kurilischen Pflanzen; mittlere Reifezeit; ertragreich; mittelgroße Früchte (~ 2 cm), sehr süß und schmackhaft, weich, saftig; ideal für den Hobbygarten.[30][29][33]
- 'Čeljabinka': Alte russische Sorte[36]; sehr fruchtbar; ausgeglichen süß-saurer Geschmack; bis zu 2 kg Ertrag pro Strauch.[27]
- 'Czulymskaja' (benannt nach dem sibirischen Fluss Tschulym): Russische traditionelle Sorte; sehr früh mit folgernder Reife; ertragreich; mittelgroße Früchte (1,5–2 cm), süß und säurebetont mit intensivem, „wildbeerenartigen“ Aroma, weich, sehr saftig; für Frischverzehr und Verarbeitung, wegen ihres Säuregehalts gute Mostsorte.[28]
- 'Dlinnoplodna': Wildartnahe Selektion aus Tscheljabinsk am Ural; große Beeren mit süß-saurem Geschmack.[27][36]
- 'Docz’ Velikana' (übersetzt „Tochter des Riesen“): Russische oder polnische Sorte; mittelspät; sehr ertragreich; große Früchte (oft über 3 cm), ausgeprägt süß mit dezenter Säure, fest, saftig; für Frischverzehr und Verarbeitung, Tiefkühlsorte.[28]
- 'Duet': Im deutschsprachigen Raum bei verschiedenen Anbietern im Sortiment, nur marginale Informationen zur Sortencharakteristik auffindbar.
- 'Eisbär': Selektion mit sehr hohem Ertrag und sehr großen Früchten[29], im deutschsprachigen Raum bei verschiedenen Anbietern im Sortiment, nur marginale Informationen zur Sortencharakteristik auffindbar.
- 'Fialka': Im deutschsprachigen Raum bei verschiedenen Anbietern im Sortiment, nur marginale Informationen zur Sortencharakteristik auffindbar.
- 'Giant’s Heart' (übersetzt „Herz des Riesen“): US-amerikanische Sorte; mittelspät; große Früchte (2,5–3 cm), süß, saftig; geeignet auch für maschinelle Ernte.[28]
- 'Gordost Bakczara' (übersetzt „Stolz Baktschars“): Russische Sorte; mittelfrüh bis mittelspät; ertragreich; große Früchte (2,5–3 cm), außergewöhnlich süß, hocharomatisch, mit dezenter Säure, fest, sehr saftig; für Frischverzehr und Verarbeitung.[28]
- 'Honeybee' (= 'Myberry Bee'): Kanadische Sorte; Kreuzung verschiedener russischer Pflanzen; mittlere Reifezeit; ertragreich; mittelgroße Früchte (~ 2,5 cm), säuerlich-süß und schmackhaft; gern als Befruchtersorte genutzt, geeignet auch für maschinelle Ernte.[30][29][33]
- 'Indigo Gem' (= 'Myberry Farm'), 'Indigo Treat', 'Indigo Yum': Kanadische Geschwistersorten mit sehr ähnlichen Eigenschaften; Kreuzungen aus japanischen, russischen und kurilischen Pflanzen; mittelfrühe bis mittlere Reifezeit; ertragreich; mittelgroße Früchte (~ 2 cm), süße und aromatische Beeren, mittelfeste Konsistenz.[30][29][33]
- 'Kalinka': (= 'Kojulkk'): Reich fruchtende Sorte mit großen, ca. 1,5 cm dicken Früchten[29], im deutschsprachigen Raum bei verschiedenen Anbietern im Sortiment, nur marginale Informationen zur Sortencharakteristik auffindbar.
- 'Leningradsky Velikan': (übersetzt „Leningrader Riese“): Russische Sorte; mittelfrüh; sehr ertragreich; große Früchte (2,5–3 cm), süß-säuerlich und aromatisch, Geschmack erinnert an Waldbeeren, fest, saftig; für Frischverzehr und Verarbeitung.[28]
- 'Lenita': sehr lange Blütezeit bis zur einsetzenden Fruchtreife, daher eine gute Befruchtersorte; Beeren mit spritzigem, fruchtigem Geschmack.[27]
- 'Martin': Im deutschsprachigen Raum bei verschiedenen Anbietern im Sortiment, nur marginale Informationen zur Sortencharakteristik auffindbar.
