Marc Andre Matten

deutscher Sinologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Marc Andre Matten (* 26. Januar 1978 in Marl) ist ein deutscher Sinologe.

Leben

Marc A. Matten kam während der Oberstufe am Gymnasium im Loekamp mit der chinesischen Sprache in Kontakt und absolvierte einen Sprachkurs in Peking zwischen der 12. und 13. Schulklasse. Nach dem Abitur studierte er Sinologie, Japanologie und Volkswirtschaftslehre an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Er verbrachte während des Magisterstudiums je ein Jahr an der Jilin-Universität in Nordostchina (1999–2000) und an der Waseda-Universität in Tokio (2001–2002) für Intensivsprachkurse in Chinesisch und Japanisch. Während des Aufenthaltes in Tokio kam er mit der japanischen Sinologie in Berührung.

Seine Dissertation Die Grenzen des Chinesischen verfasste er von 2004 bis 2006 an der Graduate School for Area Studies an der Universität Tokio. Der zweijährige Aufenthalt wurde gefördert von der Japan Foundation sowie vom DAAD. Die Promotion erfolgte dann im Folgejahr an der Universität Bonn. Die Publikation wurde 2009 mit dem Martin-Behaim-Preis der Gesellschaft für Überseegeschichte ausgezeichnet.

2015 folgte die Habilitation zu Raum und Geopolitik in Ostasien im 19. und 20. Jahrhundert, publiziert 2016 unter dem Titel Imagining a Postnational World. Hegemony and Space in Modern China.

Von Januar 2007 bis Juni 2008 vertrat er eine Professur für Sinologie an der Universität Leiden in den Niederlanden, wo er Seminare in Sinologie und Japanologie unterrichtete. Im Folgejahr (2008–2009) war er ein Postdoctoral Fellow am Institute of Modern History der Academia Sinica in Taiwan.

Seit 2009 ist Marc A. Matten Professor für Zeitgeschichte Chinas an der Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Seine Forschungsschwerpunkte sind politische Ideengeschichte des modernen China, Begriffsgeschichte in Ostasien, Nationalismus und nationale Identität, transnationaler Wissenstransfer in der Zeit des Kalten Kriegs, sowie Debatten zur Globalgeschichte in China und Taiwan.

Seit 2020 widmet er sich der Frage, wie die Geschichte Chinas enger in die Globalgeschichte integriert werden kann. Ein von der Volkswagenstiftung gefördertes Projekt („Writing History with China“, 2020–2027)[1] zielt auf die verstärkte Übersetzung von Schlüsseltexten für die universitäre Forschung und Lehre ab. Im Rahmen des Projekts wurde das Chinese Global History Lab@FAU etabliert, das abwechselnd in Deutschland, China und Taiwan stattfindet. Die Globalisierung der Globalgeschichte via Übersetzung ist Kern seiner Lehre als Gastprofessor am Institute of Global History an der Beijing Foreign Studies University, wo er regelmäßig unterrichtet und Doktorandinnen sowie Doktoranden betreut.

Forschungsprojekte

  • 2020–2027: Writing History with China—New Approaches in Global History, VolkswagenStiftung (Momentum-Förderung)
  • 2022–2026: Graduiertenkolleg: The Sentimental in Literature, Culture, and Politics (DFG)
  • 2023–2026: BMBF-Projekt zur Förderung des Regionalen Ausbaus der China-Kompetenz in der Wissenschaft (Regio-China): Kompetent wissenschaftlich interagieren mit China,[2] zusammen mit der Sinologie der Universität Würzburg
  • 2023–2026: Memoryscapes of Collective Suffering: Memorializing Natural Catastrophes in Contemporary China (DFG)
  • 2018–2023: Producing and Consuming Authenticity—Politics of the Past in the Cultural and Creative Industries in the Sinophone Sphere (DFG)
  • 2017–2019: Trilaterale Workshopreihe Transcontinental Perspectives on Knowledge Production, zusammen mit University of Tokyo und Yonsei University (Korea) (PAJAKO-Programm des DAAD)
  • 2013–2015: Science, Modernity, and Political Behavior in Contemporary China (1949–1978) (Chiang Ching-Kuo Foundation)

Veröffentlichungen (Auswahl)

Als Autor bzw. Übersetzer

  • Die Grenzen des Chinesischen – Nationale Identitätsstiftung im China des 20. Jahrhunderts. Harrassowitz-Verlag, 2009.
  • Imagining a Postnational World – Hegemony and Space in Modern China. Leiden: Brill, 2016.
  • Wenn der Frosch aus dem Brunnen springt: Subversive Anekdoten aus der modernen Geschichte Chinas. Ostasien-Verlag, 2024
  • The Transnational Development of China’s Modern Historiography. The Role of Chinese Doctoral Students at American Universities during the Republican Era (1912-1949), zusammen mit Yang Zhao. Erlangen: FAU University Press, 2023. Open Access
  • Globalgeschichten aus China--Aktuelle Debatten in der Volksrepublik, zusammen mit Egas Moniz Bandeira. Frankfurt: Campus, 2023. Open Access
  • Knowledge Production in Mao-Era China. Learning from the Masses. Zusammen mit Rui Kunze. Lexington, 2021.

Als Herausgeber

  • Places of Memory in Modern China – History, Politics, Identity. Leiden: Brill, 2012.
  • Moving Knowledge – The Soviet Union and China in the Twentieth Century (Sondernummer der Zeitschrift Comparativ), zusammen mit Julia Obertreis, 2019. Open Access

Übersetzung ins Chinesische

  • Aleida Assmann: Geschichte im Gedächtnis (2007), zusammen mit Yuan Siqiao (《记忆中的历史》), erschienen bei Nanjing University Press, Nanjing 2016.

Auszeichnungen und Ämter

  • 2009 Martin-Behaim-Preis der Gesellschaft für Überseegeschichte e.V.[3]
  • seit 2018: Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Zeitschrift Global History and China (全球史与中国) (Beijing Foreign Studies University, VR China)
  • 2019–2020: Präsident der Society of Cultural Interaction in East Asia[4]
  • seit 2021: Mitherausgeber der Reihe Social and Cultural Changes in China (DeGruyter)[5]
  • seit 2023: Mitherausgeber der Reihe „FAU Studies and Sources in Sinology“ (FAU University Press)[6]
  • 2024–2026: Fellow der Bayerischen Wissenschaftsallianz für Frieden, Sicherheit und Konflikt[7]
  • 2025–2027: Program Committee Member für das East and Inner Asia Sub-Committee der Association for Asian Studies[8]

Belege

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