Marc Warnery
Schweizer Kaufmann und Plantagenverwalter in Suriname
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Leben
Familie und Jugend
Marc Warnerys Familie gehörte zu der reformierten Bürgerschicht des Kantons Waadt und verfügte über beträchtliche soziale und wirtschaftliche Ressourcen. Sein Vater Jules Henri Warnery (* 3. April 1765 in Morges; † 12. Mai 1849 ebenda)[1] war Leutnant in französischen Diensten gewesen, später tätig als Richter und Stadtrat von Morges. Die Mutter Françoise (geb. Blanchenay) entstammte einer alteingesessenen Familie, die ursprünglich aus Savoyen stammte und im Kanton Waadt mehrere Richter, prominente Politiker und Ingenieure hervorgebracht hatte. Marc war das jüngste Kind und wuchs mit einem jüngeren Bruder und zwei älteren Schwestern auf, von denen eine jedoch bereits kurz nach ihrer Geburt starb. Er selbst blieb zeitlebens unverheiratet.
Sein Neffe war der Philologe und Autor Henri Warnery.
Frühe Handelsunternehmungen und finanzielle Schwierigkeiten

Bereits als junger Erwachsener betätigte sich Warnery im Handel. Er siedelte sich in Versoix an und investierte dabei Familienkapital in ein Lebensmittelgeschäft. Dieses Unternehmen scheiterte jedoch rasch und führte zum Konkurs. Die darauf folgende Schuldenforderungen mehrerer Gläubiger zwang die Familie Warnery, ihre wirtschaftliche Basis erheblich zu reduzieren. Sie mussten einen Teil ihrer Landbesitzungen veräußern, darunter das Gut Riond-Bosson in Tolochenaz, das 1896 von dem polnischen Musiker Ignacy Jan Paderewski erworben wurde[2], und waren zudem genötigt, eine Pension in Morges zu eröffnen, um die Finanzkrise zu bewältigen.
Engagement in Suriname
Um die wirtschaftliche Situation der Familie zu verbessern und sein eigenes Vermögen zu mehren, entschied sich Marc Warnery, in die niederländische Kolonie Suriname auszuwandern. Ab 1823 war er dort zunächst als Aufseher tätig, bis er ab 1826 die Position eines Direktors auf verschiedenen Plantagen hintereinander übernahm. Diese Plantagen dienten dem Anbau von Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle und waren abhängig von der Arbeitskraft versklavter Menschen.
Einer seiner bedeutendsten Arbeitgeber war der aus Neuenburg stammende Kaufmann Alfred Jacques Henri Berthoud, der in Paramaribo ansässig war und mehrere Plantagen besaß. Berthoud nahm eine zentrale Rolle in Warnerys Leben an, wie dessen Briefe zeigen. Mit Berthoud geriet Warnery jedoch ebenso in Konflikt wie mit den anderen Plantagenbesitzern, für die er tätig war. Diese wiederholten beruflichen Zerwürfnisse zwangen ihn, ständig von einer Plantage zur anderen zu wechseln – ein Scheitern, das weit unter den Erwartungen seiner Familie lag, die in der kolonialen Unternehmung einen Ausweg aus ihrer Finanzkrise erhofft hatte.
Er starb in Suriname, wahrscheinlich an Malaria, dreizehn Jahre nach seiner Ankunft in der Kolonie.
Korrespondenz und historische Quellen

Während seines 13-jährigen Aufenthalts in Suriname korrespondierte Warnery regelmäßig mit seiner Familie in Morges. Diese Briefe bilden heute eine wichtige historische Quelle, da sie detaillierte Informationen über die gesellschaftlichen Strukturen, Machtdynamiken und Alltag in der kolonialen Plantagenwirtschaft enthalten. Der Großteil der Korrespondenz richtete sich an seinen Vater und seine Mutter, während einzelne Briefe an seine Schwester Louise Marie Augustine Warnery sowie an seinen Cousin Correvon de Martines adressiert waren.
In seinen Schreiben dokumentierte Warnery mit großer Ausführlichkeit die Arbeitsverhältnisse auf den Plantagen, insbesondere die schweren Bedingungen, unter denen versklavte Menschen tätig waren. Er beschrieb seine eigene Rolle als Aufseher, seine Beziehungen zu anderen europäischen Angestellten und sein Verhältnis zu den Plantageneigentümern. Auch soziale Praktiken wie Feste und religiöse Zeremonien werden in den Briefen thematisiert; Warnery merkte an, dass die versklavten Menschen sich der Missionierungsbemühungen der Herrnhuter Brüdergemeine nur wenig zugänglich zeigten. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Korrespondenz war die Darstellung seines Freundes Berthoud, dessen geschäftliche Erfolge und glückliche Eheschließung er hervorhob. Von besonderer geschichtswissenschaftlicher Relevanz sind Warnerys Aufzeichnungen über Aufstände und Fluchtversuche von Versklavten sowie über die Bestrafungsmaßnahmen, die ihnen durch die Kolonialherren auferlegt wurden. Sein letzter Brief datierte vom 30. August 1835.[3]
Eine Sammlung seiner Briefe erschien 2008 unter dem Titel Seul au milieu de 128 nègres.
Schriften (Auswahl)
- Thomas David (Hrsg.) Olivier Pavillon (Hrsg.) und Janick Marina Schaufelbuehl (Hrsg.): » Seul au milieu de 128 nègres «. Un planteur vaudois en Guyane hollandaise au temps de l’esclavage. Lettres à ses parents, 1823-1835. Lausanne 2008 (Digitalisat).
Literatur
- Olivier Pavillon, Ivo Berther: Marc Warnery. In: Historisches Lexikon der Schweiz.