- 'Morena': Russische Sorte; im deutschsprachigen Raum bei verschiedenen Anbietern im Sortiment, nur marginale Informationen zur Sortencharakteristik auffindbar.
- 'Nimfa': Russische Sorte; im deutschsprachigen Raum bei verschiedenen Anbietern im Sortiment, nur marginale Informationen zur Sortencharakteristik auffindbar.
- 'Sinij Utes' (übersetzt „Blaue Klippe“): Russische Sorte; mittelfrüh; ertragreich; große Früchte (2,5–3 cm), angenehm süß mit leichter Säure, fest, saftig; für Frischverzehr und Verarbeitung, Tiefkühlsorte.[28]
- 'Sinoglaska': Alte russische Sorte[36]; widersprüchliche Angaben zu den Eigenschaften der Früchte.
- 'Strawberry Sensation': US-amerikanische Sorte; mittelspät; große Früchte (2,5–3 cm), süß, saftig; geeignet für maschinelle Ernte.[28]
- 'Strezhewczanka': Russische Dessertsorte, 2012 registriert, gleichzeitig reifende Beeren mit süß-säuerlichem Geschmack.[28]
- 'Tomiczka': Russische Sorte; 1,8–2,5 kg Ertrag pro Strauch; sehr fruchtiger, heidelbeerähnlicher Geschmack.[27]
- 'Tundra': Kanadische Sorte; Kreuzung aus japanischen, russischen und kurilischen Pflanzen; mittelfrühe bis mittlere Reifezeit; ertragreich; mittelgroße Früchte (~ 2 cm), säuerlich-süß und schmackhaft; geeignet auch für maschinelle Ernte.[30][33]
- 'Vostorg' (übersetzt „Entzücken“): Russische Sorte; mittelfrüh; ertragreich; große Früchte (2,5–3 cm), harmonisch süß mit leichter Säure, mittelfest, saftig; für Frischverzehr und Verarbeitung.[28][27]
- 'Wojtek' (= 'Larisa'): Polnische Sorte; mittelfrüh; sehr ertragreich; mittelgroße Früchte (2–2,5 cm), herbe bis süße, aromatische Beeren, saftig; für Frischverzehr und Verarbeitung, Tiefkühlsorte, geeignet auch für maschinelle Ernte.[30][29]
- 'Zoluschka' (auch 'Aschenputtel', 'Cinderella'): Traditionelle sibirische Sorte; mittlere Reifezeit; ertragreich; mittelgroße Früchte (~ 2 cm), säuerlich-süß und schmackhaft, auch erdbeerähnliche Geschmacksnoten werden berichtet[27]; gern als Befruchtersorte genutzt, geeignet auch für maschinelle Ernte.[30]
Die hier wiedergegebenen Sorteninformationen basieren weitgehend auf Angaben von Züchtern und Händlern. Davon unabhängige Evaluationen und Vergleichstests über das heutige Sortenspektrum sind noch selten.[37][38][39][40][41][42]
Für den primären Einsatz als Ziersträucher sind heute keine Sorten bekannt.
Kultivierungsansprüche im Hobby- und Erwerbsanbau
Insbesondere mit den jüngsten Züchtungen steht heute für einen Anbau in Mitteleuropa eine Vielzahl robuster, anspruchsloser, pflegeleichter und langlebiger Sorten zur Verfügung, wobei die Angaben zu den Kultivierungsansprüchen aufgrund des noch überschaubaren Erfahrungszeitraums nicht immer widerspruchsfrei sind.
