Mangazeit
Mineral aus der Gruppe der Sulfate
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Mangazeit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate“ (und Verwandte, siehe Klassifikation). Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Al2[(OH)4|SO4] · 3H2O[3], ist also chemisch gesehen ein wasserhaltiges, basisches Aluminium-Sulfat.
| Mangazeit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2005-021a[1] |
| IMA-Symbol |
Mgz[2] |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfate (und Verwandte) |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VI/D.06-025[3] 7.DE.05 31.07.04.02 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | triklin |
| Kristallklasse; Symbol | triklin-pedial; 1 oder triklin-pinakoidal; 1 |
| Raumgruppe | P1 (Nr. 1) oder P1 (Nr. 2)[4] |
| Gitterparameter | a = 8,286(5) Å; b = 9,385(5) Å; c = 11,35(1) Å α = 96,1(1)°; β = 98,9(1)°; γ = 96,6(1)°[4] |
| Formeleinheiten | Z = 4[4] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 1 bis 2[4] |
| Dichte (g/cm3) | berechnet: 2,15[4] |
| Spaltbarkeit | nicht beobachtet[4] |
| Farbe | farblos, weiß mit hellgelben Bereichen[4] |
| Strichfarbe | farblos[4] |
| Transparenz | durchsichtig[4] |
| Glanz | Glasglanz[4] |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,525(9)[5] nγ = 1,545(9)[5] |
| Doppelbrechung | δ = 0,020[5] |
| Optischer Charakter | zweiachsig |
Mangazeit konnte bisher nur in Form radialstrahliger Aggregate mit feinnadeligen Kristallen bis etwa 0,04 mm Größe gefunden werden. In reiner Form ist er farblos und durchsichtig, kann aber durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen hellgelbe Zonen aufweisen.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Mangazeit in der Zinn-Silber-Lagerstätte „Mangaseiskoje“ (russisch Мангазейское; englisch Mangazeiskoye) etwa 300 km östlich der Lena bei Werchojansk in der sibirischen Republik Sacha (Jakutien) im Fernen Osten Russlands. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral von G. N. Gamjanin, Ju. Ja. Schdanow, N. W. Sajakina, W. W. Gamjanina und W. S. Suknew (russisch Г. Н. Гамянин, Ю. Я. Жданов, Н. В. Заякина, В. В. Гамянина, В. С. Сукнев), die es nach dessen Typlokalität benannten.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 2005 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 2005-021a[1]), die den Mangazeit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde anschließend 2006 im russischen Fachmagazin Sapiski Rossijskogo mineralogitscheskogo obschtschestwa (russisch Записки Российского минералогического общества) veröffentlicht.
Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen Museum, benannt nach A. J. Fersman (englisch Fersman Mineralogical Museum; FMM) der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau aufbewahrt (Katalog Nr. 3291/1).[6]
Klassifikation
Da der Mangazeit erst 2005 entdeckt und von der IMA anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/D.06-025. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Mangazeit zusammen mit Aluminit, Felsőbányait, Hydrobasaluminit, Jurbanit, Khademit, Meta-aluminit, Riotintoit, Rostit, Vendidait und Zaherit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/D.06 bildet.[3]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Mangazeit ebenfalls in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; unklassifiziert“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 7.DE.05 bildet.[7]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Mangazeit die System- und Mineralnummer 31.07.04.02. Auch dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen mit (A+B2+)2(XO4)Zq × x(H2O)“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 31.07.04, in der auch Aluminit eingeordnet ist.
Bildung und Fundorte
Mangazeit bildet sich als Sekundärmineral in der Verwitterungszone von stark serizitisiertem und pyritisiertem Granodiorit. Dort findet er sich entlang der Ränder von Quarz-Arsenopyrit-Adern meist vergesellschaftet mit Gips und Chlorit.[4]
Außer an seiner Typlokalität „Mangazeisky“ konnte Mangazeit bisher nur am Oberlauf des Bachs Khangalas im Oimjakonski ulus (englisch Oymyakonsky) in der Republik Sacha (Jakutien) nachgewiesen werden (Stand 2025). Ein weiterer möglicher Fund nahe dem Ort Kalpakkam im indischen Bundesstaat Tamil Nadu gilt bisher als fraglich beziehungsweise nicht bestätigt.[8]
Kristallstruktur
Mangazeit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 1) oder P1 (Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 8,286(5) Å; b = 9,385(5) Å; c = 11,35(1) Å; α = 96,1(1)°; β = 98,9(1)° und γ = 96,6(1)° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]
Siehe auch
Literatur
- Г. Н. Гамянин, Ю. Я. Жданов, Н. В. Заякина, В. В. Гамянина, В. С. Сукнев: Мангазеит, Al2(SO4)(OH)4·3H2O – Новый Минерал. In: Записки Российского минералогического общества. Band 135, Nr. 4, 2006, S. 20–24, doi:10.1134/S1075701507070045 (russisch, rruff.info [PDF; 382 kB; abgerufen am 12. November 2025] englische Übersetzung: G. N. Gamyanin, Yu. Ya. Zhdanov, N. V. Zayakina, V. V. Gamyanina, V. S. Suknev: Mangazeite, Al2(SO4)(OH)4·3H2O – a new mineral. In: Zapiski Rossiiskogo Mineralogicheskogo Obshchetstva.).
- Paula C. Piilonen, Glenn Poirier, T. Scott Ercit, Ralph Rowe, Kimberly T. Tait: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 95, 2010, S. 1594–1600; hier: 1599 (englisch, rruff.info [PDF; 544 kB; abgerufen am 12. November 2025]).
Weblinks
- Mangazeit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- David Barthelmy: Mangazeite Mineral Data. In: webmineral.com. (englisch).