Marcus Favonius
römischer Politiker
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Marcus Favonius (* ca. 90; † 42 v. Chr.) war ein römischer Politiker der späten Republik, der vor allem als enger Anhänger und bewundernder Nacheiferer Catos des Jüngeren bekannt wurde.
Favonius stammte vermutlich aus Tarracina. Die in Tarracina gefundene Statue mit der Inschrift M. Favonio M. f. leg(ato) popul(us) Agrigent(inus)[1] wurde lange ihm selbst zugeschrieben, der damit als Quästor oder Legat auf Sizilien gewirkt haben soll. F. X. Ryan zeigt jedoch überzeugend, dass dies unwahrscheinlich ist – weder vor noch nach 49 v. Chr. passt eine sizilische Legatur in seine Biografie –, und identifiziert den Geehrten stattdessen als dessen Vater (Legatur wohl 100–75 v. Chr.). Dadurch war Favonius kein reiner homo novus, sondern stammte aus einer bereits senatorischen Familie.[2] Geboren um 90 v. Chr., war er nur wenige Jahre jünger als Cato, aber deutlich älter als Marcus Iunius Brutus.[3]
Leben
Rhetorische Ausbildung und Frühe politische Auftritte
Seine rhetorische Ausbildung absolvierte er in Rhodos bei Apollonius Molon, allerdings ohne großen Erfolg: Nach seinem ersten Prozess spottete der gegnerische Anwalt, Favonius habe eher molis (Lasten) als Moloni studiert.[4] Eine erhaltene Probe seiner Beredsamkeit ist vermutlich der leidenschaftliche Angriff gegen Tafelluxus bei Aulus Gellius;[5] die Rede richtete sich gegen die Abschaffung oder eine spätere Erneuerung eines sumptuarischen Gesetzes („Luxusgesetz“, nicht der lex Licinia von 97 v. Chr.).
Politisch trat er erstmals 61 v. Chr. hervor, als er gemeinsam mit Cato den Konsul Marcus Pupius Piso scharf angriff, weil dieser Publius Clodius Pulcher schützte.[6] Bei der Volkstribunenwahl 60 v. Chr. unterlag er, klagte den erfolgreichen Mitbewerber Quintus Caecilius Metellus Pius Scipio wegen Wahlbestechung (ambitus) an und bewarb sich erneut vergeblich.[7]
Opposition gegen die Triumvirn, Ämter und innere Konflikte
In den folgenden Jahren richtete sich seine Opposition vor allem gegen die Triumvirn. Er verspottete Pompeius’ weiße Beinbinde wegen eines Geschwürs als „Königsbinde“,[8] leistete 59 v. Chr. als letzter Senator den Eid auf Caesars Ackergesetz – nach Cato[9] –, wandte sich 57 v. Chr. gegen Pompeius’ cura annonae,[10] klagte Ptolemaios XII. von Ägypten wegen Mordes an Gesandten und Bestechung an,[11] stimmte 56 v. Chr. Schmähungen gegen Pompeius im Senat zu[12] und leistete 55 v. Chr. zusammen mit Cato Widerstand gegen die neue Provinzverteilung der Triumvirn.[13]
Weitere Stationen seines Wirkens waren 54 v. Chr. der Einsatz für die Freiheit von Tenedos[14] und die Erwartung, dass er – da Cato krank war – bei den Wahlskandalen offen sprechen würde.[15] 53 v. Chr. wurde er plebejischer Ädil; Stimmenfälschung hätte ihn fast verhindert, doch Cato griff ein. Favonius überließ seinem Freund die Leitung der Spiele fast vollständig, weshalb er in der Volksgunst hinter seinem Kollegen Gaius Scribonius Curio zurückblieb.[16] Plutarchs Formulierung, Curio habe als Amtsgenosse Favonius’ die prächtigen Spiele gegeben, ist wohl dadurch zu erklären, dass Curios Leichenspiele gleichzeitig mit den aedilizischen abliefen und konkurrierten. Kurz darauf warf ihn der Volkstribun Quintus Pompeius Rufus aus geringfügiger Ursache ins Gefängnis.[17] In der Verteidigung Titus Annius Milos 52 v. Chr. spielte er eine Nebenrolle: Cicero berief sich auf eine Drohung des Clodius Pulcher, die Favonius gehört hatte.[18] Die Praetur erreichte er wahrscheinlich 49 v. Chr.; Velleius Paterculus nennt ihn 48 v. Chr. praetorius.[19]
Bürgerkrieg und Pharsalos
Im Bürgerkrieg verspottete er 49 v. Chr. Pompeius’ Prahlerei, er könne Armeen aus dem Boden stampfen,[20] lehnte in Capua jede Verhandlung mit Caesar ab[21] und ging mit Pompeius nach Griechenland. 48 v. Chr. operierte er in Makedonien unter Metellus Scipio, wurde am Aliakmonas von diesem gerettet,[22] brach Verhandlungen mit Caesars Agenten ab[23] und kritisierte im Lager von Pharsalos Pompeius’ Zögern und den Luxus der Führungsschicht.[24] Nach der Niederlage begleitete er Pompeius treu auf der Flucht.[25]
Nach Pompeius’ Tod begnadigt, kehrte er nach Italien zurück. 44 v. Chr. lehnte er den Beitritt zur Verschwörung gegen Caesar ab – der Bürgerkrieg sei schlimmer als eine gesetzwidrige Monarchie –,[26] schloss sich aber nach der Tat den Caesarmördern an.[27] Im Juni 44 war er in Antium bei Brutus, Cassius und Cicero.[28]
Ende bei Philippi
42 v. Chr. versuchte er in Sardes vergeblich, zwischen Brutus und Cassius zu vermitteln, und wurde von Brutus scharf zurechtgewiesen.[29] Bei Philippi (Schlacht bei Philippi) geriet er in Gefangenschaft und wurde – bereits proskribiert – nach Schmähungen gegen Octavian hingerichtet.[30] Teile seines Vermögens fielen an Gaius Maecenas, darunter der Sklave Sarmentus; seine Frau lebte noch 37 v. Chr., eine Tochter war wohl Favonia.[31]
Die antiken Autoren – vor allem Plutarch – schildern ihn durchgehend als engen Freund und eifrigen Nacheiferer Catos. Häufig erscheint er jedoch als karikierendes Zerrbild Catos. Tacitus zählt ihn neben Quintus Aelius Tubero zu den Namen, die schon der alten Republik lästig waren.[32] Diese überpointierte Darstellung hat das Urteil der späteren Forschung stark geprägt und Favonius’ tatsächliche Bedeutung vermutlich unterschätzt.
Literatur
- Friedrich Münzer: Favonius 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VI,2, Stuttgart 1909, Sp. 2074–2077.
- F. X. Ryan: Der bei den Agrigentinern beliebte Legat M. Favonius M. f. In: Faventia. Band 24/2, 2002, S. 33–36 (online).