Die Blaue Heckenkirsche wächst gut auf verschiedensten Böden mit Ausnahme von sehr nassen, lehmigen und sehr trockenen sandigen Böden; Staunässe sollte vermieden werden. Der pH-Wert des Bodens sollte zwischen 5 und 8 liegen (optimal ist leicht sauer: pH 5,5–6,5). Die Pflanzen gedeihen gut auf moderat nährstoffhaltigen Böden mit organischen Anteilen, vertragen Kalk, sind aber salzintolerant. Sie gehören nicht zu den Moorbeetpflanzen.[24][25]
Über die Bodenansprüche hinaus spielt die boreale Abstammung der Blauen Heckenkirsche trotz aller züchterischen Anstrengungen weiterhin eine wichtige Rolle bei ihren Kultivierungsansprüchen: Auch die jüngsten Kreuzungen russischen Erbguts mit besser an längere Vegetationsperioden und mehr Wärme angepassten japanischen und kurilischen Genotypen benötigen eine ausreichende winterliche Vegetationsruhe („Chilling Hours“) mit mindestens 1.000 bis 1.200 Kältestunden (unter 7 °C), um vital zu bleiben und ertragreich zu fruchten (siehe z. B. „Boreal“-Serie unter[30]). Ein erfolgreicher Anbau ist nach den meisten Quellen in den USDA-Klimazonen 2–6 oder 2–7[43] möglich, wobei die negative Temperaturgrenze (bis −45 °C) für einen Anbau in Mitteleuropa völlig unkritisch ist. Sogar die geöffneten Blüten vertragen mindestens Frostgrade von −7 °C, teilweise werden noch deutlich tiefere Temperaturen als Blütenfrosthärte angegeben. In den wärmeren der o. g. Klimazonen ist jedoch insbesondere bei Hitze- und Dürreperioden und auch sortenabhängig zu beobachten, dass Pflanzen kurz nach der Fruchtreife vorzeitig „abschließen“, d. h. sie stellen ihr Wachstum ein, die Blätter verfärben sich braun und fallen ab. Dieser vorzeitige Blattfall wird in den meisten Quellen als unkritisch eingestuft, ist aber teilweise schwer unterscheidbar von irreversiblen Trockenheitsschäden oder ernsteren phytopathologischen Problemen.[41] Die Blaue Heckenkirsche ist eine lichtliebende Pflanze, die für ein optimales Wachstum und reichen Ertrag mindestens sechs, idealerweise sechs bis acht Stunden volles Sonnenlicht erhalten sollte. Für ihre wärmeren Anbaugegenden wird mittlerweile – auch im Hinblick auf den fortschreitenden Klimawandel – empfohlen, dass die besonders intensive Nachmittagssonne durch Teilverschattung abgemildert wird.
Die Blaue Heckenkirsche ist ein Flachwurzler, der Wurzelkonkurrenz mit anderen Pflanzen schlecht verträgt[44]. Spätestens drei Jahre nach Anpflanzung sind die Jungpflanzen in der Regel gut etabliert und gelten dann als relativ trockenheitsresistent. Trotzdem ist es zumindest für den kommerziellen Anbau unabdingbar, die Pflanzen ausreichend mit Wasser zu versorgen, da sich Trockenstress nachteilig auf Fruchtqualität, Ertrag und Krankheitsanfälligkeit auswirken und zu einem vorzeitigen Abfallen der Beeren führen kann.[42] Im Allgemeinen wird empfohlen, den Wurzelbereich der Pflanzen (ca. 1 m Radius um die Basis) gänzlich von anderem Bewuchs frei zu halten, z. B. durch eine Mulchschicht (die aber nicht an den Stängeln anliegen sollte).[44]
Bezüglich der Nährstoffversorgung werden zumindest für den Hobbyanbau häufig organische Dünger wie Kompost oder kompostierter Mist empfohlen, deren Nährstoffe langsam und zeitlich gestreckt pflanzenverfügbar werden. Solche organischen Dünger sollten schon großzügig bei der Vorbereitung der Pflanzflächen eingearbeitet und später jährlich im zeitigen Frühjahr auf den Wurzelzonen ausgebracht werden. Die Anwendung von anorganischen Düngern sollte im Hobbybereich nur sehr vorsichtig und mengenreduziert erfolgen.[44] Beim kommerziellen Anbau erfolgen Düngungen üblicherweise auf Basis regelmäßiger Laboranalysen des Bodens und des Blattwerks, zum Düngereinsatz liegen verschiedene Forschungsergebnisse vor.[45][37][38][39][40] Die meisten Quellen raten von Düngereinsatz im Spätsommer oder Herbst ab, es gibt dazu aber auch andere Angaben.[42]
