Manfred Flad

deutscher Chemiker, Schulgründer, Schulleiter From Wikipedia, the free encyclopedia

Manfred Friedrich Flad (* 15. August 1913 in Münsingen; † 22. November 2006 in Stuttgart) war ein deutscher Chemiker und Schulleiter, der in Stuttgart lebte und wirkte. Er setzte sich für die Chemieausbildung in Beruf, Schule und Wissenschaft ein und gründete 1951 eine private Berufsfachschule, das Chemische Institut Dr. Flad (seit 1997 Institut Dr. Flad – staatlich anerkanntes Berufskolleg für Chemie, Pharmazie, Biotechnologie und Umwelt).

Leben und Werk

Beruflicher Werdegang

Manfred Friedrich Flad wuchs in Münsingen in einem pädagogisch geprägten Haushalt mit drei Geschwistern auf. Die Familie zog bald nach Stuttgart, wo der Vater Julius Flad als Oberlehrer an verschiedenen Schulen unterrichtete. Manfred Flad besuchte die humanistische Abteilung des Karls-Gymnasiums und legte 1932 die Reifeprüfung ab.[1] Bis zur Diplom-Hauptprüfung studierte er Chemie an der Technischen Hochschule in Stuttgart (seit 1967 Universität Stuttgart). Parallel zum Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Handelsschullehrer, die er 1935 abschloss. Acht Jahre lang arbeitete er nebenbei zur Finanzierung seines Studiums als Lehrer für kaufmännische Fächer, richtungsweisend für seine spätere Tätigkeit.[2]

Im Frühjahr 1938 wurde er wissenschaftlicher Assistent am Laboratorium für physikalische Chemie und Elektrochemie an der Technischen Hochschule Stuttgart und 1939 beendete er sein Studium als Diplom-Ingenieur mit Auszeichnung. 1941 promovierte er zum Dr.-Ing. über das Thema „Die Bestimmung der freien Energie und der Bildungswärme bei der Mischkristallbildung aus Chrom und Nickel“ bei Georg Grube.[3] Seine Assistententätigkeit, die Forschungs- und Verwaltungsaufgaben umfasste, übte er auch während des Krieges aus. Die Einberufung zur Wehrmacht blieb ihm erspart.[2]

Ab 1948 konnte er seine Assistententätigkeit wieder durchgehend aufnehmen und leistete mit Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der anorganischen Chemie seinen Beitrag zum Wiederaufbau des Instituts.[4] Trotzdem verfolgte er ab 1951 die universitäre Karriere nicht weiter und gab seinen Beamtenstatus auf. Er wagte den Schritt in die freie Wirtschaft, obwohl er inzwischen mit Hildegard, geb. Klaußner (1910–1974) verheiratet war und vier Söhne hatte.[1] Der Technischen Hochschule blieb er aber als Dozent noch einige Jahre verbunden.[4]

Manfred Flad hatte den Bedarf der chemischen Industrie an qualifizierten chemisch-technischen Assistenten erkannt (damals Chemotechniker genannt) und gründete im Oktober 1951 das Chemische Institut Dr. Flad, als dessen Initiator und Leiter er sich einen Namen machte, auch international.[5][6]

Schulentwicklung

In einem alten Fabrikgebäude begann der erste Ausbildungsjahrgang der neu gegründeten Berufsfachschule mit dreißig Personen. Die Lehrkräfte kamen von der TH Stuttgart. Das Institut bot als erste Ausbildungsstätte in Nord-Württemberg und Nord-Baden eine zweijährige Ausbildung zum Chemotechniker an und füllte eine berufliche Lücke zwischen der damals einjährigen Chemielaboranten-Ausbildung und einem Chemiker mit Hochschulstudium.

Von Anbeginn gehörten zur Schulphilosophie neben der rein fachlichen Ausbildung auch Bildungs- und Erziehungsschwerpunkte. Der praxisbetonte kompakte Ausbildungsgang wurde stark nachgefragt und die Absolventen der Schule, „Fladianer“ genannt, fanden schnell einen Arbeitsplatz.[2][4]

Am 1. Dezember 1965 erfolgte die staatliche Anerkennung der beruflichen Schule.[7] Ab 1971 konnte am Institut auch die Fachhochschulreife erworben werden.[8] Ein Jahr später wurde ein Fachverlag gegründet. Nach der Modernisierung und Erweiterung der Ausbildungsstätte um ein Wohnheim und weitere Einrichtungen im Jahr 1974 wuchs die Kapazität der Ausbildungsplätze von 150 auf 250.[9]

