Mann-O-Meter

Beratungs- und Informationszentrum für schwule und bisexuelle Männer und Jugendliche From Wikipedia, the free encyclopedia

Mann-O-Meter (MOM) ist ein Beratungs- und Informationszentrum für schwule und bisexuelle Männer und Jugendliche im Berliner Ortsteil Schöneberg. Zum gleichnamigen Trägerverein Mann-O-Meter e. V. gehört auch das Anti-Gewalt-Projekt Maneo.

Der Sitz des Mann-O-Meter an der Bülowstraße 106 in Berlin-Schöneberg, 2005

Ursprünglich ging es aus einer Idee des Treffens Berliner Schwulengruppen (TBS), im Jahr 1985 eine Telefonberatungsstelle für die AIDS-Gegenaufklärung zu entwickeln. Heute bietet der Verein ein umfangreiches Angebot für unterschiedlichste Bedürfnisse inklusive verschiedener Gruppen an.

Geschichte

Mann-O-Meter wurde 1986 als das erste schwule „Gay Switchboard“ in Deutschland eröffnet, nachdem der Trägerverein Mann-O-Meter e. V. bereits seit 1985 arbeitete. Zunächst bestand der Verein nur aus ehrenamtlich Tätigen unter Federführung von Thomas Brüggemann (†) und einigen Studenten, darunter der Jura-Student Jörg Stubben (†). Später setzten sich Rosa von Praunheim (†) und der damalige Berliner Gesundheitssenator Ulf Fink (CDU) für eine finanzielle Förderung des Projektes ein. Die ersten angemieteten Räumlichkeiten befanden sich in der Manteuffelstraße in Kreuzberg, später dann viele Jahre in der Motzstraße. Wegen eines erweiterten Platzbedarfs ist der Verein 2001 auf die andere Seite des Nollendorfplatzes in die Bülowstraße 106 gezogen.

Das Mann-O-Meter war Modell für zahlreiche ähnliche, inzwischen verwirklichte Projekte in der damaligen westdeutschen Bundesrepublik. Während der politischen Wendezeit wurde das Angebot des Vereins von der neuen ostdeutschen und osteuropäischen Zielgruppe förmlich überrollt. In der ehemaligen DDR war AIDS sehr viel weniger in den Medien präsent gewesen.

Angebot

Die Angebote des Mann-o-Meters werden zu einem sehr großen Teil durch Ehrenamtler getragen. Die Ehrenamtler und Mitarbeiter sind auch selbst Männer, die LGBTQ* sind.[1]

Beratung

Mann-O-Meter bietet ein umfassendes Angebot an Beratung und Information zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen, zu Problemen beim Coming-out und in der Partnerschaft sowie zu anderen Fragen im Zusammenhang mit Homosexualität und schwulen Lebensweisen.

Während der Öffnungszeiten stehen zwei ehrenamtliche Berater für persönliche oder telefonische Beratungen zur Verfügung. Bei Bedarf vermitteln sie auch Gesprächstermine mit den zwei hauptamtlichen Psychologen. Durch die Niedrigschwelligkeit des Info-Cafés können sich die Gäste bei Bedarf auch selbst mit den ausliegenden Informationsmaterialien versorgen.

Chemsex

Zum Thema Chemsex (Sex in Verbindung mit Drogenkonsum) bietet Mann-O-Meter neben Beratung (auch zu Safer Use, gesundheitlicher Prävention und gegebenenfalls Wegen aus der Abhängigkeit) mehrere Gruppen an. Dabei wird danach unterschieden, ob man als Teilnehmer mehr Kontrolle über den eigenen Konsum oder Abstinenz anstrebt.[2]

Test auf HIV und STIs

Mann-O-Meter bietet Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten an. Diese finden anonym, ohne Voranmeldung und in Verbindung mit einer Testberatung statt.[3] Da insbesondere bei HIV Männer*, die Sex mit Männern* haben sowie intravenös Drogen gebrauchende ein höheres Risiko haben[4], richtet sich auch dieses Angebot gezielt an die Zielgruppe des Mann-O-Meters, also Männer, die nicht (nur) mit Frauen Sex haben. Das CBVCT-Zentrum (community-based voluntary counselling and testing) ist Mitglied der Deutschen Aidshilfe, die u. a. den gemeinsamen Fragebogen entwickelt. Das Mann-O-Meter führte mit 2162 Testberatungs- und Testkontakten im 1. Halbjahr 2024 die Liste der in der DAH organisierten CBVCT-Zentren an.[5]

Jugendarbeit

Mann-O-Meter bietet sexualpädagogische Workshops für Schulklassen an und ist Ansprechpartner auch für interessierte Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Studenten.[6.1] Zudem bietet Mann-O-Meter gemeinsam mit der Berliner Aidshilfe und pro familia die Rallye Sex in the City! für Schulklassen an. Dabei orientieren sich die Schüler anhand einer App auf iPads zwischen Standorten wie einer nahegelegenen Apotheke, dem Aids-Memorial, dem Eldorado und den Büros der Vereine, wo die Schülerinnen und Schüler an Workshops teilnehmen. An den Standorten müssen sie zudem Quizfragen beantworten. 2015 wurde Sex in the City! von der BzGA (heute: BiÖG) und dem PKV-Verband mit dem Sirius ausgezeichnet.[7][8]

Die Jugendgruppe Jungschwuppen für 14- bis 27-Jährige wird von Jugendleitern geleitet, die selbst im Teilnehmeralter sind. Sie werden dabei unterstützt von einem psychologischen Berater.[9][6.2]

Altenarbeit

Für Männer ab 50 finden eigene Angebote statt, unter anderem eine Ausgehgruppe für Museumsbesuche und Stadtspaziergänge.[10]

Vollzugshilfe

Für Inhaftierte in Berliner Vollzugsanstalten bietet das MOM ebenfalls ein Beratungs- und Betreuungsangebot, für das die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries die Schirmherrschaft übernommen hatte.

