Mamy Ravatomanga
madagassischer Geschäftsmann
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Maminiaina Ravatomanga, bekannt als Mamy Ravatomanga (* 1968 in Morondava), ist ein madagassischer Unternehmer, Eigentümer der Sodiat-Gruppe, zudem enger Berater des früheren Staatsoberhaupt Madagaskars Andry Rajoelina. Laut Forbes The World’s Billionaires galt er 2017 als der zweitreichste Mann des Inselstaates nach Ylias Akbaraly.[1] Am 24. Oktober 2025 wurde er wegen des Verdachts auf Unterschlagung und Geldwäsche in Mauritius verhaftet.

Wirken
Im Jahre 1990 gründete er die Firma Sodiat, ein auf Verkehr spezialisiertes Unternehmen. Heute ist es als Gruppe Sodiat ein Konglomerat mit Aktivitäten in den Bereichen Ölwartung, Bauwesen, Presse (darunter La Vérité et Madagascar Matin[2]), Hotels, Tourismus, Gesundheit sowie Import-Export und gilt als eines der einflussreichsten Unternehmen in Madagaskar mit rund 5000 Mitarbeitern in achtzehn Unternehmen (Stand 2020).[3]
Andry Rajoelina und Ravatomanga kamen 2008 zusammen, da ihre jeweiligen Unternehmen vor den Steuerbehörden standen, deren Ermittlungen durch das Gefolge des damaligen Präsidenten Marc Ravalomanana eingeleitet worden waren. Anschließend unterstützte Ravatomanga die Machtübernahme von Andry Rajoelina durch den Staatsstreich im März 2009, wurde sein inoffizieller Berater in wirtschaftlichen Fragen und blieb ihm daher nahe.[4] Bei der Präsidentschaftswahl 2013, Rajoelina trat dort nicht an, unterstützte er Hery Rajaonarimampianina[5] und zur Präsidentschaftswahl 2018 und 2023 erneut Rajoelina.[6] Zufolge Le Monde wird Ravatomanga auch der „Vizepräsident“ von Madagaskar bezeichnet.[7]
Er engagiert sich auch in zahlreichen philanthropischen und gemeinnützigen Projekten, insbesondere durch die Sodiat-Stiftung, die 2020 gegründet wurde.[8] Der Stiftungszweck umfasst Bildung, Gesundheit[9], Sport[10], nachhaltige Entwicklung und Kultur.[11]
Im Rahmen der im September 2025 begonnenen Protestbewegungen der Gen Z Madagascar fordert diese in sozialen Netzwerken strafrechtliche Schritte gegen Mamy Ravatomanga.[12][13] In einer Sondersendung Anfang Oktober – im privaten Fernsehen und in den sozialen Medien – sprach er fast zwei Stunden lang und dementierte u. a. eine Trennung von Staatspräsident Rajoelina, die Ausbildung einer privaten Miliz über seine Firma MSA Academy („Madagascar Security Academy“[14]), zudem, dass sein Unternehmen eine Verbindung zu paramilitärischen Aktivitäten habe.[15]
Am 12. und 13. Oktober 2025 schrieben u. a. das Online-Magazin La Gazette de la grand ile und die Tageszeitung Midi Madagasikara, dass Mamy Ravatomanga gemeinsam mit dem kurz zuvor entlassenen Premierminister Madagaskars Christian Ntsay und ihren Frauen mit einer Privatmaschine – Flug 5RHMR – auf Mauritius „notgelandet“ sind – während zeitgleich auf Madagaskar ein Putschversuch, begleitet von Großdemonstrationen stattfand.[16][17]
Später befand er sich in einer in einer Privatklinik auf Mauritius. Dort wurde ihm am 24. Oktober 2025 von der Financial Crimes Commission (FCC) mitgeteilt, dass er wegen Unterschlagung und Geldwäsche verhaftet sei.[18][19]
Er war ab 2019 Honorarkonsul von Serbien.[20] und im Jahr 2023 wurde ihm zudem ein Reisepass der Republik Côte d’Ivoire zuteil und er zum Honorarkonsul der Elfenbeinküste ernannt.[21][22] Am 14. November 2025 informierte die Außenministerin von Madagaskar, Christine Razanamahasoa, dass Ravatomanga die Exequaturen für die Elfenbeinküste und Serbien entzogen wurden.[23]
Anschuldigungen wegen Veruntreuung und Finanzverbrechen
Die Presse berichtete über ihn bezüglich mehrerer Fälle von Steuerhinterziehung und mehrerer Finanzverbrechen in Madagaskar und Frankreich.[24] Sein Name erscheint in den Panama Papers, und er ist Mehrheitsaktionär einer auf den Britischen Jungferninseln registrierten Gesellschaft.[25][26]
In Madagaskar wird ihm auch die Veruntreuung öffentlicher Gelder zum Nachteil des staatlichen Wasser- und Elektrizitätsunternehmens Jirama vorgeworfen, während er dort im Verwaltungsrat saß. Er wird auch des illegalen Handels mit bedrohtem Palisander nach Asien über staatlich erteilte Ausnahmeregelungen und Offshore-Unternehmen beschuldigt.[27] Im Jahr 2015 wurde ihm die Ausreise verboten, und am 26. Mai 2016 wurde sein Haus von den madagassischen Behörden durchsucht.[28]
Er ist auch in die Rechtsfälle des französischen UMP-Politikers Patrick Balkany verwickelt. Im Februar 2016 leitete die Parquet national financier (PNF) eine Untersuchung gegen ihn und seine Ehefrau Ramy Rakotoniary wegen „organisierter Geldwäsche“ und „Steuerbetrug“ ein; dabei ging es um den Erwerb mehrerer Immobilien in den Pariser Vororten durch undurchsichtige Finanzvereinbarungen mit Offshore-Unternehmen, von denen einige in Mauritius ansässig sind.[29][30] Von Juni 2018 bis Juni 2019 wurden vier seiner Immobilien in den Pariser Vororten im Rahmen der von der PNF eingeleiteten Voruntersuchung beschlagnahmt.[31] Darüber hinaus ist er in die Carlos Ghosn Affäre verwickelt. Dabei wurde eines der Flugzeuge der madagassischen Fluggesellschaft TOA – einer Tochtergesellschaft der Sodiat-Gruppe von Ravatomanga – von dem ehemaligen CEO von Renault-Nissan-Mitsubishi zur illegalen Flucht aus Japan genutzt.[32][33]
Im November 2022 forderte Transparency International Madagascar eine Untersuchung der Organisationen und Personen, die an der Ausfuhr von madagassischen Litchis nach Frankreich beteiligt sind, darunter Mamy Ravatomanga, Mitglied des Verwaltungsrats der Groupement des exporters de litchis und einer der Hauptexporteure von madagassischen Litchis nach Frankreich, über eine seiner Tochtergesellschaften.[34][35]
Im August 2023 wurde eine vorläufige Untersuchung der PNF gegen Mamy Ravatomanga eingestellt. Dieses Verfahren betraf Geldwäsche in einer organisierten Bande, Korruption eines Beamten, Steuerhinterziehung und Handel mit Palisander. Begründete wurde diese Entscheidung mit einer „unzureichend schweren Straftat“.[36]