Malteserkreuzstempel

Entwertungsstempel für Briefmarken From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Malteserkreuzstempel (englisch Maltese Cross cancellation oder Maltese Cross postmark) war der erste allgemein verwendete britische Entwertungsstempel für Briefmarken. Er wurde im Mai 1840 mit den ersten britischen Freimarken und Ganzsachen eingeführt. Der Stempel machte die Marke beziehungsweise den Wertstempel unbrauchbar und sollte verhindern, dass bereits verwendete Postwertzeichen erneut zur Vorauszahlung des Portos benutzt wurden.[1][2]

Penny Black mit rotem Malteserkreuzstempel

Der Abschlag war kein Datumsstempel und enthielt in der Regel keine Ortsangabe. Seinen Namen erhielt er nach seiner an ein Malteserkreuz erinnernden Gestalt; in seinem Fachbuch bezeichnete John G. Hendy die Form heraldisch genauer als croix pattée (Tatzenkreuz).[3] Postgeschichtlich ist der Stempel vor allem mit der Penny Black, der Two Pence Blue, der frühen Penny Red und den Mulready-Ganzsachen verbunden.

Geschichte und Verwendung

Die von Rowland Hill angestoßene britische Postreform führte 1840 zur Einführung vorausbezahlter Postwertzeichen. Damit entstand unmittelbar das praktische Problem, Briefmarken und Wertstempel so zu entwerten, dass sie nicht erneut verwendet werden konnten. Hendy nennt die Entwicklung einer geeigneten Stempelfarbe und eines geeigneten Entwerters eine der frühen Schwierigkeiten der britischen Uniform Penny Post.[1]

Nach Stanaway erhielten alle britischen Postorte und bestimmte Unterpostämter einen handgeführten Entwerter in Form eines sogenannten Malteserkreuzes. Er wurde auf Briefmarken abgeschlagen; bei Mulready-Ganzsachen sollte der Abdruck auf die Britannia-Darstellung gesetzt werden.[1][2] Da die Entwerter im Grundsatz gleich gestaltet waren und nur geringe Formunterschiede aufwiesen, ließ sich aus dem Abschlag meist nicht sicher erkennen, welches Postamt die Entwertung vorgenommen hatte.[2]

Bekannte Belege sind Briefe vom ersten Gültigkeitstag der Penny Black am 6. Mai 1840. Der sogenannte Kirkcudbright cover trägt zehn Penny Blacks und ist nach Angaben des Smithsonian National Postal Museums der einzige bekannte Ersttagsbrief der Penny Black mit mehr als zwei Exemplaren der Marke.[4]

Stempelfarben

Die Penny Black wurde zunächst üblicherweise mit roter Stempelfarbe entwertet. Schon 1840 zeigte sich jedoch, dass rote Entwertungen chemisch entfernt werden konnten. In den sogenannten Rainbow Trials wurden daraufhin neue Marken- und Stempelfarben erprobt.[5]

Ab 1841 wurde die Penny Black durch die rotbraune Penny Red ersetzt. Damit konnte schwarze Entwertungsfarbe verwendet werden: Der schwarze Abschlag war auf der roten Marke besser sichtbar und sollte bei Entfernungsversuchen die Marke beschädigen.[5] Schwarze Malteserkreuzstempel kommen daher besonders auf frühen Penny-Red-Ausgaben vor; einzelne Abschläge auf Penny Blacks sind bereits aus Versuchen mit schwarzer Entwertungsfarbe im Jahr 1840 bekannt.[5][4]

Varianten und Ablösung

Die meisten Malteserkreuzstempel waren unnummeriert. In der philatelistischen Literatur werden jedoch örtliche oder gerätespezifische Formunterschiede als distinctive Maltese Crosses beschrieben. Hendy zeigt mehrere Varianten und beschreibt deutliche Unterschiede in der Form.[3]

Eine besondere Übergangsform waren die Londoner nummerierten Malteserkreuze. Im London Chief Office wurden Zahlen von 1 bis 12 in die Mitte des Kreuzes eingefügt, damit einzelne Stempler beziehungsweise Entwerter nachvollzogen werden konnten.[3] Ab Mai 1844 kamen statt der nicht ortscodierten Malteserkreuze nummerierte Balkenentwerter in Gebrauch. Diese britischen Nummernstempel waren nach Postbezirken beziehungsweise Landesteilen unterschiedlich gestaltet und ermöglichten die Zuordnung zum entwertenden Postamt.[2]

Literatur

  • John G. Hendy: The History of the Postmarks of the British Isles from 1840 to 1876. Stanley Gibbons, London 1909 (Volltext im Internet Archive).
  • S. Stanaway: Numerical cancellations of the British post office. In: The Philatelic Society of Malta Magazine. Band 4, Nr. 1, 1973, S. 10–11 (Volltext im OAR@UM).

Einzelnachweise

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