Seit ihrer Gründung arbeitet die Schule auf gemeinnütziger Basis im öffentlichen Interesse. Flad richtete ein Stipendiensystem ein, das begabten Schülern zinslose Darlehen gewährt. Bei entsprechend guter Prüfungsleistung wird die vollständige Kostenübernahme garantiert.[10][11]

1968 stieg Wolfgang Flad, der älteste Sohn des Schulgründers, als Dozent in den Schulbetrieb ein und fungierte ab 1976 als Juniorchef in der Schulleitung.[11] Nach und nach sorgte er für einen weiteren Entwicklungsschub für das Institut mit weiteren Ausbildungsgängen (1991 chemisch-technischer Assistent mit Schwerpunkt Umwelt bzw. Umweltschutztechnischer Assistent, 1997 pharmazeutisch-technischer Assistent und 2001 chemisch-technischer Assistent mit Schwerpunkt Biotechnologie), deren Grundlagen schon der Vater ab 1977 geschaffen hatte.[1][2]

1980 gab es am Institut die weltweit erste internationale Berufsschul-Abschlussprüfung, durchgeführt im Auftrag der International Schools Association (Genf). 1983 initiierte das Chemieinstitut erstmals die sogenannten Stuttgarter Chemietage. Sie boten Vorträge und Workshops von internationalen Fachkräften an. Dieses Veranstaltungsformat endete 2021.[2][4][10]

Die langjährige Pionierarbeit und Vorreiterrolle des Instituts führten 1988 erstmals zur Auszeichnung als UNESCO-Projektschule.[2]

Als Seniorchef war Manfred Flad noch lange Jahre an der Schule tätig und hielt einzelne Vorlesungen bis über sein 80. Lebensjahr hinaus.[11] Mittlerweile war das Institut zur größten Ausbildungsstätte für das beschriebene Berufsbild in Deutschland herangewachsen.

Weitere Aktivitäten

Manfred Flad lag die Förderung des Chemieunterrichts auch außerhalb seiner Institution am Herzen. 1965/1966 gründete er einen gemeinnützigen, naturwissenschaftlichen Förderverein, den Verein der Freunde des Chemischen Instituts Dr. Flad e. V. (heute Verein der Freunde des Instituts Dr. Flad). Dieser Verein wendet sich in erster Linie unterstützend an Schulen und Schüler, beispielsweise mit einem Labormobil und als Beratungsstelle für „Jugend forscht“.[4]

Daneben war Flad in verschiedenen Vereinen und Verbänden aktiv, u. a. als Vorsitzender des Ortsverbandes Nord-Württemberg der Gesellschaft Deutscher Chemiker und im Verband Deutscher Privatschulen.

Zeichen der familiären Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn ist der seit 1987 von der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker verliehene Manfred-und-Wolfgang-Flad-Preis, gestiftet von Manfred und Wolfgang Flad. Dieser Preis würdigt Personen, die Herausragendes zum experimentellen Chemieunterricht beigetragen haben.[4]

Flad konnte dank seines hohen Alters den fünfzigsten Geburtstag des Instituts mitfeiern und noch erleben, wie die dritte Generation, seine Enkelin Ulrike Flad, ab 2004 an der Schule als Lehrkraft tätig wurde. Seit 2019/2020 ist Ulrike Flad, promovierte Agrarbiologin, die Leiterin des Instituts Dr. Flad.[12]

Manfred Flad verstarb 2006 im Alter von 93 Jahren.

Ehrungen

  • 1983: Ehrenmitgliedschaft bei Schwaben International für die Stiftung von Studienplätzen für ausländische Jugendliche.
  • Ehrenmitglied im VDP Privatschulverband Baden-Württemberg[4]
  • 1986 erhielten Manfred und Wolfgang Flad den von der Firma Degussa gestifteten Heinrich-Roessler-Preis. Er ehrt die Verdienste um die Förderung eines modernen, lebendigen Chemieunterrichtes und die Unterstützung öffentlicher Schulen durch vielfältige Unterrichtshilfen.[2]
  • 1997 wurde Manfred Flad der „International Humanism Award“ für sein Lebenswerk verliehen von der International Schools Association, Genf.[13][14]

Literatur

Einzelnachweise

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