Margareta von Ungarn (Kaiserin)
byzantinische Kaiserin und Königin von Thessaloniki
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Margareta von Ungarn (ungarisch Magyarországi Margit; geboren 1175 im Königreich Ungarn; gestorben nach 1229) war eine ungarische Prinzessin aus dem Geschlecht der Arpaden. Durch ihre Ehe mit Isaak II. Angelos war sie bis zu dessen Tod 1204 Byzantinische Kaiserin. Sie verheiratete sich mit dem König von Thessaloniki Bonifatius I. von Montferrat. Nach dessen Tod 1207 übernahm sie für ihren damals erst 2-jährigen Sohn Demetrius von Montferrat bis 1216 die Regentschaft über das Königreich Thessaloniki. In den 1220er-Jahren regierte sie Ländereien in der Region Syrmien im Süden des Königreichs Ungarn.
Frühes Leben

Margareta war die älteste Tochter des ungarischen Königs Béla III. und seiner ersten Ehefrau Agnes de Châtillon.[1] Sie war eine jüngere Schwester des späteren Königs Emmerich. Ihre jüngeren Geschwister waren Andreas II., der Emmerich folgte, und Konstanze, die später Königin von Böhmen wurde. Zwei weitere Brüder, Salomon und Stephan, werden in Stammtafeln erwähnt, scheinen aber jung gestorben zu sein.[2]
Kaiserin von Byzanz

1186 wurde die 10-jährige Margareta mit dem byzantinischen Kaiser Isaak II. Angelos verheiratet, der eine politisch strategische Allianz mit dem Königreich Ungarn anstrebte.[3] Bei dieser Hochzeit nahm Margareta den Taufnamen „Maria“ an und wurde in der Folge byzantinisch erzogen.[4]
Der Ehe mit Isaak entstammen zwei Söhne: Manuel Angelos (geboren vor 1193, gestorben 1212)[5] und Johannes Angelos (geb. um 1193 – gest. um 1253). Dieser wanderte später nach Ungarn aus und regierte als Vasall von König Béla IV. von Ungarn über die Grafschaften Syrmien und Kovin (ca. 1227–1242).
Isaak wurde 1195 von seinem Bruder Alexios III. Angelos abgesetzt und geblendet. Alexios bestieg den Thron. Isaak wurde inhaftiert, es ist unklar, ob Margareta ebenfalls inhaftiert wurde. Ihr Stiefsohn Alexios IV. Angelos konnte fliehen und schloss sich den militärischen Beratungen an, die kurz vor dem Start des Vierten Kreuzzugs standen. Dort überzeugten er und andere die Kreuzritter, Konstantinopel zu belagern, um seinen Onkel zu entmachten und seinen inhaftierten Vater und ihn selbst wieder auf den Thron zu setzen. Dies gelang 1203, aber seine wiederhergestellte Herrschaft war nur von kurzer Dauer, da die Kreuzritter Alexios töteten und das Reich 1204 für sich selbst übernahmen.
Königin von Thessaloniki

Margaretas Ehemann Isaak starb im Februar 1204, Quellen sprechen davon, er sei „in seinem Kerker erwürgt worden, nachdem Gift seine Wirkung nicht entfaltet hatte“.[5] Als Bonifatius I. von Montferrat, Befehlshaber der Landstreitkräfte bei der Eroberung Konstantinopels, den Bukoleon-Palast einnahm, stellte sich heraus, dass Margareta dort zusammen mit einer anderen Kaiserinwitwe, Agnes von Frankreich, Zuflucht gesucht hatte.[5] Bonifatius war einer von nur zwei Kandidaten, die zur Wahl zum Kaiser vorgeschlagen wurden, verlor jedoch gegen den Grafen von Flandern Baldwin IX. Als Entschädigung erhielt er „alle Gebiete auf der asiatischen Seite des Bosporus sowie die Ile de Griesse (den Peloponnes)“.[5] Die Krönung des neuen Kaisers Balduin I. fand am 16. Mai 1204 in der Hagia Sophia statt.