Café und Sonstiges

Mann-O-Meter stellt seine Räume auch thematisch verwandten, unabhängigen Gruppen zur Verfügung. Dazu gehören u. a. regelmäßige Treffen der Anonymen Alkoholiker, Crystal Meth Anonymous,[11] Narcotics Anonymous (LGBTIQ+ / Rainbow Meeting),[12] Schwule Väter[13] und die Freizeitgruppe Bergfest.[14]

Das jährlich stattfindende Lesbisch-schwule Stadtfest sowie der Christopher Street Day werden ebenfalls teilweise hier vorbereitet und sind unter maßgeblicher Mitwirkung von Mann-O-Meter in Berlin etabliert worden.

Maneo

Neben dem Informations- und Beratungsladen ist Maneo als zweites Projekt des Vereins Mann-O-Meter e. V. bundesweit bekannt. Hervorgegangen aus dem 1990 gegründeten Schwulen Überfalltelefon Berlin (SÜB) bietet Maneo Hilfe und Beratung für schwule und bisexuelle Jugendliche und erwachsene Männer in Berlin an, die Opfer von Gewalt wurden, erfasst Fälle von homophoben Übergriffen und Gewalt und initiiert u. a. Anti-Gewalt-Trainings in Zusammenarbeit mit der Berliner Polizei. In regelmäßigen Vor-Ort-Aktionen an Szenetreffpunkten klärt Maneo über die damit zusammenhängenden Risiken auf und ermutigt potenziell Betroffene, entsprechende Fälle zur Anzeige zu bringen. 2006 wurde die Maneo-Toleranzkampagne entwickelt, die für die Dauer von drei Jahren aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie finanziert werden konnte.

Im Rahmen seiner gewaltpräventiven Öffentlichkeitsarbeit initiierte Maneo 1992/1993 das Lesbisch-Schwule Stadtfest Berlin. Bis 1998 leitete Maneo die Koordination und Organisation.

Die von Maneo zwischen 2006 und 2008 durchgeführten bundesweiten Umfragen zu homophoben Gewalterfahrungen standen zeitweilig in der Kritik, weil diesen unterstellt wurde, schwulenfeindliche Übergriffe insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund zuzuschreiben.[15]

Im Jahr 2009 initiierte Maneo die „Regenbogenbrücke“, mit der Jugendliche aus Tel Aviv, die am 1. August 2009 einen schweren Anschlag auf ihr Jugendzentrum Bar Noir der Organisation Agudah überlebt hatten, zu Ferien nach Berlin eingeladen wurden. Das Projekt wurde von den Bürgermeistern der Städte Berlin, Köln und Tel Aviv unterstützt, die die Schirmherrschaft übernommen hatten.

Maneo, SOS-Homophobie (Frankreich), Lambda Warsaw (Polen), Kampania Przeciw Homofobii (Polen) und Rainbow Project (Nordirland) vergeben jährlich den europäischen Tolerantia-Preis, mit dem herausragende Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die sich um Toleranz verdient gemacht haben.[16]

Preisträger

Nachbarschaft

Das Mann-O-Meter befindet sich direkt am Nollendorfplatz, einem Zentrum homosexueller Stadtkultur seit über hundert Jahren.

Direkter Nachbar ist der Kontaktladen des Drogennotdiensts[23].

In unmittelbarer Nähe befinden sich heute das Metropol, die Evangelische Zwälf-Apostel-Kirchengemeinde an der Kurfürstenstraße, das Café Ulrichs (gehört zur Berliner Aidshilfe), der queere Buchladen Eisenherz, homosexuelle Bars und Kneipen sowie der Winterfeldtplatz mit seinem samstäglichen Wochenmarkt.

Zusammenarbeit

Das Mann-O-Meter arbeitet mit unterschiedlichen öffentlichen und privaten Institutionen zusammen. Kooperationspartner waren oder sind:

  • Robert Koch-Institut
  • Arbeitskreis AIDS niedergelassener Ärzte
  • Schwulenberatung Berlin und sidekicks.berlin
  • Berliner Aids-Hilfe e. V.
  • Landesverband der Berliner AIDS-Selbsthifegruppen e. V. (LaBAS)
  • Pluspunkt
  • Fixpunkt e. V.
  • subWay e. V.
  • Zeitschrift Siegessäule
  • Tropeninstitut (Institut für Tropenmedizin) der Charité
  • organisatorische Zusammenschlüsse rund um Rosa von Praunheim, der in der Gründungsphase des Vereins den Kontakt zur Senatsverwaltung hergestellt hatte.

Siehe auch

Einzelnachweise

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