Maren Röger

deutsche Historikerin und Kulturwissenschaftlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Maren Röger (* 24. Februar 1981 in Waiblingen[1]) ist eine deutsche Kulturwissenschaftlerin, Historikerin und Hochschullehrerin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Geschichte Ostmitteleuropas, insbesondere Polens vom 19. Jahrhundert bis heute, Besatzungs- und Kriegsfolgenforschung, Nationalsozialismus und Holocaust. Seit November 2021 ist sie Direktorin des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa und Professorin für „Geschichte des östlichen Europa/Ostmitteleuropa“ an der Universität Leipzig.

Leben und Wirken

Maren Röger studierte an der Leuphana Universität Lüneburg und der Universität Breslau Kulturwissenschaften, Neuere und Neueste Geschichte und Medienwissenschaften. Im Jahr 2010 wurde sie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen promoviert. Ihre Dissertation Flucht, Vertreibung und Umsiedlung entstand im Rahmen des Gießener Graduiertenkollegs „Transnationale Medienereignisse“ und befasste sich erstmals umfassender mit der Rolle der Medien in der Erinnerungsgeschichte in Deutschland seit 1989 von Flucht und Vertreibung.[2] Ab 2010 war sie für fünf Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Historischen Institut in Warschau. Nach einem Sommersemester 2014 als Gastprofessorin an der Universität Hamburg war sie ab 2015 Juniorprofessorin und ab 2021 Professorin für „Verflechtungsgeschichte mit dem östlichen Europa“ an der Universität Augsburg.[3] Dort leitete sie ab 2017 auch das Bukowina-Institut als wissenschaftliche und organisatorische Geschäftsführerin.[4] Seit November 2021 ist sie in der Nachfolge von Christian Lübke Direktorin des Leibniz-Instituts und Professorin für „Geschichte des östlichen Europa/Ostmitteleuropa“ an der Universität Leipzig.[5]

Für das Manuskript ihrer Studie Sexualpolitik und Besatzeralltag in Polen 1939–1945. Prostitution, Intimität, Gewalt erhielt Röger 2014 den mit 6000 Euro dotierten „Ernst Fraenkel Prize“ der Wiener Library.[6] Es erschien 2015 als Buch unter dem Titel Kriegsbeziehungen. Intimität, Gewalt und Prostitution im besetzten Polen 1939 bis 1945.[7] Die Untersuchung gebe „nicht nur Aufschluss über Voraussetzungen, Formen und Folgen sexueller Kriegsbeziehungen, sondern auch Einsicht in eine bisher defizitäre Historiografie“, befand Bianka Pietrow-Ennker. Röger sei es „sehr eindrucksvoll gelungen, das heikle Thema auf der Grundlage von Akten unterschiedlicher Institutionen aus polnischen, deutschen und amerikanischen Archiven, angereichert durch persönlich geführte Interviews, zu erforschen und damit eine gravierende Lücke zu schließen“.[8]

Röger ist Mitherausgeberin des interdisziplinär und epochenübergreifend angelegten Journals für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa[9] sowie der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung.

Forschungsschwerpunkte

Zu den Forschungs- und Arbeitsthemen von Maren Röger gehören insbesondere[10]:

  • Geschichte Ostmitteleuropas vom 19.–21. Jahrhundert
  • Vergleichende europäische Zeitgeschichte
  • Geschlechter- und Sexualitätsgeschichte
  • Gewaltgeschichte (insbesondere Zweiter Weltkrieg und Holocaust)
  • Geschichte von Migration und Zwangsmigration in der Moderne
  • Erinnerungskultur und Geschichtspolitiken im östlichen Europa
  • Geschichte politischer Kommunikation, Mediengeschichte und public history
  • Nationalismusforschung

Funktionen und Mitgliedschaften

Funktionen

  • Sprecherin des Leibniz-Forschungsnetzwerks Östliches Europa (seit 2022)
  • Stiftungsrätin der Max Weber Stiftung (seit 2023)
  • stellv. Sprecherin der Sektion A »Geisteswissenschaften und Bildungsforschung« der Leibniz-Gemeinschaft (seit 2025)