Noch im selben Jahr heiratete die verwitwete Margareta, Kaiserinwitwe, in Konstantinopel Bonifatius von Montferrat, wobei die Hochzeit nach den Riten der lateinischen Kirche vollzogen wurde.[6][7] Die Ehe sollte sowohl Bonifatius' Position bei der byzantinischen Aristokratie stärken als auch ihm Margaretas ungarische Verbindungen verschaffen.[8]
Laut Papst Innozenz III. schreckte Margareta nach der Hochzeit zunächst davor zurück, „so schnell zu den lateinischen Bräuchen zurückzukehren, da sie eine zu unverschämte Verfechterin der griechischen Sitten war“,[4] wurde jedoch vom Papsttum und ihrem Ehemann unter Druck gesetzt, zur römisch-katholischen Kirche zurückzukehren. Als sie einen lateinischen Segen annahm, schrieb der Papst ihr einen Glückwunschbrief.[4]
Im selben Jahr 1204, jedoch nach seiner neuen Heirat, bat Bonifatius darum, seine Ländereien in Asien gegen das Königreich Thessaloniki eintauschen zu dürfen, das er für besser geeignet hielt für eine politische Annäherung an seinen neuen Schwager Andreas, den damaligen Regenten von Ungarn, der dann sein Nachbar sein würde, und der neue Kaiser stimmte diesem Tausch zu.[5] Bonifatius war jedoch bis zu seinem Tod fast ununterbrochen in Kriege verwickelt. Margaretas Stieftochter Agnes von Montferrat wurde im Februar 1207 mit dem neuen Kaiser Heinrich von Flandern verheiratet. Im selben Jahr kehrte Bonifatius nach Thessaloniki zurück, als er von Bulgaren überfallen wurde. Er wurde enthauptet und sein Kopf wurde an Zar Kaloyan von Bulgarien geschickt.[5]
Regentin von Thessaloniki
Bonifatius' Sohn Wilhelm VI. von Montferrat aus einer früheren Ehe trat die Nachfolge in der Markgrafschaft Montferrat an. Der 1205 geborene gemeinsame Sohn von Bonifatius und Margareta Demetrius von Montferrat wurde gemäß dem Testament von Bonifatius zu seinem Nachfolger in Thessaloniki unter der Regentschaft seiner Mutter bestimmt. Die Barone waren sich jedoch bewusst, dass eine starke Regierung notwendig war, und bildeten einen Regentschaftsrat für den minderjährigen Demetrius.
1207 wurde Demetrius König von Thessaloniki, zumindest dem Titel nach. Kaiser Heinrich von Flandern ging nach Thessaloniki, um im Namen des Kindes die Huldigung entgegenzunehmen.[5] Nach anfänglichen Widerständen krönte der Kaiser am 6. Januar 1209 den Säugling Demetrius zum König von Thessaloniki und nahm den lombardischen Herren einen Eid ab.[8] Der Vorgang wurde von Papst Innozenz III. als rechtsgültig bestätigt. Margareta sicherte sich die Position der Regentin, wie es im Testament ihres Gatten festgelegt war.
1216 kam es zu einer Rebellion unter dem ehemaligen Vogt von Thessaloniki Biandrate, der die Regentschaft für sich beanspruchte. Die Regentin Margareta bat den Kaiser um Hilfe, die dieser zusagte, aber nach seinem Eintreffen aus ungeklärter Ursache verstarb.[5] Der neue lateinische Kaiser, Peter I. von Courtenay, setzte Demetrius' Halbbruder Wilhelm von Montferrat als tatsächlichen Herrscher ein.[9] Nachdem sie die Regentschaft verloren hatte, verließ Margareta Thessaloniki und ließ offenbar ihren Sohn Demetrius in der Stadt zurück, bis dieser 1222 vor Theodoros I. Komnenos Dukas nach Italien floh.