In den ersten fünf bis sieben Jahren nach der Pflanzung werden Blaue Heckenkirschen üblicherweise nicht beschnitten, lediglich abgestorbene, gebrochene oder kranke Zweige sollten entfernt werden. Mit einem systematischen Beschnitt wird erst im 8.–10. Anbaujahr begonnen; vorzugsweise im Herbst und auf jeden Fall vor dem Ende der Winterruhe werden die Kronen ausgedünnt und die Gerüstäste um die Hälfte gekürzt. Für 20- bis 25-jährige Pflanzen sind kräftige Verjüngungsschnitte vorteilhaft.[42]

Blaue Heckenkirschen sind in der Regel selbstinkompatibel, d. h. sie brauchen zur Fremdbestäubung durch Tiere eine zeitgleich blühende, genetisch andersartige Sorte in möglichst unmittelbarer Nähe. Dabei muss es sich nicht um spezielle Befruchtersorten mit geringwertigeren Fruchteigenschaften handeln, sondern auch andere hochwertige Ertragssorten kommen dafür infrage. In ausführlichen Sortensteckbriefen werden nicht selten geeignete Bestäubungspartner genannt.[33] Auch Hobbygärtner müssen also für einen Beerenertrag mindestens zwei, besser drei verschiedene Sorten pflanzen; für den Erwerbsanbau gibt es eigene bestäubungsorientierte Pflanzkonzepte.
Wie die Beeren anderer Heckenkirschenarten sind auch die der Blauen Heckenkirsche bei Vögeln sehr beliebt, in Nordamerika insbesondere bei Zedernseidenschwänzen. Je nach Artenzusammensetzung und Individuenzahl der lokalen Vogelwelt können daher Vogelabwehrmaßnahmen zum Schutz der Ernte notwendig sein. Vergrämungsmaßnahmen sind in der Regel nicht zuverlässig wirksam; sichersten Schutz bieten in der Regel Netze, die aber vogelschutzgerecht installiert sein müssen und regelmäßig kontrolliert werden sollten.[24][46]
Inhaltsstoffe, medizinische Verwendung
Die Blaue Heckenkirsche wird seit Jahrtausenden in der traditionellen Medizin Russlands, Japans, der Kurilen, Chinas und einiger anderer asiatischer Länder verwendet. Es wird angenommen, dass sie in der dortigen Volksmedizin zur Vorbeugung gegen Bluthochdruck, Glaukom, Herzinfarkt, Anämie, Malaria, Osteoporose sowie bei Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt wurde. Aus Beeren und anderen Pflanzenteilen zubereitete Aufgüsse wurden auch als Diuretikum, Antiseptikum und zur Behandlung von Rachen- und Augenentzündungen verwendet.[47]
Die volksmedizinische Bedeutung ist aus heutiger Sicht gut erklärlich durch ihre chemische Zusammensetzung: Die Beeren enthalten die Mengenelemente Magnesium, Natrium, Kalium, Calcium und Phosphor, in nennenswerten Mengen die Vitamine A, C und E sowie Spurenelemente wie Bor, Mangan, Kupfer, Barium, Silizium und Jod. Sie enthalten weiterhin Zucker hauptsächlich in Form von Glucose, Pektine und Gerbstoffe.[20][25]
Außerdem sind die Früchte reich an phenolischen Verbindungen wie Anthocyanen, Flavonoiden, Proanthocyanidinen und Phenolsäuren; diesen Sekundären Pflanzenstoffen werden diverse gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben, insbesondere wenn sie nicht isoliert, sondern mit den Früchten als naturbelassener „Potpourri“ aufgenommen werden. In einer Metastudie aus dem Jahr 2024 sind dazu die wesentlichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen aus den Jahren 2016 bis 2023 zu den antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen, zu vorbeugenden und therapeutischen Wirkungen auf Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Adipositas sowie zu ihrer leber- und blutgefäßschützenden Wirksamkeit zusammengetragen worden.[48]
Erwartungsgemäß können die Inhaltsstoffe abhängig von Bodenbeschaffenheit, klimatischen Bedingungen, Witterungsverlauf, Pflanzenreife, Sorte, Extraktionsmethoden und sogar Lagerbedingungen deutlich variieren. Nur wenige der Studien haben auch Inhaltsstoffe anderer Pflanzenteile betrachtet, obwohl von anderen Heckenkirschen-Arten bekannt ist, dass auch deren Blätter, Blüten, Triebe oder Wurzeln ein hohes phytopharmazeutisches Potenzial aufweisen können.
