Marcianus (Stadtpräfekt)

spätantiker römischer Politiker, Stadtpräfekt 409 From Wikipedia, the free encyclopedia

Marcianus war ein hoher römischer Beamter der Spätantike. Er erreichte 409 die Stadtpräfektur der Stadt Rom.

Überlieferung

Inschriften und Gesetze

Generell ist die Identifikation oder Trennung verschiedener bekannter Personen namens Marcianus Ende des 4. und Anfang des 5. Jahrhunderts in der prosopographischen Forschung umstritten.

Der römische Senat widmete einem Iulius Agrius Tarrutenius Marcianus, der oft mit dem späteren Stadtpräfekten identifiziert wird, eine hochoffizielle Inschrift. Diese nennt dessen Ämterlaufbahn wie folgt: vir clarissimus et inlustris (d. h. Angehöriger des Senatorenstands), Kandidat für die Quaestur sowie Praetur, Konsular (Statthalter) der Provinz Sizilien und Prokonsul der Orientis.[1]

Ein an einen Marcianus adressiertes Gesetz vom 22. März 384 weist diesen als vicarius (zweithöchsten Zivilbeamten unter dem Prätorianerpräfekten) einer westlichen Diözese aus;[2] ob dieser identisch ist mit dem späteren Stadtpräfekten, ist jedoch unklar.[3]

Carmen contra paganos

Ein weiterer Hinweis auf einen Marcianus findet sich im Carmen contra paganos, einem anonymen christlichen Schmähgedicht gegen einen gerade verstorbenen heidnischen Präfekten. Darin wird behauptet, dieser Präfekt (dessen Name nicht genannt wird) habe einen sonst unbekannten Leucadius dazu angestiftet, Marcianus so zu „verderben“ (perdere), dass Leucadius den Posten des proconsul von Africa bekam.[4] Da das Ereignis sonst nicht überliefert ist, ist unklar, was hier mit „verderben“ oder „korrumpieren“ gemeint ist. Vielleicht ist gemeint, dass der Präfekt Marcianus als Proconsul Africas absetzte und stattdessen Leucadius auf diesen Posten hob.[5] Vielleicht ist auch gemeint, dass der Präfekt Marcianus vom rechten Glauben abbrachte (ihn also „verdarb“), indem er ihm das Prokonsulat von Africa im Austausch für seine Apostasie gab.[6]

In der historischen Forschung ist zudem umstritten, ob es sich bei dem vom Carmen angegriffenen Präfekten um Vettius Agorius Praetextatus oder um Virius Nicomachus Flavianus handelt. In ersterem Fall hätte sich das zugrundeliegende Ereignis 384 (dem Todesjahr des Praetextatus, in dem dieser Prätorianerpräfekt war), im letzteren Fall 394 (dem Todesjahr des Flavianus, für den dasselbe gilt) zugetragen. Da generell unklar ist, welche Marciani miteinander zu identifizieren sind, ist auch dieser Marcianus nicht sicher zuordenbar.[7]

Stadtpräfektur und weitere Quellen

409 wurde Marcianus von dem Usurpator Priscus Attalus, der unter dem Eindruck der Belagerung Roms durch Alarich den Purpur ergriffen hatte, zum Stadtpräfekten ernannt.[8] Wegen seiner Verbindungen zur heidnischen Stadtaristokratie, der er wohl ebenfalls entstammte, wurde zuweilen vermutet, dass er gemeinsam mit dem Prätorianerpräfekten Lampadius und dem Konsul Tertullus Teil einer Machtfraktion hochrangiger Heiden während der Usurpation des Priscus Attalus war.[9] Allerdings lässt sich aus dem vorhandenen Quellenmaterial laut Alan Cameron nicht einmal mit Sicherheit schließen, dass Marcianus überhaupt Heide war.[10]

Marcianus tauschte Briefe mit dem bekannten heidnischen Politiker und Gelehrten Quintus Aurelius Symmachus aus und hatte einen Sohn namens Maximianus.[11]

Eher als unwahrscheinlich erachtet wird eine Identifikation dieses Marcianus mit einem gleichnamigen Briefpartner des Augustinus von Hippo.[12]

Literatur

Anmerkungen

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