Späteres Leben und Tod
Margareta von Ungarn heiratete in dritter Ehe den flandrischen Adeligen Nicholas I. von Saint-Omer.[10] Dieser hatte seinen Onkel auf dem vierten Kreuzzug begleitet und ein Lehen in Doris erhalten. Er wurde auch „Herr von Böotien“ genannt.[5]
Aus ihrer Ehe sind zwei Söhne bekannt: Bela von Saint Omer[11] und Wilhelm von Saint Omer.[11]
Als Margareta mit ihren Söhnen nach Ungarn zurückkehrte, wurde sie von ihrem Bruder, König Andreas II. (1205–1235), freundlich empfangen, der ihr Besitztümer in den südlichen Regionen des Königreichs, vor allem in Syrmien, überließ.[12] Ihre Schwägerin, Königin Yolanda, war maßgeblich an der Vermittlung der Ehe zwischen Margarets Sohn Johannes Angelos von Syrmien und Matilda von Požega, der Tochter von Yolandas Schwester Margarete von Courtenay, beteiligt.[13][14][15][16][17] Am 30. März 1223 nahm Papst Honorius III. Margareta unter seinen Schutz, ein entsprechendes Dokument führt eine Liste ihrer Besitztümer auf.[18]
Margareta lebte noch im Jahr 1229, als sie in einem päpstlichen Brief erwähnt wurde.[12] Weder der Zeitpunkt noch der Ort ihres Todes sind bekannt.
Vorfahren
| Álmos von Kroatien (um 1074/1075–1127/1129) | ||||||||||||||||
| Béla II. (um 1110–1141) | ||||||||||||||||
| Predslava von Kiew | ||||||||||||||||
| Géza II. (1130–1162) | ||||||||||||||||
| Uroš I. Groß-Župan von Raszien (um 1080–1140) | ||||||||||||||||
| Helena von Serbien (1109–1146) | ||||||||||||||||
| Anna Diogenissa (1075 1135) | ||||||||||||||||
| Béla III. (um 1148–1196) | ||||||||||||||||
| Wladimir II. Wsewolodowitsch (1053–1125) | ||||||||||||||||
| Mstislaw I. Großfürst der Kiewer Rus (1076–1132) | ||||||||||||||||
| Gytha von Wessex (vor 1066–1098 oder 1107) | ||||||||||||||||
| Euphrosina von Kiew (1130–1186) | ||||||||||||||||
| Dmitr Sawiditsch (1050–1118) | ||||||||||||||||
| Liubava Dmitrievna Sawiditsch (1100–1167) | ||||||||||||||||
| Margareta von Ungarn | ||||||||||||||||
| Geoffroy II de Donzy (1040–1097) | ||||||||||||||||
| Hervé II de Donzy | ||||||||||||||||
| Renaud de Châtillon (um 1125–1187) | ||||||||||||||||
| Agnes de Châtillon (1153–1184) | ||||||||||||||||
| Bohemund von Tarent, Fürst von Antiochia (1051/1052–1111) | ||||||||||||||||
| Bohemund II. von Antiochia (1108–1130) | ||||||||||||||||
| Konstanze von Frankreich (1078–1124/1126) | ||||||||||||||||
| Konstanze von Antiochia (1127–1163/1167) | ||||||||||||||||
| Balduin von Bourcq (vor 1080–1131) | ||||||||||||||||
| Alice von Antiochia (um 1110-nach 1137) | ||||||||||||||||
| Morphia von Melitene († 1126 oder 1127) | ||||||||||||||||
Literatur
- Pál Engel: The Realm of St. Stephen: A History of Medieval Hungary, 895–1526. I.B.Tauris, London & New York 2001 (englisch, google.com).
- Gyula Moravcsik: Byzantium and the Magyars. Akadémiai Kiadó, Budapest 1970 (englisch, google.com).