Verwendung in der Küche; kommerzielle Produkte
Die saftigen Beerenfrüchte der Blauen Heckenkirsche können sowohl roh wie auch gekocht gegessen werden. Seit ihrer Zulassung Ende 2018 als neuartiges Lebensmittel im Rahmen der Novel-Food-Verordnung dürfen sie und sie enthaltende Produkte auch kommerziell in Verkehr gebracht werden. Damit ergeben sich u. a. die folgenden Verzehr- und Verarbeitungsmöglichkeiten:
- Frischverzehr (Naschen; Kuchenbelag; Fischobstzutat für Müslis, Joghurt, Obstsalate und Smoothies)
- Haushaltstypische Verarbeitung zu Konserven wie Marmelade, Gelee, Kompott, Fruchtpüree, Fruchtsaft und Fruchtleder. Sie können auch direkt in süßes Gebäck eingebacken werden.
- Kommerzielle Verarbeitung zu Marmeladen, Fruchtsäften, Fruchtsirups, Fruchtzubereitungen, gefriergetrockneten Beeren und Granulaten (z. B. als Zutaten für Speiseeis, Müsliriegel, Fruchtjoghurt etc.)
- Zubereitung von Likören, Obstweinen und Obstbränden
Der dunkelrote Saft ist auch ein guter Farbstoff für andere Säfte und Lebensmittel. Die Beeren eignen sich auch zum Einfrieren, wobei sie je nach Sorte nach dem Auftauen ihre Form behalten oder zu einem Mus zerfallen, das sich gut als Dessert eignet.[25]
Da die Blaue Heckenkirsche in Nordamerika schon länger als in Mitteleuropa als Nahrungsmittel verwendet wird, sind Rezepte heute vorwiegend in nordamerikanischen Internetquellen zu finden.[49][50]
Literatur
- Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
- Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 13. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen. Volk und Wissen, Berlin (DDR) 1987, ISBN 3-06-012539-2.
- Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.
- Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Bestimmung, Eigenschaften und Verwendung. Mit einem Winterschlüssel von Bernd Schulz. 5., aktualisierte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8186-0016-7, S. 428–429.
- Marilena Idžojtić: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-12-819644-1, S. 397.
- T. G. Tutin, V. H. Heywood et al.: Flora Europaea. Volume 4, Cambridge Univ. Press, 1976, ISBN 0-521-08717-1, S. 46.
Weblinks
- Blaue Heckenkirsche. auf FloraWeb.de
- Blaue Heckenkirsche – Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns
- Thomas Meyer: Blaue Heckenkirsche Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (ehemaliger Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Muriel Bendel: Lonicera caerulea. In: Open Flora. 13. Oktober 2025 (umfangreich bebilderte, populärwissenschaftliche Beschreibung).
- Haskap (Lonicera caerulea). University of Saskatchewan (englisch).
- Haskap, a new berry discovery?Yes and No! in-vitro Kusibab (englisch).
- Haskap (Kamtschatka-Heckenkirsche). in-vitro Kusibab
- SR deins: Die sibirische Haskapbeere wird in Bayern heimisch auf YouTube