Mitgliedschaften (Auswahl)

  • Beirätin des Fachinformationsdienstes Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa der Bayerischen Staatsbibliothek (DFG) (seit 2017)
  • Beirätin des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung (seit 2022)
  • Beirätin des Fritz Bauer Instituts (seit 2022)
  • Mitglied im Kuratorium des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (seit 2025)
  • Beirätin der Buchreihe »Studies in Gender, Violence, and Wars« bei Berghahn Books (hrsg. von K. Hagemann, I. Heinemann, J. Heinzen, Th. Kühne und E. Mailänder) (seit 2026)

Herausgeberschaften

  • Mitherausgeberin der GWZO-Schriftenreihen »Visuelle Geschichtskultur« (zus. mit Arnold Bartetzky) und »GWZO Studies on Central and Eastern Europe: Interdisciplinary Approaches to Culture, History and the Environment« (zus. mit Julia Herzberg) sowie des GWZO-Magazins »Mitropa«
  • Mitherausgeberin der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung / Journal of East Central European Studies (seit 2021)
  • Mitherausgeberin der Reihe »Moderne europäische Geschichte« beim Wallstein Verlag (zus. mit Claudia Kraft, Isabella Löhr und Martina Steber) (seit 2022)

Veröffentlichungen

Monografien
  • mit Małgorzata Stolarska-Fronia: Gezeigte Grenzen: Erkundungen deutsch-polnisch-jüdischer Beziehungsbilder zwischen 1890 und 1920. (Visuelle Geschichtskultur, 23) Sandstein Verlag, Dresden, 2024, ISBN 978-3-95498-837-2.
  • Karten in die Moderne. Eine visuelle Geschichte des multiethnischen Grenzlandes Bukowina 1895–1918 (Visuelle Geschichtskultur, 20). Sandstein Verlag, Dresden, 2023, ISBN 978-3-95498-690-3.
  • Kriegsbeziehungen. Intimität, Gewalt und Prostitution im besetzten Polen 1939 bis 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-10-002260-8.
    • polnische Ausgabe: Wojenne związki. Polki i Niemcy podczas okupacji. Świat Książki, Warszawa 2016, ISBN 978-83-813-9567-0.
    • englische Ausgabe: Wartime Relations. Intimacy, Violence, and Prostitution in Occupied Poland, 1939–1945. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-881722-2 (Übersetzung von Rachel Ward).
  • Flucht, Vertreibung und Umsiedlung. Mediale Erinnerungen und Debatten in Deutschland und Polen seit 1989 (= Studien zur Ostmitteleuropaforschung, Band 23). Verlag Herder-Institut, Marburg 2011, ISBN 978-3-87969-371-9.
    • polnische Ausgabe: Ucieczka, Wypędzenie i Przesiedlenie. Medialne Wspomnienia i Debaty w Niemczech i w Polsce po 1989 roku. Wydawnictwo Nauka i Innowacje, Poznań 2016 [Studia Brandtiana Translationes], ISBN 978-83-64864-23-0.
Herausgeberschaft
  • mit Vincent Hoyer: Völker verkaufen. Politik und Ökonomie der Postkartenproduktion im östlichen Europa um 1900 (Visuelle Geschichtskultur 22). Sandstein Verlag, Dresden, 2023.
  • mit: Sabine Stach und Juliane Brauer: Spielen im Staatssozialismus. Zwischen Sozialdisziplinierung und Vergnügen, In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2021, 2021.
  • mit Alexander Weidle: Bukowina-Deutsche. Erfindungen, Erfahrungen und Erzählungen einer (imaginierten) Gemeinschaft 1775 bis heute, In: Danubiana Carpathica. Jahrbuch für Geschichte und Kultur in den deutschen Siedlungsgebieten Südosteuropas. 10/57, De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston, 2020.
  • mit Ruth Leiserowitz: Women and men at war. A gender perspective on World War II and its aftermath in Central and Eastern Europe (= Einzelveröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts Warschau. Band 28). fibre, Osnabrück 2012, ISBN 978-3-938400-83-8.
