Mammutgrube
archäologische Fundstelle von Knochen eines Mammuts nahe der Eifelgemeinde Polch
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Mit Mammutgrube, in älteren Aufzeichnungen auch „Mammutfundgrube“ oder auch „Mammutfanggrube“ (siehe #Wissenschaftlicher Streit), wird die 1936 entdeckte archäologische Fundstelle von Knochen eines Mammuts nahe der Eifelgemeinde Polch beschrieben. Der gut ein Kilometer entfernte Autobahnparkplatz „Mammutgrube“ an der Bundesautobahn 48 ist danach benannt.
Geschichte
Im Januar 1936 entdeckte man am Rand des Nettetals bei Einebnungsarbeiten, durchgeführt vom Reichsarbeitsdienst, Knochen eines Wollhaarmammuts, des prähistorischen Vorgängers heutiger Elefanten auf dem europäischen Kontinent. Eine Seltenheit, da bis zum Ende des 20. Jahrhunderts nur gesamt sechs Fundstellen von Wollhaarmammuts entdeckt wurden.
Die Ausgrabung der Knochen erfolgte im Januar 1936 unter der Leitung des Geologen Josef Niedermayer vom Geologisch-Paläontologischen Institut (heute „Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie“) der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, der kurz darauf Bonn verließ. Über sein Wirken in der Mammutgrube gibt es lediglich Zeitungsmeldungen.[1][2]
Wissenschaftlicher Streit
In der Fachwelt wurde der Fund zu einem wissenschaftlichen Streitthema: Während Niedermeyer und der Wehrgeologe Gotthold Müller-Deile (1913–?) in den fossilen Knochen ein auf natürliche Weise zu Tode gekommenenes Tier sahen, kamen Carl Mordziol und Joseph Mauz 1939 zu dem Schluss, dass es die Jagdbeute der frühen Menschen war. Dazu definierten sie eine kleine Vertiefung in der Oberfläche des unterlagernden Devons, in der die Knochen letztendlich lagen. Also war es eine ihrer Meinung nach von Menschen gegrabene Fall- oder Stolpergrube. Auch einen prähistorischen Wildwechsel wollten die Wissenschaftler an dieser Stelle ausgemacht haben. Quarzstücke, die man Pfeilen oder Speeren zuzuordnen könnte, bestätigten sie in dieser Vermutung.[3] Spätere Forschungen, u. a. von Gerhard Bosinski, widerlegten diese Annahme. So wären Depressionen, also Vertiefungen, vielerorts im Devongestein zu finden und die Quarze seien wohl lokal ausgewitterte Gangquarze.
Das Mammut
Es handelt sich anhand der Bewertung der Kochen und Zähne um ein Woll- oder Fellmammut (Mammuthus primigenius). Diese Art der Mammute entwickelte sich im Übergang vom Alt- zum Mittelpleistozän vor etwa 800.000 bis 600.000 Jahren in Sibirien und bewohnte die kaltzeitlichen Steppen im nördlichen Eurasien und Nordamerika.
Man schätzt, dass bei Polch nur ein Drittel aller Knochen des Tieres geborgen wurde. Anhand dieser wie auch den Zähnen konnte man erkennen, dass das Mammut zum Zeitpunkt seines Todes etwa 60–70 Jahre alt und somit in seinem letzten Lebensabschnitt war. Die Länge von den Stoßzähnen bis zum Schwanz betrug 4,60 m. Die Höhe lag bei etwa 3,30 Meter.
Die Knochen des Mammuts von Polch werden heute in der Sammlung des Instituts für Paläontologie der Universität Bonn aufbewahrt.
Im Vulkankegel des 36 Kilometer entfernten Hasenberg in Trittscheid (wie auch Polch zur Vulkaneifel gehörend) fand man 1965/1966 bei Gesteinsabbauarbeiten weitere Knochen eines dort mutmaßlich an austretenden Gasen verendeten Wollhaarmammuts, das die Wärme des Vulkankraters gesucht hatte.[4]
Literatur
- Wieghard von Koenigswald: Das Mammut von Polch bei Mayen (Eifel), Eiszeitalter u. Gegenwart 39, 1989, S. 87–97, 8 mit Abbildungen (online lesen, PDF 7 MB).
- Joseph Mauz: Zur Stratigraphie des Lösses. In: Senckenbergiana. Band 18, 1936, S. 79–87.
- Der Mammutjäger von Polch, (Verlag Carl Flemming, 1937) Eine Erzählung aus der älteren Steinzeit. Vorwort von Dr. Mordziol.