Mansfeld-Galerie

zwischen 1949 bis 1990 entstandene Kunstsammlung mit Werken aus der Zeit der DDR From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Mansfeld-Galerie – Kunstsammlung des VEB Mansfeld-Kombinats „Wilhelm Pieck“ ist eine zwischen 1949 und 1990 entstandene Kunstsammlung[1] mit Werken aus der Zeit der DDR, die überwiegend von Künstlerinnen und Künstlern aus der ehemaligen DDR sowie aus sozialistischen Bruderländern geschaffen wurden, wobei die geographische Bandbreite von der Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn, Polen,[2] Indien, Aserbaidschan bis Chile[3] reicht und damit überraschend groß ist.

Die Sammlung befindet sich im Kreisarchiv Mansfeld-Südharz und umfasst derzeit über 500 dokumentierte Werke, darunter Gemälde, Grafiken, Zeichnungen, Fotografien, Plastiken und Kunstwerke im öffentlichen Raum. Sie bietet einen repräsentativen Einblick in die künstlerische Darstellung von Arbeitswelten, industriellen Landschaften und sozialistischen Lebensrealitäten in der DDR.

Geschichte und Entstehung der Sammlung

1949 vergab die Generaldirektion erste Aufträge an bildende Künstler. Es sollte die Entstehung von Kunstwerken gefördert werden, die „die Frage nach dem Sinn und dem Inhalt sozialistischen Lebens, nach neuen moralischen Haltungen und Wertungen direkt aufwerfen und die helfen, den Führungsanspruch der Arbeiterklasse zu manisfestieren.“ Dabei konzentrierte sich das Kombinat zunächst auf Künstler der Region wie Wilhelm Schmied, Kurt Pers, Willi Neubert und Karl-Erich Müller.[4] Es wurden Werke angekauft, die in die unternehmenseigene Kunstsammlung kamen. „Die Werke schmückten zunächst Büros und Flure der Verwaltung, sie wurden in Kantinen und anderen Häusern des Kombinats gezeigt. Im Wandelgang des Kulturhauses der Bergarbeiter in Eisleben gab es seit den 1960er Jahren regelmäßig Ausstellungen.“[5] Nach Gudrun Riedel[6], welche die Leitung der Galerie seit 1967 innehatte,[7] übernahm 1984 Sigrun Schulze die Galerieleitung. Am 21. November 1986 wurden die eigenen Räume der Mansfeld-Galerie feierlich eröffnet.[8]

Ab 1971 richtet das Kombinat zudem in Eisleben acht mehrwöchige internationale Künstlerpleinairs aus.[8]

Künstlerische Motive und Stilrichtungen

Die Sammlung umfasst unter anderem Porträts von Arbeitern und Angestellten, Darstellungen der Bergbaulandschaft im Mansfelder Land sowie Szenen aus dem Arbeitsalltag. Ergänzt werden diese durch private und freizeitbezogene Motive, etwa Feste oder auf Reisen entstandene Impressionen. In den frühen 1950er Jahren dominierte eine ideologisch geprägte Bildsprache, die die Errungenschaften des Sozialismus betonte und die Arbeiterklasse in heroischer Weise darstellte. Ein Beispiel hierfür ist das Gruppenporträt des Kollektivs Ebeling-Janotta, das Wilhelm Pieck inmitten von Arbeitern zeigt.[9]

Ab den 1970er Jahren veränderte sich die Darstellungsweise: Die Künstler entwickelten freiere, individuellere Bildsprachen und setzten sich zunehmend mit der realen Lebenswelt auseinander. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Diptychon Bergleute heute und morgen von Wilhelm Schmied.[10] Darüber hinaus enthält die Sammlung ganz außergewöhnliche Werke wie die sogenannten Kosmosbilder mit Weltraummotiven und Science-Fiction-Themen von Andrei Sokolov, welche „in Zusammenarbeit mit dem sowjetischen Kosmonauten Alexei Leonov (1934–2019) geschaffen“ wurden. Es handelt sich um 22 Bilder, wie sie wohl „keine andere Werkssammlung vorweisen“ könne, so Breer.[11]

Vergleich mit anderen Werksammlungen der DDR

Im Kontext anderer betrieblicher Kunstsammlungen der DDR nimmt die Mansfeld-Galerie eine mittlere Größe ein. Während die größte Sammlung, jene der SDAG Wismut, über 4.000 Werke umfasste, gehört die Mansfeld-Galerie mit ihren knapp 400 dokumentierten Werken zu den kleineren Sammlungen.[12] Thematisch jedoch entspricht sie weitgehend anderen betrieblichen Kunstsammlungen der DDR, die sich durch die Darstellung industrieller Arbeit, betrieblicher Gemeinschaften und sozialistischer Werte auszeichneten.

Gegenwärtige Situation und Perspektiven

Heute ist die Sammlung im Kreisarchiv Mansfeld-Südharz untergebracht. Der Museumsverbund Erlebniswelt Museen e. V.[13] organisiert regelmäßig Wechselausstellungen,[14] um ausgewählte Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.[15] Eine vollständige wissenschaftliche Aufarbeitung der Sammlung erfolgt derzeit auf Initiative von Sabine Breer, um diesen „fast vergessenen“[16], „ungehobenen Schatz“[17] durch Sylvia Meinel und Dr. Sara Tröster Klemm, zusammen mit einem Team aus Restauratorinnen, dem Fotografen Gustav Franz und weiteren Mitarbeiterinnen. Dabei wird die Sammlung systematisch erfasst, inventarisiert und die Bestände digitalisiert. Auch eine dauerhafte Präsentation wird angestrebt, um die Bedeutung der Sammlung für die Kunst- und Industriegeschichte der DDR zu sichern und sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.[18] Zudem sollen verbesserte Lagerbedingungen den langfristigen Erhalt der Werke gewährleisten. Seit 2025 wird die Sammlung digitalisiert.[19]

Literatur und Quellen

  • Sabine Breer: Auf Halde. Die Mansfeld-Galerie – Kunstsammlung des VEB Mansfeld-Kombinats »Wilhelm Pieck«. In: Jan Kellershohn – Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Landesgeschichtliche Beiträge: Der Braunkohlenbergbau im 20. und 21. Jahrhundert – Geschichte – Kultur – Erinnerung. Band 1. Beier & Beran, Halle/Saale 2023, ISBN 978-3-948618-52-0, S. 53–84.
  • Museumsverbund Erlebniswelt-Museen e. V.: Ausstellungskataloge zur Mansfeld-Galerie
  • Kreisarchiv Mansfeld-Südharz: Dokumentationen und Inventarlisten
  • Forschungsliteratur zur Kunstpolitik und betrieblichen Kunstförderung in der DDR
  • MDR Sachsen-Anhalt Heute: Kunstsammlung des Mansfeld-Kombinats geht online, abgerufen am 18. März 2025.

Einzelnachweise

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