  • mit Stephan Scholz und Bill Niven: Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung. Ein Handbuch der Medien und Praktiken. Schöningh, Paderborn 2015, ISBN 978-3-506-77266-4.
  • mit Machteld Venken: Growing up in the Shadow of the Second World War. European Perspectives / Grandir dans les brumes de la Seconde Guerre mondiale. Perspectives européennes. Special Issue, European Review of History / Revue européenne d'histoire 22 (2015).
Lexikonbeiträge
  • In: Torben Fischer, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Lexikon der 'Vergangenheitsbewältigung' in Deutschland. Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945. Transcript, Bielefeld 2007. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage 2015, ISBN 978-3-8376-2366-6.
    • Adorno-Diktum
    • Bitburg-Affäre
    • Goebbels-Gorbatschow-Vergleich
    • Geistig-moralische Wende
    • Israel-Reise Helmut Kohls/Gnade der späten Geburt
Artikel
  • The Miniature Monarch: Picture Postcards and Imperial Politics in the Late Habsburg Empire. In: European Review of History/Revue européene d’histoire, 32/6, 2025, S. 625–642, https://doi.org/10.1080/13507486.2025.2526066.
  • Stories of Power: Sexual Contacts between Occupiers and Locals in German-Occupied Poland. In: Vermont Studies on Nazi Germany and the Holocaust, 9, 2024, S. 65–82, https://doi.org/10.1515/9781805392453-006.
  • Vertreibung als integrativer und konfrontativer Terminus im Kalten Krieg, In: Exilforschung. Bd. 40 (Exil, Flucht und Migration. Konfligierende Begriffe, vernetzte Diskurse?), 2022, S. 217–230, ISBN 978-3-11-077084-1.
  • Spielen im Staatssozialismus. Zwischen Sozialdisziplinierung und Vergnügen – Einführung. In: Ulrich Mählert, Juliane Brauer, Maren Röger, Sabine Stach (Hrsg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2021 (Spielen im Staatssozialismus. Zwischen Sozialdisziplinierung und Vergnügen), 2021, S. 1–18, ISBN 978-3-86331-590-0.
  • Kartonierte Möglichkeitsräume. Welten und Grenzen sozialistischer Brettspiele. In: Ulrich Mählert, Juliane Brauer, Maren Röger, Sabine Stach: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2021 (Spielen im Staatssozialismus. Zwischen Sozialdisziplinierung und Vergnügen), 2021, S. 103–122, ISBN 978-3863315900.
  • Ethnopolitisches Engineering im Zeitalter des Nationalismus. Identitätsstiftung und ihre Grenzen bei den Bukowina-Deutschen. In: Maren Röger und Alexander Weidle (Hrsg.): Danubiana Carpathica. Jahrbuch für Geschichte und Kultur in den deutschen Siedlungsgebieten Südosteuropas, 57/10 (Bukowina-Deutsche. Erfindung, Erfahrungen und Erzählungen einer (imaginierten) Gemeinschaft), 2020, S. 39–56, ISBN 978-3-11-060338-5.
  • Kollektivbegriff mit deutlichen Grenzen. Die Buchenlanddeutschen, In: Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, 15/2, 2020, S. 35–46.
  • mit Lena Radauer: Mobilität und Ordnung. Eine Rechts- und Gesellschaftsgeschichte deutsch-russischer Eheschließungen von 1875-1926, In: Margareth Lanzinger und Claudia Kraft: L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft, 31/1 (Ehe imperial), 2020, S. 69–86, https://doi.org/10.14220/9783737010689.69.
  • mit Florian Greiner: Den Kalten Krieg spielen: Brett- und Computerspiele in der Systemkonfrontation, In: Zeithistorische Forschungen, 16/1, 2019, S. 46–73, https://doi.org/10.14765/zzf.dok-1336 (Online-Zugriff).
  • Von Fischotter und seiner Frau. Besatzungsalltag und NS-Rassenpolitik am Beispiel eines deutsch-polnischen Paares im Generalgouvernement. In: Historische Zeitschrift, Jg. 155, Heft 1, 2014.[11]

Einzelnachweise

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